voestalpine legt nach Gewinneinbruch Millionen-Sparpaket auf

voestalpine CEO Herbert Eibensteiner

voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner muss die Strategie nachjustieren. Ein Sparpaket ist ein Mittel, um das Ergebnis zu sichern.

Die abkühlende Weltkonjunktur schlägt bei der voestalpine auf. Der Gewinn ist massiv zurückgegangen. Die Strategie muss nachjustiert werden. Der Linzer Konzern legt ein Sparpaket auf, mit dem bis Ende des nächsten Jahres 150 Millionen Euro eingespart werden sollen. Der Aktienkurs knickt ein.

Wien/Linz. Die weltweite Abkühlung der Konjunktur schlägt beim österreichischen Stahl- und Technologiekonzern voestalpine auf Umsatz und vor allem den Gewinn. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/2020 ist der Gewinn um 64 Prozent auf nunmehr 115,2 Millionen Euro geschmolzen. Im Vorjahreszeitraum schrieb die voestalpine noch 319,5 Millionen Euro Profit. Der Umsatz ist im selben Zeitraum um rund 2 Prozent auf 6,65 Mrd. Euro gesunken.

"Die Handelskonflikte sowie die Abschwächung der exportorientierter Industrie besonders in Europa hätten dem Linzer Konzern zugesetzt, erklärt Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der voestalpine. Zudem habe sich die Nachfrage in der Automobilindustrie verringert. Die hohen Rohstoffkosten bei sinkenden Stahlpreisen setzen dem Linzer Stahlkonzern ebenfalls zu wir hohe CO2-Zertifikatspreise. Zu Buche schlagen auch die sogenannten "Hochlaufkosten" im Automotive-Werk Cartersville in den USA.

Der Linzer Konzern generiert rund zwei Drittel des Konzernumsatzes in Europa. "Wir bereiten uns auf ein schwieriges Jahr vor", sagt voestalpine-CEO Eibensteiner anlässlich der Präsentation der Halbjahresergebnisse. Im Gegensatz zur rückläufigen Nachfrage in der Automotivsparte sei die Entwicklung beim der Bahninfrastruktur mit Weichenbau sowie für die Luftfahrt , Lagersysteme und Schweißtechnik stabil.

Die voestalpine hat sich deshalb dafür entschieden ein Sparpaket aufzulegen und die Strategie nachzujustieren. Im Kalenderjahre 2019 sollen durch Sparmaßnahmen quer über die rund 500 Konzernunternehmen verteilt insgesamt 50 Millionen Euro Kosten eingespart werden. Für 2020 hat voestalpine-Chef Eibensteiner 100 Millionen Euro als Einsparpotenzial vorgegeben.Viele der "über 100 Maßnahmen" sollen somit bis Ende 2020 insgesamt 150 Millionen Euro Kostenersparnis bringen, die aber darüber hinaus "eine nachhaltige Auswirkung" auf die Kostenstruktur haben sollen.

Weniger Gewinn: Aktie schmiert ab

Das vom Management angekündigte Sparpaket hat offenbar die Anleger überrascht und einen Schock ausgelöst. Der Börsenkurs der voestalpine-Aktie [ISIN AT0000937503] ist gleich nach Bekanntgabe des Sparpakets um rund 2 Prozent auf 24,15 € eingeknickt [MEZ 12:15 / 6.11.2019]. Im Verlauf des Nachmittags ist das Minus sogar auf 2,6 Prozent angestiegen.

Unter die Lupe genommen werden dabei sämtliche 500 Unternehmen des Konzerns. Den Rotstift im Personalstand wird bei Leasingbeschäftigten angesetzt. Der Konzern beschäftigt derzeit 51.275 Mitarbeiter (-1,3 Prozent gegenüber 2018). Dort soll ein Teil des Einsparpotenzials generiert werden. Ein größerer Personalabbau sei derzeit nicht vorgesehen. Bei den österreichischen Konzernunternehmen will man mit Überstundenabbau Kosten einsparen. Kurzarbeit sei kein Thema. Nur bei der deutschen Tochter Buderus kam es zuletzt zu Kurzarbeit. Stellen, die durch Abgänge frei werden, werden künftig nicht nachbesetzt. "Diese Maßnahmen reichen derzeit aus", beschwichtigt voestalpine-Chef Eibensteiner. Die Nachjustierung der Strategie sei ein "ergebnisoffener Prozess, der eigentlich ein normaler Vorgang ist".

An der Gesamtstrategie des Unternehmens hält der Konzern-Chef indes fest. Alle vier Divisionen bleiben integraler Bestandteil des Gesamtkonzerns. Auch die schwächelnde Automobilsparte sieht Eibensteiner nicht gefährdet, obwohl besonders den Zulieferern von Stahl droht ein Teil ihres Geschäfts zu verlieren. "Die Automobilindustrie bleibt für uns wichtig", betont Eibensteiner. "Die Elektro-Mobilität bringt neue Chancen, und darauf werden wir uns einstellen." Rund 30 Prozent des Umsatzes erzielt die voestalpine mit Lieferungen an die Automobilindustrie.

Für das Geschäftsjahr 2019/2020 (Ende März) wurde auch das Gewinnziel von bisher 1,6 Mrd. Euro auf 1,3 Mrd. Euro reduziert.

Bis zum Jahresende erwartet die voestalpine zudem eine Entscheidung des Kartellgericht. Der Linzer Konzern hat wegen einer Kartellklage Rückstellungen in der Höhe von 260 Millionen Euro gebildet.

An den Zukunftsthemen wird die voestalpine festhalten. Am kommenden Montag will er Stahl - und Technologiekonzern in Linz Innovationen zum Thema Wasserstoff präsentieren.

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