Volkswagen rüttelt an der Dominanz von Toyota

Volkswagen rüttelt an der Dominanz von Toyota

Noch stellt Toyota die meisten Autos weltweit her, doch VW liegt beim Absatz nur noch 70.000 Fahrzeuge hinter den Japanern.

Toyota kann sich an der Spitze der Autobauer behaupten: Im abgelaufenen Quartal steigerte der japanische Konzern seinen Betriebsgewinn um 11,3 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Euro. Doch Volkswagen ist Toyota dicht auf den Fersen, die Wolfsburger liegen beim Absatz nur noch 70.000 Fahrzeuge hinter dem Branchenprimus, Analysten erwarten einen Rekordgewinn. Die Opel-Mutter General Motors (GM) hingegen fällt weiter auf den dritten Platz zurück.

Im Rennen um die Vorherrschaft in der Automobilindustrie hat Toyota seinen Rivalen VW und GM erneut die Rücklichter gezeigt. Beflügelt vom schwachen Yen und guter Verkäufe in den USA steigerte der weltgrößte Auto-Hersteller den Betriebsgewinn im abgelaufenen Quartal um 11,3 Prozent auf umgerechnet 4,6 Milliarden Euro und war damit abermals deutlich profitabler als seine Verfolger. Zudem hoben die Japaner als einziger großer Konzern die Prognose für das Gesamtjahr deutlich an. Die Zeiten, in denen Toyota einsame Kreise an der Spitze der Branche zieht, neigen sich dennoch dem Ende entgegen. Denn Volkswagen rückt näher und liegt beim Absatz nach neun Monaten nur noch 70.000 Fahrzeuge hinter dem Branchenprimus.

Experten erwarten auch in den nächsten Monaten und im kommenden Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Toyota und Volkswagen: "Die beiden spielen in einer eigenen Liga", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. VW hätte seine Prognose ebenfalls anpassen können, fügte der Autoanalyst hinzu. Europas größter Autobauer trete derzeit nach außen jedoch eher bescheiden auf. Einige Experten vermuten dahinter die Strategie, die Erwartungen vor den Anfang nächsten Jahres anstehenden Tarifverhandlungen nicht hoch zu treiben.

Die Wolfsburger hatten im dritten Quartal auch einen Gewinnsprung erzielt. Volkswagen hat zwar bei seiner Hauptmarke VW mit hohen Kosten zu kämpfen und ein Sparprogramm von fünf Milliarden Euro jährlich angekündigt, um profitabler zu werden. Der Konzern mit den zwölf Marken steht nach Meinung von Analysten insgesamt jedoch gut da und steuert dieses Jahren einen Rekordgewinn an.

Kopf-an-Kopf-Rennen von VW und Toyota, GM fällt zurück

Beide Rivalen haben auch Schwachstellen, allerdings gleichen sich diese weitgehend aus: Während VW auf dem wichtigen US-Markt und in Südamerika Probleme hat, muss Toyota auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China aufholen. Dagegen ist VW in der Volksrepublik führend. In Russland, wo Hersteller wie VW, Ford und Opel unter den Folgen der Sanktionen des Westens im Zuge der Ukraine-Krise leiden, ist Toyota weniger präsent und damit auch nicht von Einschränkungen betroffen. Auch das schwankende Europa-Geschäft schlägt bei Toyota nicht so zu Buche, da die Japaner dort weniger Autos verkaufen als der Platzhirsch Volkswagen. Seine Stärken hat Toyota dagegen in den USA. Dort kommt VW bisher nicht über die Rolle eines Nischenanbieter hinaus.

Die Opel-Mutter General Motors (GM) fällt dagegen im Rennen um die Weltmarktspitze etwas zurück. Der Detroiter Konzern ist wegen der beispiellosen Rückrufaktion im Zusammenhang mit defekten Zündschlössern derzeit eher mit sich selbst beschäftigt. Nach neun Monaten lag GM mit weltweit 7,37 Millionen verkauften Autos hinter Volkswagen mit 7,54 Millionen Fahrzeugen und Toyota mit 7,61 Millionen.

"Wenn man sich am Ende des Jahres die Betriebsgewinne anschaut, dann werden Toyota und Volkswagen sehr einsame Kreise ziehen", ist Stefan Bratzel überzeugt. Der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach geht davon aus, dass Toyota aufgrund des schwachen Yen die Nase vorn haben wird.

Vor allem bei der Rendite fährt Toyota den meisten Konkurrenten derzeit davon: Von Juli bis September kamen die Japaner in ihrem Kerngeschäft auf eine operative Marge von 9,2 Prozent. Damit erzielte Toyota mit der Produktion von Fahrzeugen überwiegend für den Massenmarkt eine Rendite, die sonst nur reine Premium-Hersteller schaffen. Volkswagen lag nach neun Monaten im Kerngeschäft bei 6,2 Prozent. Vor allem die Marke VW schwächelt. Deren Rendite lag nur bei 2,3 Prozent und damit weit von ihren Zielen entfernt. Konzernchef Martin Winterkorn will die Marge mithilfe des Sparprogramms in den nächsten Jahren auf mindestens sechs Prozent hieven.

Wirtschaft

Harald Mahrer wird Nationalbank-Präsident

Wirtschaft

Nachfolger gesucht - ein Weg zum Unternehmertum

Flughafen Wien

Wirtschaft

Standortentwicklung: Scharfe Kritik an geplantem Gesetz