Volkswagen: Mit voller Kasse Richtung Elektromobilität

Volkswagen CEO Matthias Müller (li) und CFO Frank Witter

Volkswagen CEO Matthias Müller (li) und CFO Frank Witter

Trotz der Dieselkrise und den damit verbundenen Milliardenkosten konnte der Volkswagen-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr ein weiteres Rekordergebnis einfahren. Im Hintergrund hat Konzernchef Matthias Müller im Konzern die Weichen in Richtung Zukunft und Elektromobilität gestellt.

Erfolg macht oft blind, zu Selbstüberschätzung und zu einer Überheblichkeit führen, die dann gravierende Folgen nach sich zieht. So auch beim Volkswagen-Konzern. Der Diesel-Skandal, technologische Tricksereien und Fehleinschätzungen, der Irrglaube, unfehlbar zu sein haben dem deutschen Parade-Unternehmen die schwerste Krise seiner Geschichte eingebrockt.

Der Konzern war jedoch Manns genug, um in der Krise auch entsprechend entschlossene Schritte zu setzen. Mit einem neuen Konzernchef und einem runderneuerten Management wurde ein neuer Weg eingeschlagen. Es dauerte eine Weile, bis der "Tanker Volkswagen", wie Konzernchef Müller das Unternehmen bezeichnet, seine Fahrt auch in die gewünschte Richtung änderte, doch mittlerweile ist das aus zwölf Marken zusammengebaute Vehikel am Weg. "Kurs: Zukunft" ist die Vorgabe des Kapitäns Müller.

Die Zukunft sieht Müller vor allem in der Elektromobilität. Bis Ende 2022, so hat er nun erklärt, sollen an insgesamt 16 Standorten weltweit batterieelektrische Fahrzeuge produziert werden. Aktuell werden erst an drei Standorten E-Fahrzeuge produziert. Um für den massiven Ausbau der Elektromobilität die Batteriekapazitäten zu sichern, wurden Partnerschaften mit Batterieherstellern für Europa und für China vereinbart. Die bisher beauftragten Umfänge belaufen sich auf ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Für Nordamerika steht die Lieferantenentscheidung kurz bevor.

Müllers Vorgabe: Bis zum Jahr 2025 sollen bis zu drei Millionen E-Autos pro Jahr gebaut und 80 neue elektrifizierte Konzernmodelle auf den Markt gebracht werden. Zu den acht E-Autos und Plug-In-Hybriden, die der Konzern bereits im Programm hat, werden noch 2018 neun weitere neue Modelle hinzukommen - davon drei reine E-Fahrzeuge.

Volkwagehn CEO Müller (li) und CFO Witter mit dem Sedric, der nun zur Serienreife weiterentwickelt werden soll.

Volkwagehn CEO Müller (li) und CFO Witter mit dem Sedric, der nun zur Serienreife weiterentwickelt werden soll.

Und auch ein Liebkind des VW-Vorstands, mit dem im vorigen Jahr immer wieder die Innovationskraft des Konzerns und das Potenzial des vollautonomen Fahrens demonstriert wurde, soll Realität werden: Der Sedric (siehe Bild oben) soll von einer der Konzernmarken in Richtung Serie weiterentwickelt werden. Details dazu gab Müller allerdings nicht an.

Zukunft für Verbrennungsmotoren

Mit der Vergangenheit will Müller allerdings demonstrativ nicht brechen, sondern auf ihr aufbauen. Obwohl es ich zum Ziel gesetzt hat, über alle Marken und Regionen hinweg weltweit die größte Elektro-Flotte auf die Straßen zu bringen, sieht er das Ende der konventionellen Antriebe noch lange nicht gekommen. Die im vergangenen Herbst angekündigte "Roadmap E“, in deren Zuge Volkswagen ab 2019 praktisch im Monatsrhythmus neue E-Modelle vorgestellt will, bedeutet daher für ihn auch keine Abkehr von Diesel- oder Benzinmotoren. Besonders nicht vom Diesel, der durch die in der letzten Zeit vorherrschende Diskussion von vielen schon als anachronistisches Auslaufmodell gesehen wird.

"Der moderne Dieselantrieb ist – auch mit Blick auf den Klimaschutz – Teil der Lösung, nicht das Problem", betont Müller und bekräftigt, dass die aktuellen Technologien der Gegenwart noch für Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen werden. Allein 2018 wird der Konzern daher an die 20 Milliarden Euro in sein konventionelles Fahrzeug- und Antriebsportfolio investieren. Über die nächsten fünf Jahre sind dafür mehr als 90 Milliarden Euro budgetiert.

