Von Tierpflege bis Inselreinigung: Asylwerber in Wien im Einsatz

Von Tierpflege bis Inselreinigung: Asylwerber in Wien im Einsatz

Seit Beginn des Flüchtlingsstroms werden regelmäßig Forderungen laut, dass Asylwerber gemeinnützige Tätigkeiten verrichten sollten. Was sie etwa in Wien schon tun: Der Fonds Soziales Wien (FSW) vermittelt Betroffene an unterschiedliche Dienststellen. Asylsuchende sind etwa in Schulen, auf Märkten, bei der Reinigung der Donauinsel oder bei der Wildtierpflege im Einsatz. Der Andrang ist groß.

Alleine im Magistrat und weiteren Einrichtungen der Stadt konnten bisher rund 200 Flüchtlinge vermittelt werden. Sie werden laut FSW dort für ihre Engagement bezahlt. Die gemeinnützige Tätigkeit kann mit einem maximalen Anerkennungsbeitrag von 110 Euro pro Monat abgegolten werden. Mehr ist nicht möglich: Eine reguläre Beschäftigung dürfen Asylwerber nicht ausüben.

Die Einsatzorte sind höchst unterschiedlich. So werden etwa Personen mit Lehr-Erfahrung zur Unterstützung von Lehrern in Klassen mit Flüchtlingskindern eingesetzt. Auch bei den fremdsprachigen Start-Wien-Kursen sind Flüchtlinge als Mitarbeiter mit dabei. Unterstützungstätigkeiten werden weiters in der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung), in der Gebietsbetreuung oder im Menschenrechtsbüro geleistet.

Freiwilligenarbeit in Garten und Schneiderei

Auf Märkten, bei der Straßenreinigung oder beim Saubermachen auf der Donauinsel dürfen Asylwerber ebenfalls mit anpacken. Und in der Umweltschutzabteilung kann bei der Wildtierpflege geholfen werden. Doch nicht nur im Magistrat wird der Alltag aktiv gestaltet. Auch beim Projekt "Refugees for Refugees" der FSW-Tochter "wieder wohnen" im ehemaligen Geriatriezentrum am Wienerwald ist dies möglich. Rund 150 Teilnehmer beteiligen sich dort an Gartenarbeiten, in der Schneiderei und im Friseursalon, wenn auch ohne Bezahlung.

Ähnliche Projekte gibt es, so betont man beim Fonds Soziales Wien, auch in Einrichtungen anderer NGOs. Diesen wurden vom FSW Interessenten für die Freiwilligenarbeit in Tageszentren für Senioren bzw. in Behinderteneinrichtungen empfohlen. Auch hier gilt: Geld gibt es für diese Art der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht.

Sprache lernen, Zeit sinnvoll nutzen

Wobei die Entlohnung laut den Organisatoren nicht im Vordergrund steht. Ziel sei vielmehr, die Zeit sinnvoll zu nutzen und den Sprachererwerb zu fördern, betonte Renate Christ von der Koordinationsstelle für Flüchtlingswesen im APA-Gespräch. Beteuert wird, dass reguläre Arbeitsplätze nicht ersetzt werden und es sich um praktikumsähnliche Tätigkeiten handelt.

Projektleiterin Christ wendet sich laut eigenen Angaben an die diversen Grundversorgungseinrichtungen und Notquartiere, um mit interessierten Bewohner in Kontakt zu treten. Dann werden zunächst die Qualifikationen der Bewerber erhoben. "Das Interesse ist viel größer als das Angebot", berichtete die Projektleiterin: "Im Prinzip würde gerne jeder erwachsene Asylwerber etwas machen. Alles ist besser als nur herumzusitzen und an die Decke zu schauen."

Anschließend wird geprüft, wo die Betroffenen eingesetzt werden könnten. Wichtig sei, dass es an den Dienststellen auch die Möglichkeit gibt, die Personen zu betreuen. Unter den Bewerbern befinden sich übrigens auch hoch qualifizierte Asylwerber: Christ berichtete nicht nur von Lehrkräften, sondern auch von Architekten, einem syrischen Bibliothekar, der in der Hauptbücherei tätig werden konnte sowie der Leiterin eines medizinischen Labors aus Bagdad, die vermittelt wurde.

Es sei absolut sinnvoll, so beteuerte Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) in einer Stellungnahme gegenüber der APA, Asylwerbern die Möglichkeit zu geben, gemeinnützig tätig zu werden: "Das fördert den Integrationsprozess und die gegenseitige Solidarität. Gemeinnützige Tätigkeit als Art Strafe oder Sanktion zu sehen, ist aber nicht der richtige Weg, vielmehr geht es um die Förderung von Akzeptanz und gegenseitigem Verständnis."

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