Gewinnrückgang bei VIG - Aktie steigt trotzdem

Gewinnrückgang bei VIG - Aktie steigt trotzdem

Der Gewinn der heimischen Vienna Insurance Group geht um ein Fünftel auf gut 200 Millionen Euro zurück. Der Gewinn des Vorjahres soll heuer aber verdoppelt werden, und das gefällt den Aktionären: Die Aktie gehört zu den Top-Gewinnern im ATX.

Trotz des erwarteten Gewinnrückgangs im Halbjahr sieht sich der börsennotierte Versicherungskonzern Vienna Insurance Group (VIG) für das Gesamtjahr 2016 auf Kurs. Das EGT soll gegenüber 2015 verdoppelt werden und "bis zu 400 Mio. Euro" erreichen, nach 201 Mio. Euro bis Juni. Die Niedrigzinsen drückten das Finanzergebnis. Die Einnahmen wuchsen ohne Bremsen bei den Einmalerlägen um 4,5 Prozent.

Die Aktionäre goutieren wohl den Optimismus des Unternehmens und waren ohnehin über den Gewinneinbruch informiert - sie zögerten daher nicht damit, die VIG-Aktie (ISIN: AT0000908504) in ihr Portfolio aufzunehmen: Mit einem Plus von zwei Prozent auf 17,09 Euro gehörte die VIG kurz nach Handelsstart zu den Top-Gewinnern des heimischen Leitindex ATX.

Wie angekündigt: Rund 200 Millionen Euro EGT

Das Vorsteuerergebnis (EGT) sank bis Juni im Jahresabstand um 17,5 Prozent auf 201 (244) Mio. Euro. Anfang August hatte die VIG "rund 200 Mio. Euro" avisiert. Für das Gesamtjahresziel sei man mit dem Halbjahresresultat erfolgreich auf Kurs, das Ziel bleibe "ungeachtet der geänderten Bewertung der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften und der daraus resultierenden Bilanzierungsänderung aufrecht", erklärte der Konzern am Dienstag. Wegen eines FMA-Bescheids von 2. August musste die VIG nämlich Abschlüsse für 2014 und 2015 aufrollen, wodurch sich laut erster vorläufiger Analyse für 2015 eine Reduktion des Vorsteuergewinns um rund 45 Mio. und des Konzerneigenkapitals um rund 550 bis 580 Mio. Euro ergab, so die VIG Anfang August. Außerdem wirkte sich hier auch die rückwirkende Wohnbaugesellschaften-Adaptierung belastend auf das Ergebnis des ersten Quartals 2016 aus, das nach Konzernangaben um 11,9 Mio. Euro angepasst wurde.

Heuer im ersten Halbjahr stagnierten die verrechneten Prämieneinnahmen des Konzerns insgesamt bei 4,93 (4,91) Mrd. Euro (+0,4 Prozent). Bereinigt um das in etlichen Märkten bewusst restriktiv gehandhabte Einmalerlags-Geschäft in der Sparte Lebensversicherung hätte das Prämienplus in den ersten sechs Monaten 4,5 Prozent ausgemacht. Der Anteil der Einmalerläge an der Konzernprämie sank im Jahresabstand von 18,1 auf 14,7 Prozent, jener von Leben laufend blieb dagegen bei 25,9 Prozent.

Die österreichischen VIG-Konzerngesellschaften nahmen bis Juni mit 2,26 Mrd. Euro ein, nominell ein Minus von 0,9 Prozent, ohne Einmalerläge aber ein Plus von 0,6 Prozent. Das "Österreich"-EGT sank um 12,3 Prozent auf 75,2 Mio. Euro, vor allem wegen niedrigerer realisierter Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen; die Combined Ratio - Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen - betrug 99,3 (96,6) Prozent. Am zweitgrößten Markt Tschechien sanken die Prämien wegen der Einmalerlags-Zurückhaltung um 5,2 Prozent auf 792 Mio. Euro, ohne diese stand ein Plus von 7,8 Prozent; das EGT sank um 11,9 Prozent auf 78 Mio. Euro, die Combined Ratio stieg auf 92,8 (89,8) Prozent.

Polen steuerte 415 Mio. Euro Prämie bei (-7,8 Prozent vor allem wegen der Einmalerläge), das EGT halbierte sich auf 14 Mio. Euro, die Combined Ratio stieg auf 99,7 Prozent (Hagel, Kfz). Der viertgrößte VIG-Markt Slowakei lieferte 374 Mio. Euro Prämie (-3,7 Prozent) bei 26 Mio. Euro EGT (-1,3 Prozent) und 96,5 Prozent Combined Ratio. In Rumänien kletterten die Einnahmen dank Kfz-Haftpflicht-Neugeschäft um 37 Prozent auf 267 Mio. Euro; das EGT betrug 3,6 (3,5) Mio. Euro, die Combined Ratio lag mit 101,0 (103,2) Prozent weiter hoch. Im Segment Türkei/Georgien nahm man mit 113 Mio. Euro um 19 Prozent mehr ein bei 3,9 Mio. Euro EGT und 97,0 Prozent Combined Ratio.

Die Aufwendungen für Versicherungsfälle (abzüglich Rückversicherungsanteile) stiegen in den ersten sechs Monaten im Gesamtkonzern um 3,4 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro, wobei allerdings das erste Halbjahr 2015 durch positive Währungseffekte in Liechtenstein und die Abkoppelung des Schweizer Franken vom Euro geprägt war. Die Aufwendungen für Versicherungsabschluss und -verwaltung stiegen im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent auf 973 Mio. Euro.

Die Combined Ratio des gesamten Konzerns lag "unter anderem aufgrund von Hagelschäden in den Kfz-Sparten in Polen und der Tschechischen Republik" bei 97,9 Prozent (nach Rückversicherung, ohne Veranlagungserträge), heißt es im Halbjahresfinanzbericht; damit habe man an die Entwicklung im ersten Quartal (97,8 Prozent) anschließen können, so die VIG.

Das Finanzergebnis sank um 13,2 Prozent auf 450 (518) Mio. Euro. Dieser Rückgang sei "vor allem auf niedrigere realisierte Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen bei Anleihen und Ausleihungen sowie bei Investmentfonds zurückzuführen".

Die Kapitalanlagen lagen per 30.6. samt liquiden Mitteln bei 32,3 Mrd. Euro (+3,2 Prozent). Unter anderem 73,2 Prozent der Kapitalanlagen entfielen auf Anleihen, 8,9 Prozent auf Darlehen, 6,1 Prozent auf Liegenschaften, 4,1 Prozent auf Aktien.

Im ersten Halbjahr waren 23.005 Mitarbeiter bei der VIG beschäftigt, um 10 mehr als im Gesamtjahr 2015.

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