Brummende Geschäfte

Trotz der Neuausrichtung ist es dem Konzern gelungen, zahlreiche Parameter auf neue Rekord-Levels zu heben. So wurden etwa im Geschäftsjahr 2017 mehr Fahrzeuge als jemals zuvor ausgeliefert. Über alle Marken hinweg waren es, die Verkäufe des chinesischen Joint Ventures mitgerechnet, 10,7 Millionen Fahrzeuge - um 5,1 Prozent mehr als im Jahr davor.

Auch der Konzernumsatz stieg 2017 auf eine neue Bestmarke. Die Erlöse lagen mit 230,7 Milliarden Euro um 6,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Operative Ergebnis fiel sowohl vor als auch nach Sondereinflüssen ebenfalls so gut aus wie nie zuvor – es betrug vor Sondereinflüssen 17,0 Milliarden Euro, nach Sondereinflüssen 13,8 Milliarden Euro. „Das ist das beste Operative Ergebnis, auch nach Sondereinflüssen, das der Volkswagen Konzern je erreicht hat“, betonte Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter bei der Präsentation der Jahresergebnisse.

Die "Sondereinflüsse" sind die Folgekosten des Diesel-Skandals - VW-intern spricht man von der "Dieselthematik". Nach 6,4 Milliarden Euro im Jahr 2016 musste der Konzern im Vorjahr für seine Rückkauf- und Nachrüstprogramme sowie wegen der höheren Rechtsrisiken zuletzt 3,2 Milliarden Euro aufwenden.

Das Finanzergebnis 2017 ging gegenüber dem Vorjahr von 0,2 auf 0,1 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern stieg im Berichtsjahr auf 13,9 Milliarden Euro und übertraf den Vorjahreswert um 6,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf 11,6 (5,4) Milliarden Euro. Für die Aktionäre wurde ein Ergebnisanteil von 11,4 (5,1) Milliarden Euro erwirtschaftet. Aktionäre werden je Stammaktie eine Dividende von 3,90 Euro und je Vorzugsaktie (ISIN DE0007664039) 3,96 Euro als Dividende erhalten.

Volkswagen-VZ-Aktie; ISIN DE0007664039; Stand vom 13.32018: 158,58 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Volkswagen-VZ-Aktie; ISIN DE0007664039; Stand vom 13.32018: 158,58 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Nach dem Kursfeuerwerk und folgenden Absturz des Jahres 2015 hat sich die Volkswagen-Aktie bis Anfang 2018 wieder annähernd auf den Wert des Jahres 2014 erholt, Ende Jänner kam es allerdings bei einem Hoch von 192 Euro zu einer Kurskorrektur. Im laufenden Jahr hat die Aktie daher bisher rund fünf Prozent an Wert verloren.

Umsätze nach Marken (GJ 2017)

  • Volkswagen (Pkw) Umsatz: 80,0 Mrd. € (+ 8 %)
  • Audi (inkl. Lamborghini und Ducati) Umsatz: 60,1 Mrd. € (+ 1,35 %)
  • Skoda Umsatz: 16,6 Mrd. € (+ 20,8 %)
  • SEAT Umsatz: 9,9 Mrd. € (+ 11,2 %)
  • Bentley Umsatz: 1,8 Mrd. € (- 9,2 %)
  • Porsche Umsatz: 21,7 Mrd. € (+ 4,7 %)
  • Volkswagen (Nutzfahrzeuge) Umsatz: 11,9 Mrd. € (+ 7,2 %)
  • Scania Umsatz: 12,8 Mrd. € (+ 13,3 %)
  • MAN Umsatz: 11,1 Mrd. € (+ 2,8 %)

Für das Jahr 2018 erwartet der Konzern, dass die Auslieferungen den Vorjahreswert moderat übertreffen. Herausforderungen sieht man vor allem aus dem konjunkturellen Umfeld, der steigenden Wettbewerbsintensität, volatilen Wechselkursverläufen sowie der Dieselthematik. Zudem gilt in der EU ein neues, zeitlich aufwendigeres Testverfahren zur Bestimmung von Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie des Kraftstoffverbrauchs bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (WLTP).

Erwartet wird, dass die Umsatzerlöse des Volkswagen Konzerns um bis zu fünf Prozent über dem Vorjahreswert liegen werden. Für das Operative Ergebnis wird mit einer operativen Rendite zwischen 6,5 und 7,5 Prozent gerechnet.

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