Volkswagen-Finanzsparte schwimmt im Geld

Volkswagen-Finanzsparte schwimmt im Geld

Als gäbe es keinen Dieselskandal: Die Finanzsparte von Volkswagen brummt kräftig und wird wieder über zwei Milliarden Gewinn einfahren.

Die Finanzierungs- und Leasing-Tochter von Volkswagen wird erneut einen Milliardengewinn einfahren. VW hat einen Betriebsgewinn auf mindestens der Vorjahreshöhe angepeilt. Vor allem auch aufgrund des positiven Wachstums in China, Mexiko und Südeuropa wurde nun die Gewinnprognose erhöht.

Hamburg. Die Finanzierungs- und Leasing-Tochter von Volkswagen schraubt nach einem kräftigen Gewinnplus ihr Ergebnisziel nach oben. Finanzvorstand Frank Fiedler stellte am Mittwoch für 2017 ein operatives Ergebnis mindestens auf Höhe des Vorjahres in Aussicht. "Wir haben mehr Neuverträge abgeschlossen, haben aber auch in bestimmten Märkten mehr verdient", sagte Fiedler der Nachrichtenagentur Reuters.

Bisher hatte die Finanzsparte von Europas größtem Autokonzern offengelassen, ob sie an den Rekordgewinn des vergangenen Jahres von 2,1 Mrd. Euro anknüpfen könne. Als Ziel hatte das Management lediglich ausgegeben, mindestens das Ergebnis von 2015 wieder zu erreichen.

Besonders stark sei Volkswagen Financial Services (VWFS) im ersten Halbjahr in China, Mexiko und Südeuropa gewachsen, sagte Fiedler. Außerdem hätten sich die Bedingungen verbessert, zu denen sich VW am Kapitalmarkt refinanzieren könne. Der Wolfsburger Konzern war nach einer Zwangspause durch den Dieselskandal im März an den europäischen Bond-Markt zurückgekehrt und hatte über insgesamt vier Anleihe-Tranchen acht Milliarden Euro zu guten Konditionen eingesammelt. Ende Juni legte VWFS drei Anleihen mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Euro auf. Zuletzt hatte sich VW zudem mit Schuldscheindarlehen eine weitere Finanzierungsquelle eröffnet. Damit steht insgesamt mehr Liquidität für das Wachstum zur Verfügung. "Das ist der wesentliche Treiber für die Erhöhung der Ergebnisprognose", erläuterte Fiedler.

Vom Diesel zum Benziner

Im Juli schrumpften die Neuzulassungen von Dieselautos um fast 13 Prozent, wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Dagegen legten Verkäufe von Benzinern erneut deutlich zu. Ihr Anteil am Pkw-Markt liegt inzwischen bei 56 Prozent, während Dieselautos nur noch etwas mehr als 40 Prozent ausmachen. Vor der Dieselkrise war es umgekehrt. Die Verunsicherung der Verbraucher wegen der Diskussion über Fahrverbote schlägt sich seit Monaten in sinkenden Verkaufszahlen nieder.

Der Rückgang des Dieselmarkts in Deutschland macht VW im Finanzierungs- und Leasinggeschäft derzeit wenig zu schaffen. "Wir sehen keinen signifikanten Rückgang der Restwerte im Gebrauchtwagenmarkt", erläuterte Fiedler. Gleichwohl habe man zusätzliche Vorsorge gebildet. Im ersten Halbjahr stockte die Finanzsparte die außerplanmäßigen Abschreibungen auf 141 (Vorjahr 93) Mio. Euro auf, der Großteil davon wegen Diesel. Fiedler sagte, die Aufstockung sei eine reine Vorsorgemaßnahme.

VW beobachte zwar bei den Neuzulassungen eine Verschiebung zugunsten von Benzinern. "Aber das ist nicht der Fall bei den Großkunden." Die Fuhrparkbetreiber bestellten weiterhin Dieselfahrzeuge. Bei Volkswagen hat das Geschäft mit Flottenkunden und Unternehmen einen großen Anteil.

Die Zahl der Neuverträge steigerte der Autofinanzierer in den ersten sechs Monaten um zwei Prozent auf 3,8 Millionen Stück. Dabei legten Fahrzeugfinanzierungen um 4,4 auf 1,3 Millionen zu. Das Leasinggeschäft kletterte um 4,7 Prozent auf 689.000 Verträge. Am stärksten steigerte sich VW im Geschäft mit Dienstleistungen wie Wartungs- und Inspektionsverträgen. Diese legten um 6,7 Prozent auf 816.00 Stück zu.

Die Zahl der Versicherungen schrumpfte dagegen um fünf Prozent auf gut eine Million Verträge. Das lag vor allem daran, dass Volkswagen nach dem Dieselskandal eine "Vertrauensoffensive" startete und günstige Garantieversicherungen auflegte, die die Händler den Kunden beim Autokauf anbieten. Diese Subvention lief 2016 aus. Volkswagen hatte zur Jahresmitte 18,8 Millionen Finanzierungs-, Leasing-, Versicherungs- und Wartungsverträge in den Büchern, acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Weiter Skepsis gegen Diesel

Auch wenn bei VW die Skepsis gegenüber dem Diesel noch nicht angekommen ist, zeigen die Zahlen auf, dass der Kunde sich auch weiterhin vom Diesel abwenden wird.

Die Zurückhaltung der Käufer werde so lange anhalten, bis zweifelsfrei geklärt sei, welche Zukunft der Diesel-Pkw in Deutschland habe, sagte Peter Fuß von der Beratungsfirma EY. "Erst wenn das Problem des im Realbetrieb zu hohen Schadstoffausstoßes nachhaltig und glaubhaft gelöst ist und Fahrverbote vom Tisch sind, wird sich die Nachfrage nach Dieselmodellen stabilisieren."

Insgesamt kletterten die Neuzulassungen aller Antriebsarten laut KBA im vergangenen Monat um 1,5 Prozent auf 283.000 Fahrzeuge. Während VW deutlich einbüßte, gewann Mercedes-Benz kräftig hinzu. Auch BMW setzte mehr von seinen Fahrzeuge ab, die VW-Tochter Audi trat dagegen beim Absatz auf der Stelle. Fahrzeuge mit Elektroantrieb und Hybridwagen, die einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Batterieantrieb verbinden, legten zwar erneut zu. Ihr Anteil an den Neuzulassungen ist aber nach wie vor minimal. Insgesamt kamen in den ersten sieben Monaten des Jahres etwas mehr als zwei Millionen Neuwagen neu auf die Straßen (plus 2,9 Prozent), überwiegend solche mit Verbrennungsmotor.

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