Vodafone-Chef Ametsreiter bläst zur Attacke gegen Deutsche Telekom

Vodafone-Chef Ametsreiter bläst zur Attacke gegen Deutsche Telekom

Hannes Ametsreiter im Angriffsmodus: Mit Glasfaser soll Vodafone dem Platzhirsch Deutsche Telekom das Fürchten lernen.

Mit der Milliardenübernahme von Unitymedia wird der britische Telekomkonzern Vodafone zum größten Kabelnetzbetreiber Deutschlands. Hannes Ametsreiter, Ex-Chef der Telekom Austria, hat als Vodafone Deutschland-CEO die Ziele klar abgesteckt. Für die Deutsche Telekom wird es mit einem Schlag etwas ungemütlich.

London. Hannes Ametsreiter greift mit Vodafone an. Der 51-jährige Salzburger und Ex-Telekom-Austria-Chef landet mit der Übernahme von Unitymedia einen Coup, der in Deutschland die Marktverhältnisse kräftig durcheinander wirbeln wird. Vodafone übernimmt für fast 18,4 Mrd. Euro große Teile des Europa-Geschäfts vom US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global - darunter die deutsche Tochter Unitymedia.

„Wir wollen die Telekom herausfordern“, erklärt der Hannes Ametsreiter, Chef (CEO) von Vodafone Deutschland der BILD-Zeitung. Als hätte dies der Chef der Deutschen Telekom schon geahnt, hatte Timotheus Höttges schon am Morgen mitgeteilt, dass der deutsche Ex-Monopolist alles daran setzen werde, sich gegen den Deal und vor allem gegen die aufstrebende neue Konkurrenz zu stemmen. Höttges befürchtet eine "Wettbewerbsverzerrung". Er kündigte an: "Ich persönlich werde dafür kämpfen, dass wir im Sinne eines fairen Wettbewerbs für die Kunden alles tun werden, nicht benachteiligt zu sein".

Ametsreiters Retourkutsche auf Höttges Kampfansage folgte kaum später. Der Salzburger, seit Oktober 2015 bei Vodafone Deutschland im Chefsessel, schaltet mit seinem ersten Milliarden-Deal in den Angriffsmodus: "Wir sind damit natürlich in der glücklichen Situation, erstmals ein starker Wettbewerber zur Telekom zu werden."

Mit der jüngsten Übernahme kommt Vodafone einer flächendeckenden Breitbandversorgung mit dem Kabelfernsehnetz einen großen Schritt näher. Neben Mobilfunk kann die deutsche Tochter des britischen Mobilfunkriesen Vodafone nun auch Mobilfunk, Festnetz, Internet und Content aus einer Hand anbieten - und zwar bundesweit. Vodafone wird somit zum größten Kabel-TV-Anbieter Deutschlands.

Binnen fünf Jahren stemmt Vodafone somit seinen zweiten Milliarden-Kabel-Deal. Im Jahr 2013 hatte der weltweit zweitgrößte Mobilfunkkonzern Kabel Deutschland für rund 10,7 Milliarden Euro übernommen. Im Jahr 2000 in Deutschland als Mobilfunker mit der Übernahme von Mannesmann (D2) gestartet, wird der zweitgrößte Mobilfunker Deutschlands mit der Unitymedia-Übernahme die Vormachtstellung der Deutschen Telekom nun auch im Breitband ins Wanken bringen.

Mit einem Schlag übernimmt Vodafone weitere rund 7,2 Millionen Kunden, Rund acht Millionen Breitbandkunden hatte Vodafone schon mit dem Kabel Deutschland-Deal übernommen. Nun ist Vodafone auch in den drei bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen vertreten. In insgesamt 13 Bundesländern kann Vodafones somit mit einem eigenen Breitbandnetz aufwarten - mit insgesamt rund 15 Millionen Kunden.

Deutschland ist für Liberty Global nach Großbritannien der zweitgrößte Markt. Im ersten Quartal legte der Umsatz von Unitymedia, die hierzulande rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigen, um neun Prozent auf mehr als 636 Mio. Euro zu.

Die Deutsche Telekom ist jedenfalls unter Druck: Im Markt mit Breitbandkunden bringt es der Telekomkonzern auf rund 40 Prozent Marktanteil oder 13,2 Millionen Breitbandkunden.

