Volkswagen-Bilanz im Jahr danach: Zurück in die Zukunft

Der VW-Vorstand präsentiert die Jahresbilanz 2016

Der VW-Vorstand präsentiert die Jahresbilanz 2016

Der Volkswagen-Konzern legt seine erste Bilanz nach dem Auffliegen der Abgasmanipulationen vor. Seither befindet sich der Konzern im Umbruch, der neue Vorstandschef Matthias Müller hat die Neuausrichtung des Unternehmens eingeleitet. Trotz einer leicht schwächelnden Kernmarke sieht Müller den Automobilhersteller gut auf Kurs.

Vergangenheit war gestern, Zukunft ist morgen. Und vom Morgen spricht Matthias Müller, der seit September 2015 Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns ist, am liebsten. Die Devise heißt "Zurück in die Zukunft": Auch bei der Präsentation des Jahresabschlusses 2016, den ersten, für den er voll verantwortlich ist.

Müller hatte die Führung im größten deutschen Automobilkonzern in dessen wohl schwierigster Phase seit der Gründung übernommen. Sein Vorgänger Martin Winter war über den größten Abgasskandal der Automobilgeschichte gestolpert. Über die Jahre hinweg hatte der VW-Konzern rund elf Millionen Fahrzeuge verschiedenster Marken mit einer manipulativen Software ausgeliefert. Alleine in Österreich waren rund 363.000 Autos betroffen. In der Folge rasselte der Aktienkurs in den Keller. Vom 21. September 2015 bis zum 1. Oktober des Jahres fiel der Wert der VW-Aktie von über 170 Euro auf nur noch 85 Euro, am ersten Handelstag nach Bekanntwerden der Manipulationen verlor das Papier binnen einer Stunde 20 Prozent seines Werts. Im April des Jahres war das Papier noch um 250 Euro und mehr gehandelt worden.

VW Vorzugsaktie, 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 14. März 2017: 144,60 €; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

VW Vorzugsaktie, 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 14. März 2017: 144,60 €; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Müller tat alles, um den Skandal und seine Folgen in Griff zu bekommen. Zahlreiche Management-Positionen wurden neu besetzt, VW wurde verpflichtet, die Fahrzeuge technisch nachzubessern und man suchte Einigungen mit den Aufsichts- und Zulassungsstellen der Länder zu erzielen. Ein wichtiger Schritt war die Einigung in den USA im Jänner 2017, in deren Rahmen sich Volkswagen verpflichtete, 4,3 Milliarden Dollar an die US-Behörden zu zahlen. Schon zuvor hatte man eine Einigung mit den Haltern der in den USA betroffenen Fahrzeuge erzielt, die dem Konzern rund eine weitere Milliarde kostet.

Neuausrichtung

Möglicherweise kam der Abgasskandal in seiner Heftigkeit zwar zu drastisch, gemessen am Zeitpunkt dagegen aber gerade recht. Konsequenterweise beließ es Konzernchef Müller nämlich nicht bei der Schadensbekämpfung, sondern stellte mit einer neuen Konzernstrategie die Weichen in Richtung Zukunft. Er leitete die Transformation des Konzerns ein und definierte das Ziel, einer der weltweit führenden Anbieter von nachhaltigen Mobilitätslösungen zu werden.

Die Neuerfindung der Mobilität.

Es wird allerdings ein Weg sein, den nicht alle Mitarbeiter mitgehen können. Der Konzern wird bis zu 30.000 Jobs streichen, davon 23.000 in Deutschland. Gleichzeitig sollen 9.000 neue Jobs geschaffen werden..

2017/18 will der VW-Konzern mehr als zehn elektrifizierte Modelle und bis zum Jahr 2025 über 30 neue, rein batterieelektrische Fahrzeuge in den Handel bringen. Im Jahr 2025, zehn Jahre nach dem Abgasskandal, will der Konzern bereits eine Million E-Autos und Hybridfahrzeuge verkaufen.

VW begann in die Erforschung von Batteriezellen zu investieren, gründete die bei Audi angesiedelte "Autonomous Intelligent Driving GmbH" und präsentierte am Genfer Auto Salon mit dem Modell "Sedric" eine erste Studie für ein völlig autonom fahrendes Fahrzeug, bei dem die Passagiere nur noch das Ziel ansagen müssen.

Aber auch an der Weiterentwicklung der Verbrennungsmotoren wird im Konzern eifrig gearbeitet, denn allen Anstrengungen zum Trotz werden diese noch viele Jahre eine tragende Rolle in der globalen Mobilität spielen. Und obendrein soll auch das Finanzergebnis des Konzerns verbessert werden: Die Operative Umsatzrendite soll auf sieben bis acht Prozent und die Kapitalrendite im Automobilbereich auf mehr als 15 Prozent gesteigert werden.

Kennzahlen 2016

Das Umbruchsjahr 2016 zeigt sich auch in den Kennzahlen des VW-Konzerns. Die Sondereinflüsse von 7,5 Milliarden Euro - hauptsächlich die Folgekosten des Abgasskandals - belasten das Ergebnis weiterhin. Im Zusammenhang mit der "Dieselthematik" - wie der Skandal nun im Konzern genannt wird - beliefen sich im Jahr 2016 die Sondereinflüsse auf 6,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die Dieselkrise noch Belastungen in Höhe von 16,2 Milliarden Euro verursacht.

Das Operative Ergebnis des Konzerns war mit 7,1 Milliarden Euro ebenfalls wieder positiv. Die operative Rendite erhöhte sich von - 1,9 auf 3,3 Prozent. Auch die Umsatzerlöse des Konzerns legten zu. „Sie übertrafen mit 217,3 Milliarden Euro unsere im Jahresverlauf angepassten Erwartungen um rund vier Milliarden Euro", erklärte Finanzvorstand Frank Witter.

Einen kleinen Dämpfer gab es bei der Kernmarke Volkswagen. Hier gingen die Umsatzerlöse um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro zurück. Auch die operative Rendite vor Sondereinflüssen ging leicht von 2,0 Prozent auf 1,8 Prozent zurück. Ganz anders hingegen verlief das Geschäft bei den Marken Audi (Umsatz 59,3 Mrd. €; +0,9 Mrd. €), Skoda (Umsatz +9,8% auf 13,7 Mrd. €), Seat, Bentley und Porsche. Bei den Luxusmarken Bentley und Porsche konnte der Konzern ein Umsatzplus von jeweils rund vier Prozent verbuchen.

Für 2017 Gesamtjahr erwartet der Konzern, dass die Auslieferungen das Vorjahresvolumen moderat übertreffen werden. Herausforderungen ergeben sich insbesondere aus der konjunkturellen Entwicklung, dem wettbewerbsintensiven Marktumfeld, volatilen Wechselkursverläufen sowie der Dieselthematik. "Wir gehen davon aus, dass die Umsatzerlöse des Volkswagen Konzerns im Jahr 2017 um bis zu 4 Prozent über dem Vorjahreswert liegen werden. Für das Operative Ergebnis des Konzerns rechnen wir mit einer operativen Rendite zwischen 6,0 und 7,0 Prozent", teilte der Konzern mit.

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