Volksbanken sagen Kooperation mit der Post ab

Rückschlag für die Post: Eine mögliche Kooperation mit der Österreichischen Post AG wurde nun endgültig abgesagt. Wie der trend bereits Anfang Juni exklusiv berichtete, haben die Volksbanken aus dem Westen Österreichs mit einem Gutachten gegen ein Joint Venture mit der Post geschossen.

Volksbanken sagen Kooperation mit der Post ab

Post-Vorstandschef Georg Pölzl kommt ein möglicher Finanzpartner abhanden: Die Volksbanken sind als Ersatz für die Bawag-P.S.K. abgesprungen.

Nachdem der Post ihr Finanzpartner Bawag P.S.K. abhanden kommen wird, wurde fieberhaft nach einem neuen Finanzpartner gesucht. Wie der trend bereits Anfang Juni berichtet hat, wurden unter dem Codenamen "Projekt Austria" seit Monaten Verhandlungen zwischen der Volksbanken Gruppe und der Post geführt - doch nun sind die Verhandlungen geplatzt, die Volksbanken haben die angedachte Kooperation mit der Post abgesagt.

Gepasst hätte es gut, denn die Post sucht einen neuen Partner für Finanzdienstleistungen, da die Zusammenarbeit mit der BAWAG Ende 2019 ausläuft. In der Aufsichtsratssitzung der Volksbanken fiel nun aber kein Beschluss für eine Kooperation. Das Thema wurde von der Tagesordnung der Sitzung genommen und wird nicht weiterverfolgt.

Wie der trend zuvor erfahren hatte, war auch eine Beteiligung der Post an der Volksbank Wien-Baden, die als Spitzeninstitut des Sektors die Causa sehr forciert hatte, ein Teil des Deals. Kolportiert wurde eine Beteiligung auf rund 35 Prozent. Post-CEO Georg Pölzl erlärte Anfang Juni, dass man noch mit zwei Interessentengruppen rede. Namen wollte er gegenüber dem trend nicht nennen.

Inoffiziell galten die Volksbanken zuletzt als klarer Favorit. Aber: Die Widerstände aus der Genossenschafter aus dem Westen gegen die Pläne ihrer Wiener Kollegen waren bis zuletzt groß. Dem trend liegt ein Gutachten der Dornbirner Unternehmensberatung Grahammer & Partner vor, die mit einer Evaluierung des Projektes "Austria" beauftragt wurde - und zwar von den Volksbanken Vorarlberg, Tirol und Salzburg, die befürchten, stärker an die Kandare genommen zu werden. Dementsprechend negativ fiel die Stellungnahme im Gutachten aus.

Das Match West gegen Ost bei Volksbanken

"Insgesamt stellt sich (...) auch im Lichte der zunehmenden Digitalisierung die Post als minder geeigneter Partner zur Optimierung des Geschäftsmodells der Volksbanken dar", heißt es etwa in dem mit April 2018 datierten Papier. Die in dem Modell vorgesehene Schließung von Volksbanken-Filialen und die Auslagerung der C-Kunden und Kundenbetreuer zur Post halten Grahammer &Partner für geeignet, "den Volksbanken Salzburg, Tirol und Vorarlberg einen nachhaltigen und enormen Schaden zuzufügen". Daher müsse die Teilnahme an dem Kooperationsmodell "regional optional" sein. Empfohlen wird, das "Digitale Joint Venture" mit der Post auf Werthaltigkeit abzuklopfen und alternative Partner zu prüfen, die den Volksbanken möglicherweise einen höheren Mehrwert bringen.

Als problematisch wurden auch die arbeitsrechtlichen Konsequenzen gesehen. Der Volksbanken-Sektor hätte 420 Kassamitarbeiter kündigen und durch die Schließung von Filialen weitere Mitarbeiter abbauen müssen.

