Telekom-Riese Vodafone verbucht Milliardenverlust

Telekom-Riese Vodafone verbucht Milliardenverlust

Der britische Telekom-Konzern Vodafone muss einen Milliardenverlust hinnehmen. Trotzdem greifen die Investoren nach Vodafone-Aktien. Der Aktienkurs steigt. Die Deutschland-Tochter unter Leitung von Ex-Telekom-Austria CEO Ametsreiter konnte zuletzt leicht zulegen.

Der britische Telekomkonzern Vodafone (ISIN GB00BH4HKS39) blickt trotz eines Milliardenverlusts optimistisch nach vorn. Im Geschäftsjahr 2015/16 (Ende März) verbuchte das Unternehmen ein Minus von 3,8 Milliarden Pfund (4,8 Milliarden Euro), weil Abschreibungen und Finanzierungskosten stiegen und ein milliardenschwerer Steuereffekt in Luxemburg anders als im Vorjahr nun schwer belastete, wie Vodafone am Dienstag mitteilte

Vor einem Jahr hatte der Konzern vor allem wegen positiver Steuereffekte noch 5,92 Milliarden Pfund verdient. Der Umsatz schrumpfte wegen der starken britischen Währung um 3 Prozent auf 40,97 Milliarden Pfund - aus eigener Kraft hat Vodafone aber Boden gut gemacht und vor allem im vierten Quartal besser abgeschnitten als von Experten gedacht.

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging das Ergebnis (Ebitda) von Vodafone konzernweit um 2,7 Prozent auf 11,6 Milliarden Pfund zurück. Der Konzern stellt seine Bilanzierung nun kurz vor der "Brexit"-Abstimmung im Vereinigten Königreich auf den Euro um. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Management um Vittorio Colao mit einem Ebitda von 15,7 bis 16,2 Milliarden Euro - damit liegt Vodafone oberhalb der durchschnittlichen Schätzungen von Experten. Das sorgte für bessere Laune bei den Anlegern. Die Dividende will Vodafone zudem jährlich steigern. Für das vergangene Jahr zahlt der Konzern inklusive der Schlussdividende 11,45 Pence - nach Angaben des Konzerns umgerechnet 14,48 Eurocent je Aktie.

Weil der Konzern nun aber mit dem Schwung des besser laufenden Tagesgeschäfts überraschend viel operativen Gewinn erwartet, kletterte die Aktie am Vormittag dennoch um 2,5 Prozent.

Denn die roten Zahlen unter dem Strich außer Acht gelassen, sorgte das sonstige Abschneiden bei Vorstandschef Vittorio Colao für Zuversicht. Der Umsatz schrumpfte zwar vor allem wegen der starken britischen Währung um 3 Prozent auf 41 Milliarden Pfund - aus eigener Kraft hätte Vodafone aber Boden gut gemacht und vor allem im vierten Quartal besser abgeschnitten als von Experten gedacht. Dazu trugen allerdings auch Sondereffekte bei. Auf Jahressicht sei es das erste Mal seit 2008, dass Vodafone sowohl bei Umsatz als auch beim operativen Ergebnis aus eigener Kraft zugelegt habe, sagte Colao.

Deutsche Tochter mit leichtem Zuwachs

Auch in Deutschland, dem wichtigsten Mobilfunkeinzelmarkt der Briten, zeigt der Trend nach längerer Durststrecke wieder deutlicher nach oben. Mit 1. Oktober 2015 wurde der Ex-Chef der Telekom Austria Hannes Ametsreiter zum CEO bestellt. Danach wurde die Führungsmannschaft umgekrempelt. Von Jänner bis März konnte Vodafone den Umsatz mit Mobilfunkdienstleistungen um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhen. Damit konnte Vodafone dank der verstärkten Ausrichtung auf Prepaid- und Billigangebote gegenüber den Wettbewerbern der Deutschen Telekom und Telefonica Deutschland verlorenen Boden wettmachen.

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Im Gesamtjahr steht aber nach wie vor ein Rückgang. Insgesamt profitierte die deutsche Vodafone-Tochter vor allem vom milliardenschwer zugekauften Kabelgeschäft, das mit Zuwächsen den Umsatzschwund eindämmte.

Auf dem britischen Markt rechnet Colao nach der geplatzten Übernahme des britischen Telefonica-Ablegers O2 UK durch den Mischkonzern Hutchison aus Hongkong mit neuer Bewegung. Es werde voraussichtlich Allianzen geben, womöglich auch Übernahmen - aber wer mit wem, das sei schwer auszumachen. Vergangene Woche hatte die EU-Kommission den über 10 Milliarden Pfund schweren Deal wegen Wettbewerbsbedenken untersagt.

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