Volkswagen: Weiteres schwieriges Jahr - Neue Strategie

Volkswagen: Weiteres schwieriges Jahr - Neue Strategie

VW-Chef Matthias Müller trimmt den Volkswagenkonzern auf einen neuen Kurs - mit E-Autos und neuen Partnerschaften soll auch das miese Image aus dem Dieselskandal abgeschüttelt werden.

Volkswagen-Chef Müller erwartet infolge des Abgasskandals ein weiteres schwieriges Jahr. Für 2016 rechnet er jedoch mit einer solide Entwicklung des operativen Geschäfts. Der Konzern habe eine starke finanzielle Substanz. "Der Wandel soll jedoch beschleunigt werden". Große Versprechen macht Müller zu Elektroautos. 20 neue E-Modelle will VW bis Ende des Jahrzehnts auf den Markt bringen. VW will sich neue Partner suchen.

Wolfsburg. Der deutsche Autokonzern VW geht wegen der Abgasmanipulation von weiteren Lasten aus. "Wir wissen, 2016 wird für den Volkswagen-Konzern noch einmal ein sehr anspruchsvolles Jahr", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanz des vergangenen Jahres.

Europas und derzeit vor Toyota der weltgrößte Autobauer müsse nicht nur die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation schultern, sondern gleichzeitig die Neuausrichtung auf umweltschonende Antriebe bewältigen und die Digitalisierung einleiten. Zudem werde der Wettbewerb weltweit immer härter. Gleichzeitig geht Müller davon aus, dass die Konkurrenz Kapital aus der Lage von VW schlagen will.

Die Automobilindustrie, so Müller, stehe vor dem nächsten großen Innovationssprung und einer radikalen Transformation. „Unsere Ausgangsposition für diesen epochalen Wandel ist gut. Wir haben viele Stärken, die wir in die Waagschale werfen können“

Bei alledem könne Volkswagen mit keinem Rückenwind vom Markt rechnen. Die Wolfsburger wollten sich jedoch nicht von der Krise lähmen lassen, betonte Müller. "Insgesamt haben wir aus heutiger Sicht gute Chancen, uns 2016 im operativen Geschäft solide zu entwickeln." Der Konzern mit seinen zwölf Marken habe eine starke finanzielle Substanz.

VW-Finanzvorstand Frank Witter erklärte der Anstieg der Netto-Liquidität im Konzernbereich Automobile sei von 17,6 auf 24,5 Milliarden Euro per Ende 2015 „unterstreicht unsere solide Liquiditätspolitik.“

Im abgelaufenen Jahr hatten milliardenschwere Rückstellungen für "Dieselgate" dafür gesorgt, dass der Konzern erstmals seit seiner Gründung tiefrote Zahlen schrieb. Der Abgasskandal ("Dieselgate") hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 insgesamt zu außergewöhnlichen Belastungen von 16,2 Mrd. Euro im operativen Ergebnis geführt. Darin enthalten sind Rückstellungen für anstehende technische Maßnahmen an den betroffenen Dieselmotoren sowie Rückkäufe in Höhe von 7,8 Mrd. Euro. Hinzu kommen Rückstellungen in Höhe von 7,0 Mrd. Euro für weltweite Rechtsrisiken.

Gleichwohl erhalten die Aktionäre, darunter die Familien Porsche und Piech, eine Minidividende von wenigen Cent. Die Millionenboni des Vorstands werden um 30 Prozent gekappt, die Arbeitnehmer müssen um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Das Operative Ergebnis drehte - wie bereits berichtet - ins Minus auf 4,1 Milliarden Euro. 2014 wurde noch ein Gewinn in Höhe von 12,7 Milliarden Euro eingefahren. Die operative Rendite sank auf minus 1,9 Prozent - nach plus 6,3 Prozent im Jahr 2014.

Der VW-Konzern hat im Geschäftsjahr 2015 mit 9,9 Millionen Einheiten 2,0 Prozent weniger Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert als im Vorjahr.

Die VW-Aktie notiert am Donnerstag gegen Mittag leicht im Minus (-0,17 Prozent) bei 128,73 Euro

Neue Strategie

Mitte des Jahres will Volkswagen seine neue Strategie präsentieren. Darin sollen die großen Zukunftsthemen der Branche – wie Digitalisierung, Vernetzung, Elektromobilität und neue Mobilitätsdienste – adressiert werden. Volkswagen will seine E-Offensive intensivieren. „Künftig werden wir das aber deutlich konsequenter und fokussierter tun. Den Rahmen dafür wird unsere ‚Strategie 2025‘ abstecken“, kündigte Müller an.

Bis zum Jahr 2020 will VW mehr als 20 zusätzliche E-Auto-Modelle auf den Markt bringen will. Mit dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) will Volkswagen derzeit eine eigene Architektur speziell für E-Fahrzeuge entwickeln.

Die E-Strategie

Ende des Jahrzehnts sollen die ersten Fahrzeuge auf MEB-Basis auf die Straße kommen. „Wir wollen das Elektroauto zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen machen“, erklärt Müller. Der VW-Konzern will dabei auch auf neue Kooperationen und Partnerschaften setzen. „Die Zeiten, in denen unsere Branche sich abgeschottet hat, gehören endgültig der Vergangenheit an. Berührungsängste, Alleingänge oder die Illusion, alles besser zu wissen und zu können, werden nicht ans Ziel führen“, sagte Müller.

So will Müller bei der Digitalisierung sich auch verstärkt auf Mobilitätsdienstleistungen fokussieren. „Hier wird sich in den kommenden Jahren ein großes Ergebnispotenzial für unsere Industrie auftun. Daran wollen wir so stark wie möglich partizipieren.“ In Kürze will VW dazu ein "rechtlich eigenständiges, konzernübergreifendes Unternehmen gründen".

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