Viele KMUs sahen vor Shutdown ihre Finanzen noch positiv

Viele Klein- und Mittelbetriebe steht wegen der Corona-Krise das Wasser bis zum Hals. Aber laut einer Umfrage im Oktober, sah die Mehrheit der befragten Unternehmen - vom EPU bis zu Firmen über 50 Mitarbeiter, ihre finanzielle Situation positiv. Vergleichsweise viele sind sich sogar sicher in Zukunft keine finanzielle Hilfe zu benötigen. Was sie anders machen würden als im Februar, zu Ausbruch der Pandemie.

Viele KMUs sahen vor Shutdown ihre Finanzen noch positiv

Umfrage: 60 Prozent der Unternehmen benötigen, trotz Corona, keine finanzielle Unterstützung.

Vielen Klein- und Mittelbetrieben reißen die Auswirkungen von Corona finanziell den Boden unter den Füßen weg. "Viele sind in Existenznöten", weiß Berndt Zinnöcker, Geschäftsführer der BDO. Doch mehr als man glauben könnte, schlagen sich, trotz der aktuellen Widrigkeiten, aber auch recht gut. Zumindest bis Mitte Oktober, zum Zeitpunkt der Umfrage zum Thema, wie KMUs die Krise meistern. Die Mehrheit der befragten Familienunternehmen hat demnach das Zeug die Auswirkungen der Pandemie heil zu überstehen. Das ergab eine Umfrage von Marketagent im Auftrag der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der BDO unter 60 Entscheidungsträgern von Unternehmen in Österreich in 13 Branchen.

Rückzahlung der Steuerstundung bis Jänner als Damoklesschwert
Rund 20 Prozent der befragten Entscheider stammten aus dem Sektor Handel, 13 Prozent aus dem Bereich Medien, IT und Kommunikation und fast elf Prozent aus dem Gastro- und Tourismusbereich. Sie beurteilten ihre finanzielle Situation selbst neun Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie, überwiegend als positiv. "Man muss die Ergebnisse allerdings im Kontext des jüngsten Shutdowns sehen", schränkt Berndt Zinnöcker, Geschäftsführer der BDO ein. Im Tourismus war zum Zeitpuntk der Umfrage die Hoffnung auf eine halbwegs intakte Wintersaison noch wesentlich größer als derzeit. "Wenn diese wichtige Saison ausfällt, werden viele Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, wenn keine weiteren staatlichen Maßnahmen folgen", warnt der Steuerexperte. Vor allem die Stundung der Steuern bis 15, Jänner 2021 müssten seiner Ansicht nach verlängert werden. "Sonst wird es für die betroffenen Unternehmen sehr schwierig. Die Rückzahlung bis dahin werden viele nicht stemmen können", ist Zinnöcker überzeugt.


Bei kleinen Unternehmen können oft schon binnen eines Monats die liquiden Mittel versiegen

Aber längst nicht alle KMUs leben finanziell am Limit. Wie die BDO-Studie zeigt, gibt es etliche klein- und mittelständische Unternehmen, die trotz des schwierigen Umfeldes, finanziell gut dastünden, auch im Handel, "etwa jene, die im Onlinehandel gut positioniert sind", weiß der Steuerexperte für KMUs aus seiner beruflichen Praxis. Insgesamt seien nicht so viele kleine und mittelgroße Betriebe in massiven finanziellen Schwierigkeiten, wie man glauben könnte, so sein Resümee. So etwa seien klassische Industrie- und Handwerksbetriebe oft kaum oder gar nicht von der Krise betroffen. "Je größer die Unternehmen, umso krisenresitenter sind sie. Bei kleinen Unternehmen können oft schon binnen eines Monats die liquiden Mittel versiegen. Für viele von ihnen bilden daher die Maßnahmen der Regierung einen wichtigen finanziellen Rückhalt", weiß Zinnöcker.

Zur Studie: Befragt wurden Ein-Personen-Unternehmen, Unternehmen mit zwei bis neun Mitarbeiter, solche mit zehn bis 49 Mitarbeiter und Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern.

Viele EPUs und kleine Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeiter wurden für die Studie befragt.

Immerhin rund 60 Prozent der befragten Manager gingen zum Zeitpunkt der Umfrage Mitte Oktober nicht davon aus, dass sie in nächster Zeit finanzielle Unterstützung benötigen würden, um Investitionen tätigen zu können oder Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Rund 36 Prozent gingen davon aus, in nächster Zeit keine finanzielle Hilfe zu benötigen. Fast 24 Prozent gaben sogar an "auf keinen Fall finanzielle Unterstützung zu benötigen.

Finanziell gut aufgestellt: 24 Prozent der KMUs gaben an, sicher keine finanzielle Hilfe zu benötigen. Nur zehn Prozent der Befragten gab an auf jeden Fall eine Finanzspritze zu benötigen.

Am liebsten staatliche Covid-Hilfe und Förderungen
Für alle, die finanzielle Unterstützung benötigen, spielen vor allem die Corona-Förderungen eine wichtige Rolle: 60,4 Prozent planen solche in Anspruch zu nehmen. Rund 55 Prozent jener, die mehr Geld benötigen, wollen auf Fördermodelle zurückgreifen, fast 40 Prozent auf Bankkredite. Nur rund ein Drittel der Unternehmen will auf Eigenmittel zurückgreifen (27 Prozent).

Wenn KMUs finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, dann am liebsten staatliche Corona-Hilfe. Am zweithäufigsten werden Förderungen genannt. Merklich dahinter kommen Banken als Financiers in Frage. 27 Prozent müssen und können Eigenmittel aufbringen. Crowdfunding ist für zehn Prozent eine Option. Die Firma verkaufen oder sich zusammenschließen, dazu ist keiner der 60 befragten Entscheidungsträger von KMUs bereit.

Vor allem größere Unternehmen wollen in Zukunft ihre Finanzen kritischer analysieren.
Knapp die Hälfte der Befragten plant jedoch, bestehende Finanzierungen einer kritischen Analyse zu unterziehen. Bei der Frage, was sie als Unternehmen, jetzt anders machen würden, um ihr Unternehmen sicher durch die Krise zu führen, als im Februar 2020, gaben die meisten der befragten Manager an, sie würden sich finanziell besser vorbereiten, weniger Geld ausgeben und mehr sparen. Ein Ergebnis der Studie ist ebenfalls erstaunlich. Stünden die Entscheidungsträger der Familienunternehmen mit dem heutigen Wissensstand nochmals zu Beginn der Corona-Krise, würden nur fünf Prozent für einen stärkeren finanziellen Polster sorgen.

Die Hälfte der Befragten wollte zwar auf die Frage keine Antwort geben. Aber diejenigen, die Auskunft haben, wollten vielfach ihre Finanzen in Zukunft besser prüfen. Je größer die befragten Unternehmen, umso mehr wollen diese in Zukunft ihre Finanzen besser analysieren und die eventuelle Ausgaben kritischer hinterfragen als in der Vergangenheit.

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