Volkswagen steht trotz Rekordgewinn vor einem schweren Halbjahr

Volkswagen steht trotz Rekordgewinn vor einem schweren Halbjahr

VW-Chef Herbert Diess sorgt sich um die kommenden Monate - trotz Rekordgewinnen.

Das Tagesgeschäft brummt. Und dennoch läuft's bei VW nicht rund. Die Umstellung auf das neue WLTP-Abgastestverfahren zwingt den Konzern, die Produktion zurückzuschrauben und hunderttausende Autos zwischenzeitlich zu parken.

Der Volkswagen-Konzern hat einmal mehr ein Rekordergebnis abgeliefert. Und dennoch: trotz eines guten Laufs im Tagesgeschäft warnt Konzernchef Herbert Diess VW vor einem schwierigeren zweiten Halbjahr.

Doch der Reihe nach: Der Gewinn wurde im 2. Quartal um 22,7 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gesteigert. Selbst größte Optimisten hatten mit weniger gerechnet. Knapp fünf Milliarden Euro hatten von Reuters befragte Experten auf ihrem Zettel. Allerdings hat das Ergebnis doch eine Überraschung parat, die die Experten nachdenklich stimmt: Der Umsatz des Konzerns stieg deutlich langsamer an, als erwartet wurde. 3,4 Prozent Umsatzplus auf gut 61 Milliarden Euro bringen die Experten samt VW-Konzernchefs zum Nachdenken, was vor allem die nahe Zukunft betrifft.

Nach Sondereffekten werde die Ebit-Marge des Konzerns mit seinen zwölf Marken moderat unterhalb dieses Korridors liegen. Inklusive Sonderbelastungen werde das Unternehmen moderat unter dem Korridor landen. Hier stand im ersten Halbjahr ein Wert von 6,8 Prozent zu Buche.

Die VW-Aktie hat nach den Quartalszahlen um bis zu 1,4 Prozent verloren - trotz Rekordergebnis. Die Zukunft wird laut VW-Chef Diess größere "Anstrengungen" birngen.

Der VW-Chef bekräftigte aber die Prognose für das laufende Jahr, wonach die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen soll. Der Umsatz soll um fünf Prozent steigen, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen zwischen 6,5 und 7,5 Milliarden Euro liegen.

"Die Umsatz- und Ergebniszuwächse sind sehr solide", kommentierte Diess. Der Konzern habe mehr Fahrzeuge ausgeliefert als jemals zuvor. "Aber darauf können wir uns nicht ausruhen, denn in den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns."

Die Abgasmessung wird zum Kraftakt

Diess verwies dabei vor allem auf die Verzögerungen bei der Umstellung auf den neuen WLTP-Testzyklus. Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab Anfang September nur noch verkauft werden, wenn sie WLTP durchlaufen haben. Die Produktionsverzögerungen durch das neue Abgastestverfahren WLTP wird Volkswagen im zweiten Halbjahr schwer zu schaffen machen. "Klar ist, das wird im zweiten Halbjahr wirklich ein Kraftakt, auch auf der Margenseite werden", sagte VW-Chef Diess.

Durch das ab September geltende aufwendigere Messverfahren für Schadstoffe werde es von August bis Oktober zu Engpässen bei bestimmten Modellvarianten kommen, in einigen Werken auch zu Schließtagen. VW hat bereits angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden und die Arbeit im Stammwerk an ein bis zwei Tagen in der Woche ruht.

Tausende bereits produzierte Neuwagen, die noch nicht zertifiziert sind, sollen auf Parkplätzen zwischengelagert werden, unter anderem auf dem geplanten Berliner Flughafen BER. Volkswagen hatte bereits im Juni angekündigt, bis zu 250.000 Autos könnten später als geplant gebaut werden. Dennoch bleibe der Konzern bei seinem Ziel, im Gesamtjahr die Auslieferungen moderat im Vergleich zu 10,7 Millionen Fahrzeugen 2017 zu steigern, sagte Finanzchef Frank Witter.

Auch aus anderen Gründen bleibe die Rendite unter Druck, erklärte Diess weiter. So müsse viel Geld in das Erreichen der CO2-Klimaschutzziele investiert werden. Auch das Verbessern von Verbrennungsmotoren und die hohen Vorleistungen in Elektromobilität und Digitalisierung seien zu stemmen. Hinzu komme, dass die Renditen von Elektroautos zunächst niedriger als bei den aktuellen Autos mit Verbrennungsmotoren seien. Aufgrund dieser Belastungen bestehe Bedarf nach Einsparungen über das Jahr 2020 hinaus.

Das Polster

Dank des Rekordgewinns und eines üppigen Liquiditätspolsters im Kerngeschäft von mehr als 26 Milliarden Euro kann der Konzern das von der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Dieselskandals verhängte Bußgeld von einer Milliarde Euro verkraften. Zudem legte Volkswagen weitere 600 Millionen für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Abgasmanipulation zur Seite. Insgesamt türmen sich die Kosten der Dieselaffäre damit auf mehr als 27 Milliarden Euro.

Das Ende der Fahnenstange dürfte damit noch nicht erreicht sein. Denn Volkswagen ist mit Klagen von Investoren konfrontiert, die einen Ausgleich für ihre in der Dieselkrise erlittenen Kursverluste fordern. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig beginnt im September ein Musterverfahren, bei dem es um Ansprüche von fast 4 Milliarden Euro gegen Volkswagen und den Haupteigner Porsche SE geht.

Im zweiten Quartal verbuchte der Konzern für die Bewältigung der Dieselaffäre weitere 1,6 Milliarden Euro an Belastungen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte dem Autobauer im Juni eine Strafe von einer Milliarde Euro aufgebrummt. Die Sonderkosten sorgten dafür, dass VW unter dem Strich mit 3,3 Milliarden Euro nur 6,8 Prozent mehr verdiente als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 3,4 Prozent auf 61,1 Milliarden Euro.

Porsche weiter auf Kurs

Die stark gestiegene Nachfrage nach 911er und Panamera hält den Sportwagenbauer Porsche trotz weiterhin hoher Kosten auf Kurs. Zwar legte das operative Ergebnis der VW-Tochter im ersten Halbjahr erneut schwächer zu als der Umsatz, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des Volkswagen-Konzerns hervorgeht.

Mit einer Umsatzrendite von 17,5 Prozent liegt Porsche allerdings weiter deutlich über dem Ziel von mindestens 15 Prozent. Der Wert gibt das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz und damit die Profitabilität des Unternehmens an.

Rund 12,3 Milliarden Euro hat die Porsche AG, zu der neben dem Autogeschäft auch Finanzdienstleistungen gehören, im ersten Halbjahr umgesetzt. Das ist ein Plus von vier Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Das operative Ergebnis stieg nur leicht um ein Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro.

Porsche steckt derzeit Milliarden vor allem in die Elektromobilität, profitierte den Angaben zufolge aber vor allem von positiven Mixeffekten im Pkw-Geschäft. Das heißt, der Autobauer hat im Verhältnis mehr von den sehr teuren Fahrzeugen wie 911er oder Panamera verkauft, mit denen er mehr Geld verdient. Für beide Modelle hatte Porsche beim Absatz zuletzt zweistellige Wachstumsraten verzeichnet.

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