Volles Rohr: Bis zu 140 Prozent Rendite mit Stahlaktien

Volles Rohr: Bis zu 140 Prozent Rendite mit Stahlaktien

Jahrelang machten Anleger um Stahlaktien einen weiten Bogen. Jetzt zählen sie zu den Gewinnern des Jahres. Warum sie wieder heiß begehrt sind und woran die Branche weiterhin krankt.

2016 feierte die Stahlbranche ihr großes Comeback. Denn erstmals seit der Finanzkrise sind die Preise für Rohstoffe wie Stahl gestiegen. Der chinesische Stahlfuture hat 2016 stark zugelegt - am Mittwoch lag der Terminkontrakt mit 2989 Yuan. Vor einem Jahr hatte der Future lediglich bei 1732 Yuan notiert. Vor allem seit Ende September haben sich die Anleger, angesichts der stärkeren Dynamik der Weltwirtschaft, förmlich auf die Branche gestürzt, "die davor an den Börsen richtig ausgebombt war", erläutert Günther Kastner, Anlagechef von C-QUADRAT Asset Management.

Stahlaktien: Einer der großen Gewinner des Jahres

Seit Jahresbeginn haben sich die Stahltitel im deutschen Leitindex im Schnitt um rund 25 Prozent verteuert, womit sie zu den größten Gewinnern im deutschen Leitindex zählen. Die Aktie von Thyssenkrupp gehört mit einem Wachstum von über 27 Prozent seit Jahresbeginn zu den großen DAX-Gewinnern 2016. Salzgitter im MDax hat bisher im Jahresverlauf schon 48 Prozent gewonnen - für viele Anlageprofis auch weiterhin einer der Top-Favoriten bei den deutschen Nebenwerten. Die in Amsterdam und Paris gelisteten Titel des Weltmarktführers Arcelormittal kletterten an der Börse seit Jahresbeginn um fast 140 Prozent. C-QUADRAT Anlagespezialist Kastner findet, bei einzelne Unternehmen der Branche, nach wie vor vergleichsweise günstige Titel. Einer der Gründe sind die Perspektiven auf weiter steigende Gewinne der Stahlkonzerne, da die Konjunktur weiter anziehen dürfte und damit auch die Preise für Stahl. Wie stark die Branche in den vergangenen Jahren an der Börse gelitten hat, zeigt die Aktie von Arcelormittal, die selbst nach dem Kurssprung von 140 Prozent im letzten Jahr, nach wie um 70 Prozent billiger ist als vor zehn Jahren.

Weiter steigende Preise erwartet


Für das Jahr 2017 macht nach Einschätzung der Vermögensspezialisten von Vontobel zudem das angekündigte Konjunkturprogramm des designierten US-Präsidenten Donald Trump Hoffnung. Die Stahlpreise dürften damit einen weiteren Preisschub vor sich haben. ArcleorMittal hat bereits angekündigt, seine Preise innerhalb der Europäischen Union für das kommende Jahr anheben zu wollen.

Erdrückende Überkapazitäten

Die Stahlbranche hat Jahre ernster Sorgen hinter sich. Die Finanzkrise und in ihrem Gefolge das Platzen der Immobilienblase in südlichen Ländern, hat ihr zugesetzt. Denn der Branche hat das gedämpfte weltweite Wirtschaftswachstum mit voller Wucht zu spüren bekommen und hat seither mit erheblichen Überkapazitäten zu kämpfen. Die Lage hat sich sogar noch einmal verschärft seit China nicht mehr um jeden Preis ihre Industrieproduktion hoch halten will und seither versucht ihren Stahl billig in den Weltmarkt zu drücken. Hinzu kamen die schweren Rezessionen in Russland und Brasilien.

