Voestalpine-Chef Eder: "Notfalls Standorte schließen"

Voestalpine-Chef Eder: "Notfalls Standorte schließen"

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder, der auch Chef des Weltstahlverbandes ist, schlägt harte Töne gegenüber der Branche an: Unternehmen müssten Mut haben, Standorte zu schließen, um Kapazitäten anzupassen, sagt er: "Dieser oft quälend lange Sterbeprozess von Unternehmen ergibt doch keinen Sinn - am wenigsten für dadurch permanent verunsicherte Mitarbeiter."

Wolfgang Eder, Chef des Weltstahlverbands und des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, bringt Standortschließungen in der kriselnden Branche ins Spiel: "Wir müssen als Unternehmen den Mut aufbringen, auch Standorte zu schließen und Kapazitäten anzupassen. Sonst werden wir unsere Probleme nie lösen", sagt Eder dem "Handelsblatt" (Dienstag).

"Ich würde mir von vielen Unternehmen mehr Mut gegenüber der Politik wünschen, auf das wirtschaftlich Notwendige, letztlich Unvermeidliche zu verweisen", sagte er dem Blatt: "Dieser oft quälend lange Sterbeprozess von Unternehmen ergibt doch keinen Sinn - am wenigsten für dadurch permanent verunsicherte Mitarbeiter."

Nachwehen der Finanzkrise

Die Stahlbranche in Europa leidet seit der Finanzkrise 2008 unter Überkapazitäten und einem erheblichen Preisdruck. Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Lage, als das weltgrößte Erzeugerland China angesichts der schwächelnden heimischen Nachfrage massenhaft Stahl auf den Weltmarkt brachte. Europäische Hersteller warfen chinesischen Stahlkonzernen Preisdumping vor.

"Wenn wir da in Europa nicht mehr Realitätsbewusstsein schaffen, werden wir gegenüber anderen Regionen der Welt auf der Strecke bleiben", sagt Eder. Die EU-Kommission hatte zuletzt etwa Anfang August neue Strafzölle bekanntgeben. Eder: "Ich bin kein Freund von Anti-Dumping-Maßnahmen. Das entspannt die Situation nur vorübergehend, löst aber nicht die Probleme."

Voest mit Gewinneinbruch

Wie Anfang august bekannt gegeben wurde, hatte auch die Voest im nersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 einen Gewinneinbruch erlitten. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn (vor Minderheiten und Hybridkapitalzinsen) brach zwischen April und Juni von 151,7 um 28 Prozent auf 108,7 Millionen Euro ein. Der Gewinn je Aktie (EPS) verringerte sich von 77 auf 59 Cent. Vor Zinsen und Steuern sank das bereinigte Ergebnis (EBIT) ebenfalls um 28 Prozent auf 171,5 Millionen Euro, die Marge verschlechterte sich von 7,9 auf 6,2 Prozent. Der Umsatz ging von 3 auf 2,77 Milliarden Euro zurück (minus 8 Prozent). Auf das Ergebnis niedergeschlagen hätten sich das in den letzten zwölf Monaten deutlich schwieriger gewordene wirtschaftliche Umfeld, Belastungen durch den Hochlauf der neuen Direktreduktionsanlage in Texas und Nachjustierungen beim Hochofen in Linz.

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