Vier Jahre nach Fukushima: Japan fährt den ersten Reaktor wieder hoch

Vier Jahre nach Fukushima: Japan fährt den ersten Reaktor wieder hoch

Bald wieder am Netz: Die Reaktoren des Atomkraftwerks Sendai in der Präfektur Kagoshima in Japan.

Gegen breiten Widerstand in der Bevölkerung nimmt Japan einen Atomreaktor in Betrieb. Das Atomkraftwerks Sendai soll ab Freitag wieder Strom erzeugen. Umweltschützer sehen das als unverantwortlich. Die Region ist von Erdbeben und Vulkanausbrüchen gefährdet.

Der Reaktor 1 des Atomkraftwerks Sendai solle am Dienstag um 10.30 Uhr Ortszeit (3.30 Uhr MESZ) hochgefahren werden und ab Freitag Strom erzeugen. Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, das Wiederanfahren zu stoppen.

Für Japans Regierungschef Shinzo Abe gilt das erneute Hochfahren als Erfolg, denn er will zur Atomkraft zurückkehren. Bisher musste Japan Öl und Gas teuer importieren. Vor dem Gau in Fukushima deckte Japan rund ein Drittel seines Strombedarfs mit Atomenergie ab.

Bis Anfang September solle dann der 31 Jahre alte Reaktor, der knapp 1.000 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tokio liegt, die volle Produktionskapazität erreichen. Jeder der Reaktoren hat eine Leistung von 848 Megawatt. Sendai 1 war im Mai 2011 für Routinearbeiten abgeschaltet worden. Weil die Sicherheitsstandards nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 jedoch strenger geworden waren, wurde der Reaktor bisher nicht wieder hochgefahren. Seit September 2013 wurde in Japan gar keine Atomenergie mehr produziert.

Das Atomkraftwerk in Sendai war das erste AKW, das im vergangenen September die nach Fukushima eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllte. Die Regierung spricht von den "strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt". Alle Atomkraftwerke müssen diese Auflagen erfüllen, bevor sie wieder angefahren werden dürfen. "Das Wiederanfahren von Atomreaktoren, deren Sicherheit bestätigt wurde, ist für unsere Energiepolitik wichtig", sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Aktiver Vulkan nur 50 Kilometer entfernt

Vor den unberechenbaren Naturgefahren warnt indessen die NGO Global 2000 und die Partnerorganisation "Friends of the Earth Japan", die Wiederinbetriebnahme in dieser Region sei "unverantwortlich". Die beiden Reaktoren beifnden in unmittelbarer Nähe mehrerer aktiver Vulkane, auf der geologisch aktiven Insel Kyushu wurden allein im Juli 2015 vier stärkere Erdbeben registriert.

"Obwohl einige Anlagenteile noch nicht ausreichend auf ihre Erdbebensicherheit geprüft wurden, und obwohl in unmittelbarer Nähe der beiden 840-Megawatt-Reaktoren nicht nur mehrere aktive Vulkane immer wieder ausbrechen, lässt die japanische Nuklearaufsicht das Wiederanfahren der Sendai-Reaktoren zu - und erlaubt sogar die Laufzeitverlängerung der bereits über dreißig Jahre alten Anlagen um weitere zehn Jahre", sagt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000.

Zudem werde die Region immer wieder von pazifischen Wirbelstürmen heimgesucht.

Seit zwei Jahren stehen alle 48 Reaktoren still

Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, das Wiederanfahren zu stoppen. Als Konsequenz der Atomkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 stehen seit rund zwei Jahren alle 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still. Die rechtskonservative Regierung will aber zur Atomkraft zurückkehren. Sie setzt sich damit über den Widerstand in der eigenen Bevölkerung hinweg. In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger Japans immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus.

Die Gesellschaft ist weitgehend gegen die Wiedereinführung der Atomenergie. Gerade wurde auch der Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren gedacht.

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