Voestalpine: Job-Abbau nach Corona-Desaster

Die voestalpine hat im ersten Quartal ihres Geschäftsjahres 2020/21 die wirtschaftlichen Auswirkungen Corona-Pandemie massiv zu spüren bekommen. Jetzt müssen auch in Österreich Mitarbeiter gekündigt werden.

Voestalpine: Job-Abbau nach Corona-Desaster

Lockdown, Maskenpflicht, ständiges Händewaschen, Desinfizieren, Abstand halten, Ausgangsbeschränkungen - im Frühjahr 2020 hatte die Corona-Pandemie ganz Europa fest in Griff.

Die massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft sind immer noch allerorts sichtbar und an den nackten Zahlen und Statistiken ablesbar. An den Arbeitsmarktstatistiken ebenso wie an den Ergebnissen der Unternehmen, die nun nach und nach Bilanzen für die Zeit des Shutdowns vorlegen.

Die Quartalsbilanz des Stahl- und Technologiekonzern voestalpine (AT0000937503) für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 - den Zeitraum April bis Juni 2020 - ist dabei keine Ausnahme. Die in diesem Zeitraum nahezu weltweit gesetzten Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus und die damit verbundenen Produktionsausfälle haben zu einem massiven Nachfrageeinbruch in nahezu allen Märkten und damit zu einem dramatischen Umsatz- und Ergebniseinbruch geführt. Der Umsatz war um 28 Prozent niedriger als im Vorjahr, das Ergebnis nach Steuern rutschte von einem Gewinn von 90 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf einen Verlust von 70 Millionen Euro.

Personalabbau nach Kurzarbeit

Auf den Geschäftsrückgang hatte der Konzern zunächst mit Kurzarbeit reagiert und zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Im waren in Österreich noch rund 10.400 und in Deutschland rund 2.600 Arbeitnehmer des Konzerns in Kurzarbeit. Dazu international weitere 2.300 Mitarbeiter in kurzarbeitsähnlichen Modellen "Wir gehen davon aus, dass wir die Kurzarbeit in Österreich bei einer weiteren Verbesserung nicht voll ausschöpfen werden", sagte Konzernchef Herbert Eibensteiner.

Allerdings wird der Konzern seine Belegschaft in den nächsten Monaten reduzieren müssen. "Zum jetzigen Zeitpunkt schätzen wir ein, dass Kurzarbeit und das Nichtnachbesetzen und der Abbau von Leasingstellen nicht ausreichen werden", sagt Eibensteiner. Auch in Österreich sollen Mitarbeiter abgebaut werden. Betroffen sind die Standorte Kindberg und Kapfenberg, wo angesichts der schwachen Nachfrage und der schaumgebremsten Konjunkturlage die Belegschaft jeweils um rund 250 Mitarbeiter reduziert werden muss.

Die voestalpine beschäftigt derzeit insgesamt rund 9.100 Mitarbeiter in der Steiermark. In Kindberg wird mit den anstehenden Personalkürzungen nun fast ein Viertel der Belegschaft eingespart, in Kapfenberg sogar rund ein Drittel.

Zusätzlich zu dem aktuellen Einschnitt in die Belegschaft in der Steiermark nimmt die Voest auch im deutschen Wetzlar einen deutlichen Personalabbau vor. "Bei Buderus werden gerade 230 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft überstellt - das ist der Sozialplan, den ich im Jänner vorgestellt habe", berichtete Eibensteiner. Noch mehr als die genannten bis zu 780 Jobs sollen heuer nicht wegfallen - diese seien "unsere Zahlen, die wir bis Jahresende planen".

Die Unternehmensführung ist derzeit dabei, einen Sozialplan auszuhandeln, der im Herbst - voraussichtlich im September oder im Oktober - zur Anwendung kommen wird. Eibensteiner wird dafür auch auf die Stahlstiftung zurückgreifen, die vor vielen Jahren gegründet wurde, um Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich umschulen oder weiterbilden zu lassen.

Probleme der Autoindustrie treffen voestalpine

Besonders getroffen haben die voestalpine die weit verbreiteten Stillstände der europäischen Autoindustrie, wo die voestalpine mit ihren Qualitätsstahl-Produkten ein wichtiger Partner ist. Der starke Rückgang in der Nachfrage hat sich zudem auf die Stahlpreise niedergeschlagen, wobei sich die Preise für den Rohstoff Eisenerz gleichzeitig gegenläufig entwickelten.

Hoffnung machte in den Monaten lediglich die Entwicklung in Asien, die zeigte, dass auch die Pandemie überwunden werden kann und es danach wieder aufwärts geht. Während die Wirtschaft in Nord- und Südamerika ihren schlimmsten Abschwung erlebte, erreichten die chinesischen voestalpine-Standorte bereits wieder eine Auslastung auf Vorkrisenniveau. Mit dem Ende des Lockdowns hat auch in Europa eine stufenweise Erholung der Nachfrage eingesetzt.

Ausblick: es kann fast nur besser werden

„Wir haben es geschafft, uns sehr rasch an die völlig neue Situation anzupassen. Trotz der äußerst herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelang es der voestalpine im 1. Quartal 2020/21, ein positives operatives Ergebnis EBITDA (Anm.: 158 Mio. €; -58%) zu erzielen. Dies ist vor allem auf unser konsequentes Kostenmanagement und die rasche Umsetzung von ergebnisoptimierenden Maßnahmen im gesamten Konzern zurückzuführen. Darüber hinaus verfügen wir nach wie vor über eine ausreichende Liquidität“, merkt Vorstandschef Herbert Eibensteiner an.

Im 2. Geschäftsquartal sei wie über den Sommer üblich mit saisonal bedingt etwas schwächerer Nachfrage, beispielsweise aufgrund von Kundenstillständen, zu rechnen. Die Stärke wie auch die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung werde daher erst gegen Ende des 2. Geschäftsquartals fundierter einschätzbar sein.

Angesichts der immer noch herrschenden Volatilität in einem unsicheren von Covid-19 beeinflussten Marktumfeld richtet sich der Fokus Konzerns weiter auf Kostenmanagement und Ergebnisstabilisierung. Gleichzeitig bleiben die Anstrengungen im Bereich Working Capital Management hoch und Ausgaben für Investitionen niedrig, um sowohl den Cashflow als auch die Bilanzstruktur zu stärken. „Vor diesem Hintergrund bleibt die Erwartung von Beginn des Geschäftsjahres aufrecht, dass der voestalpine-Konzern im Geschäftsjahr 2020/21 ein EBITDA zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro erwirtschaften wird“, betont Eibensteiner.

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