Schließung von Werken politisch schwer durchzusetzen

Wenn weltweit Stahl im Überfluss vorhanden, drückt das auf die Preise. Das haben europäischen Stahlkonzerne besonders heftig zu spüren bekommen. Schließungen von Werken sind jedoch sowohl in Europa als auch in China politisch äußerst schwer durchzusetzen. Solche Werke beschäftigen stets eine hohe Zahl an Mitarbeitern und sind vielfach in ohnehin strukturschwachen Regionen angesiedelt. Erst nachdem die EU zuletzt Schutzzölle eingeführt hat, entspannt sich die Lage etwas.

Stahlkonzerne haben deshalb zumindest vergleichsweise moderat Stellen abgebaut oder eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit eingeführt. Wenn größere Kündigungswellen bisher auch ausgeblieben sind. In Deutschland etwa ist die Zahl der insgesamt 86.000 Beschäftigen in der Branche seit Jahren nahezu unverändert. Beim deutsche Branchenführer Thyssenkrupp gibt es sogar eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis ins Jahr 2021 ausschließt. Starker Stellenabbau dürfte auch weiterhin schwierig sein, da die Rechte der Arbeiter in der Branche sehr ausgeprägt sind und diese durch Arbeitnehmervertreter bei Fusionen ein kräftiges Wort mitreden. Selbst Fusionen könnten deshalb relativ wenig Einsparungen bringen. In der Branche hofft man jedoch seit langem, das auf diese Weise Bewegung in den Stahlmarkt kommt.

Voestalpine zählt zu den profitabelsten Stahlkochern Europas

Unternehmen wie die Voest versuchen mit Innovationen, etwa im Automobilbereich, sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Österreicher zählen auch zu den erfolgreichsten der Branche. So hat das Unternehmen zuletzt ihre seine Gewinn vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Umsatz bei sechs Prozent gehalten. Ein Spitzenwert in der Branche.

Kaufempfehlung für Thyssenkrupp


Auch Thyssenkrupp setzt ebenfalls auf die Weiterverarbeitung des Stahls zu automobilen Teilen, Aufzüge und Triebwerken. Dennoch verzeichnete Thyssenkrupp für das Geschäftsjahr 2016 mit 1,5 Milliarden Euro einen um neun Prozent niedrigeren Gewinn als im Jahr zuvor. Doch die Analysten von Vontobel sind optimistisch: So plant das Unternehmen die Bereiche für Aufzüge, Autoteile, Anlagen und U-Booten auszuweiten. Dazu baut Thyssenkrupp seine Aktivitäten in China aus. In Changzhou werde ein neues Werk für Lenksysteme für den Bereich der Automobilindustrie errichtet. Bereits ab dem kommenden Jahr solle das Werk sämtliche, in China vertretene, Automobilfirmen mit elektrischen Lenksystemen und weiteren Komponenten versorgen. Beim Finanzdienstleister Bloomberg wird die Thyssenkrupp-Aktie von 16 Analysten zum Kauf empfohlen, acht raten zum halten. Aktueller Kurs: 22,9 Euro. Kursziel im Schnitt: 24,06 Euro.

Die Branche steht jedoch trotz Preiserhöhungen vielfach weiterhin auf schwachen Beinen, wie das Beispiel der deutschen Salzgitter AG zeigt. Der Konzern hat im ersten Halbjahr nur einen Gewinn von Salzgitter etwas über neun Millionen Euro erzielt und ist damit nur knapp über der roten Linie gelandet.

Viel Geld auf der hohen Kante

Zumindest verfügen viele Unternehmen der Branche über hohe Cash-Reserven, um die anhaltenden Probleme noch länger durchzuhalten. Die Salzgitter AG verfügt beispielsweise über Eigenkapitalquote von 32 Prozent. Ein Wert von dem etwa Banken nur Träumen können. Sollte China wie seit langem angekündigt mit dem massiven Abbau von Stellen in ihren vielen schwer angeschlagenen Werken beginnen, würde die Stahlkocher in Europa erhelblicher Druck von den Schultern genommen werden.

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