Schwache Auto-Konjunktur bremst voestalpine

Voestalpine CEO Herbert Eibensteiner

Voestalpine CEO Herbert Eibensteiner

Die Entwicklung Automotive-Sparte und gestiegene Rohstoffkosten machen der voestalpine Probleme. Der Konzern hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet.

"Wir sind sehr stark von der Automobilindustrie abhängig", sagt Herbert Eibensteiner, seit Juli Konzernchef der voestalpine - und diese Abhängigkeit bekommt der Stahl- und Technologie-Konzern jetzt unangenehm zu spüren: Die gebremste Automobilkonjunktur hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres das Ergebnis nach unten gedrückt.

Gegenüber dem Vorjahr ist der Gewinn um ganze 60 Prozent - von 226,3 auf 90,4 Millionen zurückgegangen. Verschärft wurde der Rückgang durch die Anlaufschwierigkeiten im neuen US-Autowerk in Cartersville sowie höhere Kosten für Rohstoffe und CO2 -Zertifikate und die Belastungen aus der Strafzollpolitik der USA. Eine erste Folge: Bei der steirischen voestalpine Tubulars in Kindberg wurden im Juli 125 der 1.300 Mitarbeiter gekündigt. Damit soll eine "Jahreseinsparung von 100 Millionen Euro erreicht werden, wovon die Hälfte noch heuer wirksam werden soll.

Personalabbau

In Österreich soll nun kein weiterer Stellenabbau notwendig sein. Beim Stammpersonal würden nun Überstunden reduziert, Urlaub abgebaut und nicht alle frei werdenden Stellen nachbesetzt. "Das wird aus unserer Sicht ausreichen, in Österreich keine zusätzlichen Kündigungen zu brauchen", beschwichtigt Eibensteiner.

Das bezieht sich allerdings nur auf das Stammpersonal. Inwiefern die rund 1.500 Leiharbeiter in Österreich ebenfalls betroffen sein könnten ist vorerst noch offen. "Das ist natürlich auch der Spielraum, den wir haben", räumte Eibensteiner ein. "Wir werden auf der Mitarbeiterseite auch beim Leasingpersonal Einsparungen treffen." Konkrete Zahlen über etwaige weitere Stellenstreichungen in diesem Bereich wollte er keine nennen. Im ersten Quartal arbeiteten weltweit 51.670 Mitarbeiter für die voestalpine.

Business-Zahlen im Detail

Zum Start des neuen Geschäftsjahres 2019/20 sanken die weltweiten Verkaufserlöse des Unternehmens zwischen April und Juni um 3,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. "Alle vier Divisionen des börsenotierten Konzerns (ISIN AT0000937503) waren mit einem Umsatzrückgang konfrontiert", berichtete der neue voestalpine-Chef. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verschlechterte sich von 49 auf 58 Prozent. Dies sei - neben den genannten anderen Problemen - auch der Umstellung auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 16 (International Financial Reporting Standard) bei der Leasingbilanzierung geschuldet. Die Nettofinanzverschuldung des Konzerns habe sich um 440 Millionen Euro erhöht.

An der Behebung der Anlaufschwierigkeiten im US-Automobilwerk in Cartersville, die "mitbestimmend für das verringerte Ergebnis" im ersten Quartal waren, wird seit Monaten auf Hochtouren gearbeitet. Derweil fallen Verluste an. "Cartersville ist nach wie vor im Hochlaufen", so Eibensteiner am Mittwoch. Es gehe vor allem um "Qualitätslenkungsmaßnahmen", konkret etwa um eine Verringerung des dort noch produzierten Ausschusses, und einer Senkung von Eillieferungen an Kunden, "die natürlich sehr viel Geld kosten". Ein "Bündel von Maßnahmen" sei zu setzen. "Wir werden dort in Summe laufend besser, haben im ersten Geschäftshalbjahr natürlich noch negative Effekte." Positive Ergebnisbeiträge erwartet Eibensteiner erst am Ende des laufenden bzw. zu Beginn des kommenden Geschäftsjahres, also ab März/April 2020.

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