Die Offensive

Und Vodafone-CEO Ametsreiter legt noch ein Schäuferl nach: Bis 2022 will er rund 25 Millionen Haushalte mit Gigabitverbindungen erreichen. Dafür sollen 12 Milliarden Euro investiert werden. "Damit geben wir einen ordentlichen Anschub für die digitale Infrastruktur", sagte Ametsreiter. "Das hilft Deutschland, und wir glauben, dass wir damit einen wirklich starken Impuls für Innovation geben - und damit ein starkes Signal für den Markt."

Vodafone übernimmt von Liberty Global neben der deutschen Unitymedia auch die Geschäfte in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Der Kauf soll bis Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen. Die Synergien veranschlagen die Briten mit jährlich 535 Mio. Euro - allerdings ohne Aufwendungen für die Integration der Liberty-Aktivitäten.

Liberty Global hatte zuletzt auch intensiv mit der Deutschen Telekom gedealt. Im Dezember 2017 hatte der US-Konzern den österreichischen Kabelbetreibers UPC Austria an T-Mobile Austria bekanntgegeben. Die Sparte UPC Austria mit ihren 654.000 Kunden wurde damals mit rund 1,9 Mrd. Euro bewertet. Die Österreichtochter von Liberty Global war in den vergangenen zehn Jahren immer wieder als Braut behübscht zum Ankauf angeboten worden.

Die Deutsche Telekom stemmt derzeit selbst ihre größte Transaktion in der Unternehmensgeschichte: Die US-Tochter T-Mobile US will sich den US-Mobilfunker Sprint ins Haus holen.

Vodafone-Konzern-Chef Vittorio Colao sagte am Mittwochvormittag: "Vodafone wird zu Europas führendem Netzbetreiber der nächsten Generation, der die meisten Mobilfunkkunden und Haushalte in der Europäischen Union bedient." Vodafone ist bisher nicht in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv, wo Unitymedia ausschließlich tätig ist. Unitymedia-Chef Lutz Schüler sagte: "Ich begrüße und unterstütze die geplante Zusammenführung von Unitymedia mit Vodafone ausdrücklich."

Im Februar hatte der weltweit zweitgrößte Mobilfunker bereits bekanntgegeben, Gespräche mit Liberty über einen Kauf von Kabelbeteiligungen in den Ländern zu führen, wo beide Unternehmen tätig sind. Beide Konzerne haben sich schon öfter am Verhandlungstisch gegenübergesessen. Vor drei Jahren konnten sich die Briten und US-Amerikaner noch nicht auf eine Kaufsumme einigen. Allerdings fusionierten sie 2016 in einer Art Testlauf für den aktuellen Deal ihr Geschäft in den Niederlanden zu dem 50:50 Joint Venture Vodafone Ziggo, bei dem die Briten mit rund einer Millionen Euro in bar eingestiegen waren. Liberty Global hatte davor den Kabelnetzbetreiber Ziggo im Jahr 2014 um rund zehn Milliarden Euro gekauft.

Das Wort der Wettbewerbshüter

Der jüngste Deal bedarf allerdings noch der Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde alleine aufgrund der Umsatzgröße sowie der deutschen Kartellwächter. Auch für den im Jahr 2013 rund zehn Mrd. Euro schweren Kauf von Kabel Deutschland waren die Wettbewerbshüter in Brüssel verantwortlich. Damals ging der Deal glatt durch - ohne Auflagen. Die Geschäftsbereiche würden sich lediglich ergänzen.

Beim vorliegenden zweiten Kabelfernsehnetz-Deal wird damit gerechnet, dass der Genehmigungsprozess etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als Vodafone selbst rechnet. Die Briten wollen den Deal bis 2019 finalisieren.

Vodafone würde im Breitband-Segment Kabel-TV quasi eine Monopolstellung erzielen. Und im Breitband-Markt insgesamt droht Deutschland mit der Deutschen Telekom und Vodafone ein Duopol.

Vodafone-CEO Ametsreiter sieht das freilich anders - das Gegenteil sei der Fall. "Überall dort, wo wir in Glasfaser und Kabel investieren, folgen andere Unternehmen mit Investitionen nach."

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