Vorarlberger illwerke planen größtes Wasserkraftwerk Österreichs

Die Vorarlberger illwerke vkw wollen das größte Wasserkraftwerk Österreichs errichten. Das "Lünerseewerk II" soll eine Leistung von 1.000 MW bringen. Der Bau würde rund zwei Milliarden Euro kosten und könnte 2037 abgeschlossen sein.

Vorarlberger illwerke planen größtes Wasserkraftwerk Österreichs

Der Lünersee in Vorarlberg

Der Vorarlberger Energieversorger illwerke vkw will angesichts der angestrebten Energiewende seine Kapazitäten massiv ausbauen. Eingebettet in eine bestehende Kraftwerksinfrastruktur soll laut den am Donnerstag präsentierten Überlegungen mit dem "Lünerseewerk II" ein Kraftwerk mit 1.000 Megawatt Leistung entstehen. Das damit größte Wasserkraftwerk Österreichs könnte 2037/38 in Betrieb gehen. Kostenschätzungen belaufen sich auf rund zwei Mrd. Euro in den Jahren 2022 bis 2037.

Für das Lünerseewerk II greife man auf bestehende Anlagen zurück und nutze das schon bisher zur Energieerzeugung verwendete Wasser des Lünersees im Brandnertal. Vom auf 2.000 Metern gelegenen Lünersee ergebe sich eine Fallhöhe von rund 1.300 Metern. Im Tal, in Bürs (Bez. Bludenz), soll ein neues Krafthaus gebaut werden, damit bleibe der Weg zur Umspannanlage Bürs kurz, An- und Abtransport der Energie könnte mit den bestehenden Leitungen gewährleistet werden. Die Realisierung des Großteils der neuen Anlagen, darunter ein Druckstollen und ein Wasserschloss, erfolgt unterirdisch. Über den vorhandenen Walgaustollen ist das neue Werk hydraulisch in die illwerke vkw Werksgruppe Obere Ill-Lünersee eingebunden. Mit dem Lünerseewerk II erhöhten die illwerke vkw ihre Turbinenleistung um rund 43 Prozent, die Pumpleistung um 74 Prozent.

Möglicher Baubeginn 2031

Die Illwerke-Vorstände zeigten sich von technischer Machbarkeit, Bewilligungsfähigkeit und Rentabilität eines solchen Riesenkraftwerks überzeugt. Hintergrund ist die Energiewende, die vor allem in Deutschland rasch voranschreitet - Stichwort Kohle- und Kernkraftausstieg. Da sich Wind und Sonne nicht steuern lassen, ergeben sich Schwankungen, eine Herausforderung in der Grundversorgung mit Strom. Das System werde sehr volatil, es brauche daher Speicherung. "Ein Hunger nach Flexibilität ist absehbar", so Illwerke-Vorstand Helmut Mennel. Bis Ende 2024 soll die Idee nun zu einem UVP-genehmigungsfähigen Projekt weiterentwickelt werden. Ein möglicher Baubeginn könnte 2031 anstehen, eine Inbetriebnahme dann 2037/38.

Das Unternehmen könne aufgrund seiner Erfahrungen mit Kraftwerksbauten alle relevanten Themenfelder abdecken, so Illwerke-Vorstandsvorsitzender Christof Germann. In Bezug auf die Finanzierung verwies Germann auf eine Eigenkapitalquote von rund 70 Prozent, die auf die Dividendenpolitik des Eigentümers - die Illwerke stehen zu über 95 Prozent im Eigentum des Landes Vorarlberg - zurückzuführen sei. Man könne die zwei Mrd. Euro bis 2030 "grundsätzlich selbst finanzieren", so habe man das Obervermuntwerk II je zur Hälfte aus eigener Liquidität und aus einem Darlehen finanziert. Ein Beitrag zum Landesbudget sei dennoch auch in Zukunft möglich. Vor dem UVP-Verfahren habe man "hohen Respekt", man werde aber alle Betroffenen einbinden, so Germann. Für die illwerke vkw bedeute das Projekt eine große Wachstumschance. Zudem brauche man bis 2030 rund 200 neue Mitarbeiter, davon wären 100 mit der Realisierung des Projekts beschäftigt. Zudem brächten die Bauarbeiten auch Impulse für die Vorarlberger Wirtschaft.

Größtes Infrastrukturprojekt Vorarlbergs

Landeshauptmann und Eigentümervertreter Markus Wallner (ÖVP) sprach vom "größten Infrastrukturprojekt Vorarlbergs". Er sah einen "echten Beitrag zum Klimaschutz, der weit über das hinaus gehe, was Vorarlberg sonst leisten kann". Zudem gefielen ihm die wirtschaftlichen Möglichkeiten auf einem Markt für Regelenergie: "Klimaschutz wird zum Geschäft." Er strebe einen möglichst einstimmigen Beschluss im Landtag für das Projekt an, in ersten Gesprächen mit den Landtagsparteien gebe es eine positive Grundhaltung. Das Vorhaben müsse sorgfältig beraten werden, er habe aber großes Vertrauen in das Unternehmen. Von EU-Seite stehe der Investition rechtlich derzeit nichts im Wege, in der kommenden österreichischen UVP-Gesetzgebung müsse auf eine nicht zu lange Verfahrensdauer geachtet werden.

Klimaschutz-Landesrat Johannes Rauch (Grüne) sieht das Lünerseewerk II als "Schlüsselprojekt für die europäische Energiewende". Man habe nur mehr zehn Jahre Zeit für die Energiewende. Das "bestechende" Projekt werde die illwerke vkw zu einem europäischen Player machen, daher sei das Vorhaben für das Unternehmen und das Land historisch. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine einstimmige Akzeptanz im Landtag möglich sein wird.

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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