Sehr exakt hatten die Verhandler offenbar die Kostenaufteilung festgelegt: zum Beispiel eine 50-zu-50-Teilung der Marketingkosten und des Aufwands für IT-Arbeitsplätze bei den Post-Partnern oder 100 Euro Flächenmiete pro Bankomat in den Postfilialen. Das Gutachten kritisiert, dass demgegenüber "sowohl für die Kundenverluste als auch für das Zusatzgeschäft äußerst pauschale und aus unserer Sicht unrealistische Annahmen getroffen" wurden. Die Risiken der Volksbanken-Gruppe aus dem "Projekt Austria" seien um ein Vielfaches höher als jene der Post, heißt es im Fazit.

Im Vorfeld der heutigen Aufsichtsratssitzung wurde das Thema intensiv und vor allem zwischen der Volksbank Wien und Volksbanken in westlichen Bundesländern kontroversiell diskutiert. Schlussendlich kamen die Volksbanken gemeinsam zum Schluss, dass die Partnerschaft mit der Post nur funktionieren würde, wenn alle dahinter stünden. Und das ist nicht der Fall.

Mitbegründet wird die negative Entscheidung von Insidern auch damit, dass die Volksbanken nach ihren vielen Fusionen zuletzt noch Prozesse konsolidieren müssen. Auch deswegen sei es für eine Partnerschaft zu früh. Befürworter sahen Wachstums - und Synergiepotenziale.

"Wir führen aktuell keine strategischen Kooperationsgespräche mit irgendeinem Partner", sagte Volksbank-Sprecher Wolfgang Layr nach der Aufsichtsratssitzung. Mehr wollte er zum Thema aber nicht kommunizieren. Auch vom Wiener Bankvorstand war keine Stellungnahme zu bekommen. Die Volksbanken Vorarlberg, Tirol und Salzburg stemmten sich gegen die Volksbank Wien bzw. deren Kooperationsplan mit der Post.

Der erhoffte Geldsegen

Wie der trend berichtet hat, wollte die Volksbank Wien-Baden durch den Verkauf von Anteilen an die Post AG rund 300 Millionen Euro lukrieren. Mit dem Erlös könnte sich die noch ausstehenden 235 Millionen an öffentlichen Hilfen an den Staat zurückzahlen, die bis zum Jahr 2023 in Tranchen zurückgezahlt werden müssen. Diese Beteiligung hatten Grahammer & Partner in ihrem Gutachten beauftragt durch die West-Volksbanken ebenfalls in Frage gestellt.

Vorgeschlagen wurden ein anderer Wege der Kapitalbeschaffung, die Evaluierung alternativer strategischer Partner oder das Heben von Potenzialen innerhalb des VB-Verbunds, die zu einem späteren Zeitpunkt einen Börsengang ermöglichen könnten. Strukturanpassungen ließen sich laut Gutachten im Alleingang effizienter durchführen als zusammen mit der Post.

Im Fall einer Beteiligung der Porst an der Volksbank Wien-Baden hätten die westlichen Volksbanken noch mehr von ihrer Eigenständigkeit aufgeben müssen, die durch den strengen Haftungsverbund unter Federführung der Volksbank Wien als Zentralorganisation bereits geschrumpft ist.

WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz

WKO-Vizepräsidentin: "Lockdown wie versprochen beenden"

Martha Schultz, Vizepräsidentin der Bundeswirtschaftskammer, appelliert …

WKÖ-Präsident Mahrer: "Lockdown-Schließungen sind skandalös"

Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer kritisiert die Schließungen in …

Die Fussl-Chefs Ernst (links) und Karl Mayr: "Eigentlich dürfte es uns so gar nicht geben."

Fussl Modestraße - das unmögliche Modehaus

Kein Webshop, keine Influencer, keine Wegwerfmode: wie FUSSL MODESTRASSE …

Corona-Härtefallfonds: Antragsfrist läuft

Ab sofort können Anträge für den neuen Corona-Härtefallfonds eingebracht …