Vorwurf Bankbetrug: VW droht in den USA noch mehr Ärger

Vorwurf Bankbetrug: VW droht in den USA noch mehr Ärger

Volkswagen-Werk in Chattanooga, Tennessee.

Die US-Justiz weitet ihre Ermittlungen im VW -Abgasskandal aus. Das Washingtoner Justizministerium gehe nun auch dem Verdacht des Bankbetrugs nach.

Die Hoffnungen des Volkswagen-Konzerns, in den USA nach dem Abgas-Skandal schnell, außergerichtlich und gütlich zu einer Einigung zu kommen haben einen weiteren Dämpfer bekommen. Das Justizministerium ermittelt neuesten Informationen zufolge nun auch wegen Bankenbetrugs, das "Wall Street Journal" berichtete zudem unter Berufung auf Insider, in diesem Zusammenhang gehe es auch um mögliche Verstöße gegen Steuergesetze.

Analysten rechnen nun mit zusätzlichen Strafzahlungen für VW. Der Konzern äußerte sich zu der aktuellen Entwicklung bislang noch nicht. Ein Sprecher bekräftigte lediglich erneut, man werde bei den Ermittlungen weiter mit allen zuständigen US-Behörden kooperieren.

Die VW-Aktie (ISIN DE0007664005) verlor zeitweise mehr als vier Prozent, grenzte ihre Verluste später aber ein. Die negativen Nachrichten zum "Dieselgate" hätten in den vergangenen Tagen zugenommen, schrieb DZ Bank Analyst Michael Punzet in einem Kommentar. "Mögliche weitere finanziellen Belastungen könnten zu einer stärkeren Dividendenkürzung als vom Markt angenommen führen." Er bekräftigte seine Verkaufsempfehlung für die VW-Aktie. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 16 Prozent an Wert verloren, der Leitindex Dax (ISIN DE0008469008) kommt im gleichen Zeitraum auf ein Minus von knapp zehn Prozent.

"Es wird sicher nicht billiger für VW"

"Es wird sicher nicht billiger für Volkswagen", sagte Frank Schwope von der NordLB. Der Wolfsburger Konzern ist in den USA wegen Verstößen gegen Umweltgesetze bereits mit einer hohen Strafandrohung konfrontiert. Dabei steht eine Strafe von bis zu 46 Milliarden Dollar im Raum. Die Summe dürfte nach Einschätzung von Juristen allerdings deutlich niedriger ausfallen, wie frühere Fälle vermuten lassen. Experten schätzen, dass der Abgasskandal einschließlich Schadensersatzzahlungen VW am Ende mehr als 30 Milliarden Euro kosten könnte.

Das 1989 für Ermittlungen gegen große Finanzinstitute konzipierte US-Gesetz gegen Bankbetrug erlaubt es, unter bestimmten Bedingungen einem Verdacht im Zeitraum der vergangenen zehn Jahre nachzugehen. Es wurde unter anderem in Fällen rund um Autokredit-Anbieter angewandt. Laut "Wall Street Journal" ermittelt das US-Justizministerium, ob Kreditgeber bei der Finanzierung von Fahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten geschädigt wurden.

Bislang 80.000 Kläger in Europa

In den USA sind bereits mehr als 500 Sammelklagen eingegangen. Auch immer mehr Autobesitzer in Europa schließen sich offenbar einer geplanten Sammelklage gegen den Konzern an. Die Zahl sei seit Januar von rund 60.000 auf etwa 80.000 gestiegen. Der Großteil seien österreichische Fahrzeugbesitzer, sagte Rechtsanwalt Julius Reiter der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Seine Kanzlei organisiert die Klage gegen Volkswagen in Deutschland, die - mangels Sammelklagerecht hierzulande - über eine niederländische Stiftung geführt wird.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte war in den USA durch die Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden. VW hatte daraufhin den Einsatz einer illegalen Software zugegeben, durch die Stickoxid-Werte von Dieselautos nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Weltweit sind von dem Betrug rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Während VW in den USA noch mit den Behörden über die Reparatur beziehungsweise den Austausch der Fahrzeuge verhandelt, ist der Rückruf in Europa bereits angelaufen.

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