Viele Hürden für Flüchtlinge am Arbeitsmarkt

Viele Hürden für Flüchtlinge am Arbeitsmarkt

Flüchtlinge am Grenzübergang in Spielfeld.

Fehlende oder mangelnde Sprachkenntnisse und die formale Ablehnung von Qualifikationen sind Hauptursachen für die schwierige Integration von Asylberechtigten auf dem Arbeitsmarkt. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo empfiehlt eine schnellere Bearbeitung der Asylverfahren.

Exakt 88.912 Asylanträge wurden im vergangenen Jahr in Österreich gestellt. Eine Rekordzahl im Vergleich zu 2014, als es nur 28.452 waren. Wenn der Entscheid für einen Asylwerber positiv ausfällt, gilt es, sie rasch auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Dabei gibt es oft auch große Unterschiede hinsichtlich des Qualifikationsniveaus im Vergleich zu anderen Migrationsgruppen. "Flüchtlinge haben eine ganz anderen Historie, sprachliche Hürden und verfügen etwa nicht über Netzwerke in den Zielländern", sagt Julia Bock-Schappelwein vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Das Wifo hat die Daten des Mikrozensus 2014 analsysiert: 2014 verfügten demnach 46 Prozent der Asylwerber, über eine mittlere Qualifikation (Lehre oder AHS-Abschluss). 24 Prozent hatten einen Abschluss, der über die Matura hinausgeht. Das heißt eine abgeschlossene Hochschul- oder Fachhochschulausbildung. Der Großteil der nach Österreich gelangten Flüchtlinge war männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Damit entsprachen die formalen Qualifikationen der Asylsuchenden etwa jenen der Familienmigranten und waren nur unwesentlich schlechter als jene der Arbeitsmigranten.

Allerdings hat sich die Qualifikationsstruktur in den vergangenen Jahren verändert: Im Zeitraum zwischen 2005 und 2014 kamen verstärkt junge Asylsuchende nach Österreich. 62 Prozent davon hatten höchstens einen Pflichtschulabschluss - deutlich mehr als in früheren Zuwanderungsbewegungen. Asylberechtigte, die schon länger in Österreich leben, haben zudem das Problem, dass ihre Qualifikationen unter anderem aufgrund ihrer schlechten Deutschkenntnisse oft nicht anerkannt werden. 2014 war das bei 74 Prozent der Flüchtlingen der Fall. "Oft ist die Qualifikation auch nicht verwertbar, weil sie der Wirtschaftsstruktur im Zielland nicht entspricht", sagt die Wifo-Forscherin.

Daneben zeigt die Wifo-Untersuchung, in der die Flüchtlingsbewegung 2015 noch nicht abgebildet ist, dass anerkannte Flüchtlinge (Asylberechtigte) bei der faktischen Anerkennung ihrer Qualifikation gegenüber anderen Zuwanderungsgruppen deutlich benachteiligt sind.

Asylverfahren beschleunigen

Dem Wifo zufolge müssten die offenen Asylanträge rascher bearbeitet werden - die durchschnittliche Verfahrensdauer bei Asylanträgen betrug im Oktober 2015 rund fünf bis sechs Monate - um die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zu verbessern. "Je länger ich außerhalb des Arbeitsmarktes stehe und keinen Zugang zu sozialer Integration habe, desto schwieriger wird es nachher", so Bock-Schappelwein. Beschleunigte Asylverfahren könnten die Folgekosten, die durch einen längere Wartezeit auf dem Arbeitsmarkt entstehen, verringern.

Mangelnde Sprachkenntnisse bleiben aber ein Hauptproblem. Um den Flüchtlingen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen, müsse mehr in Sprachkurse investiert werden. Das AMS etwa will heuer insgesamt 68 Millionen Euro für Maßnahmen zur Integration Asylberechtigter ausgeben. Ein Teil des Budgets soll für rund 22.400 Deutsch-Kurse verwendet werden.

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