Rückschlag für Voestalpine: Gewinn nahezu halbiert

Voestalpine-Vorstand Herbert Ebgensteiner (li) und CEO Wolfgang Eder

Voestalpine CEO Wolfgang Eder (re) und Vorstand Herbert Eibensteiner, der Eder im Juli als CEO ablösen wird.

Die Jahresbilanz des Linzer Stahl- und Technologiekonzerns Voestalpine ist für Anleger eine bittere Pille. Der Gewinn ist dramatisch zurückgegangen. Die Aktionäre dürfen sich dennoch über eine stattliche Dividende freuen.

Bei der voestalpine (ISIN: AT0000937503) hat sich der Gewinn gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr fast halbiert. Das Ergebnis nach Steuern schmolz um 44 Prozent auf 458,6 Millionen Euro, und das bei einem Rekordumsatz von 13,6 Milliarden Euro (plus fünf Prozent).

Die Ursachen für den Einbruch sind vielfältig. Neben internen Sondereffekten haben sich vor allem die neuen Abgasnormen und in der Folge rückläufige Produktionszahlen in der Automobilindustrie sowie die diversen Handelsstreits mit den USA auf das Ergebnis niedergeschlagen.

Zu den belastenden Faktoren gehörten Betriebsstillstände in Texas im Herbst, finanzielle Rückstellungen im Zusammenhang mit einem laufenden Kartellverfahren im Bereich Grobblech in Deutschland sowie stark erhöhten Anlaufkosten beim größten konzerneigenen US-Automobilkomponenten-Werk am US-Standort Cartersville (Georgia).

Milliarden-Investitionen

Ebenfalls in die Bilanz eingegangen ist die Milliardeninvestition am Standort Linz, wo im letzten Sommer der Großhochofen erneuert wurde. In Summe hat die Voestalpine im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent mehr als im Vorjahr investiert.

Außerdem wurden im letzten Jahr neue Flugzeugkomponentenanlagen in Kapfenberg hochgefahren. International wurden neue Automotive-Werke in China und Mexiko in Betrieb genommen. Die Bahninfrastruktur-Bereiche unter dem Dach des Geschäftsbereiches „Railway Systems“ gebündelt, wodurch die Voestalpine zum weltweit einzigen Komplettanbieter für digitalisierte Bahnstrecken einschließlich Premiumschienen, High-Tech-Weichen und digitalen Überwachungssystemen aufstieg.

Die laufenden Investitionen: Die Errichtung des weltweit modernsten Edelstahlwerkes in Kapfenberg. Mit Produktinnovationen für die Elektromobilität – verbunden mit dem Einstieg in die junge Rennserie „Formel E“ will sich der Konzern eine gute Position in diesem wachsenden Industriezweig sichern.

Handels- und Zollstreit

Erschwerend hinzu kam "eine zunehmende Eintrübung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung". Auch der eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China drücke auf die Stimmung in der Wirtschaft; die "endlosen 'Brexit'-Verhandlungen" führten zu wirtschaftlicher Verunsicherung. Spätestens seit dem letzten Kalenderquartal 2018 sei absehbar, dass der ökonomische Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre auf ein Ende zusteuere.

Für das Anfang April angelaufene neue Fiskaljahr 2019/20 gab das Management eine verhaltene erste Linie vor: Der Vorstand arbeite intensiv daran, trotz weiter wachsender wirtschaftlicher Unwägbarkeiten eine - gemessen an 2018/19 - stabile Entwicklung des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zu erreichen. Größte interne Herausforderung sei dabei die "weitere Abarbeitung der operativen Themen" in den US-Werken.

Im vergangenen Geschäftsjahr verringerte sich das EBITDA gegenüber 2017/18 um knapp 20 Prozent auf 1,565 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) ging von 1,18 Milliarden auf 779,4 Millionen Euro um 34 Prozent zurück. Die EBIT-Marge verschlechterte sich von 9,1 auf 5,7 Prozent. Der Gewinn je Aktie (EPS) sank von 4,40 auf 2,31 Euro.

Die Anleger reagieren mit Verkäufen auf die Zahlen. Die Voestalpine-Aktie verlor zwischenzeitlich 2,4 Prozent auf 23,62 Euro.

Dividende für die Aktionäre

Die Aktionäre sollen dennoch eine relativ hohe Dividende erhalten. Es soll eine Ausschüttung in Höhe von 1,10 Euro je Aktie geben, nach 1,40 Euro im Jahr davor. So lautet der Vorschlag an die Hauptversammlung, die am 3. Juli abgehalten wird. Zwar würde die Dividende damit um gut ein Fünftel (über 21 Prozent) gestutzt, fällt aber immer noch recht großzügig aus.

"Wir möchten unseren Aktionären als Signal der Stärke eine Dividende auf gutem Niveau überweisen", sagte CEO Wolfgang Eder. Die Ausschüttung für 2017/18 sei "für das beste Jahr der Unternehmensgeschichte" gewesen. "Bei der Dividende gehen wir jetzt zurück auf das Niveau des vorvergangenen Jahres - wir schließen exakt dort an, wo das Vorjahr angefangen hat." Die Dividende sei in ihrer Höhe ein Zeichen, dass das Management an die Ertragskraft des Konzerns glaubt, bekräftigte Herbert Eibensteiner, der Eder per 3. Juli als CEO ablösen wird.

Investitionen am Prüfstand

Der designierte CEO Herbert Eibensteiner evaluiert nun auch die geplanten Investitionen neu. "Wir werden natürlich auch in unseren Investitionsprogrammen Rücksicht darauf nehmen und in Zukunft in die stärker wachsenden Bereiche investieren, ansonsten eher moderat, um in der Zukunft wieder Spielraum zu haben für Akquisitionen", erklärte der derzeitige Chef der Steel Division. Die Voestalpine beobachte natürlich den Markt, ob sich solche Möglichkeiten ergäben. "Aber im Moment sind keine größeren Akquisitionen geplant."

Hohe Summe fließen derzeit etwa noch in den steirischen Standort Kapfenberg, wo die Voest ein neues Edelstahlwerk baut. In Summe sind an dem Standort im Mürztal rund 500 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren veranschlagt - rund 350 Millionen Euro davon sind für die neue Fabrik vorgesehen, die bis 2021 mit einer Kapazität von 205.000 Tonnen Spezialstahl pro Jahr in Betrieb gehen soll. Bereits in der Hochlaufphase befindet sich dort eine neue Hightech-Schmiede für Aerospace-Werkstoffe.

"Im vergangenen Jahr haben wir rund 230 Millionen Euro über Abschreibung investiert, heuer werden es etwa 100 Millionen Euro weniger sein", erklärte Finanzvorstand Robert Ottel.


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