Viel Wachstum, viele Risiken: Deutsche Autobauer abhängiger von China

Viel Wachstum, viele Risiken: Deutsche Autobauer abhängiger von China

Mit der wachsenden Abhängigkeit deutscher Autobauer von China steigen ihre Risiken auf dem größten Fahrzeugmarkt der Welt. "Wenn der Markt in China hüstelt, bekommen die deutschen Autohersteller eine Lungenentzündung", sagt der Branchenexperte Peter Fuß vom Unternehmensberater Ernst & Young vor der internationalen Automesse am Montag in Peking: "Das Wachstum in China wird instabiler", warnt er.

Die langsamere wirtschaftliche Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bremste im vergangenen Jahr schon den chinesischen Automarkt überraschend stark. Steuererleichterungen im Herbst brachten wieder Schwung, auch sind jüngste Wirtschaftsdaten ermutigend. Aber kein Zweifel: Die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten sind vorbei. In den nächsten Jahren wird das Plus nur noch bei vier oder fünf Prozent liegen - und damit wird der Wettbewerb härter.

Erstmals verkaufte die Marke Volkswagen im ersten Quartal jedes zweite Auto in der Volksrepublik. "Deutsche Fahrzeughersteller sind vom chinesischen Markt stark abhängig - und die damit verbundenen Risiken nehmen weiter zu", sagt auch Mirjam Meissner vom China-Institut Merics in Berlin. "Nicht nur die wirtschaftliche Lage insgesamt wird unsicherer, auch staatliche Eingriffe in den Automobilsektor nehmen zu." Dadurch werde das Marktumfeld in Zukunft "immer unberechenbarer".

China greift den eigenen Herstellern unter die Arme

Die ausländischen Autoproduzenten müssten sich auf Gegenwind einstellen. "Denn die chinesische Regierung versucht, in diesem strategisch wichtigen Wirtschaftszweig alle Hebel in Bewegung zu setzen, um heimischen Fahrzeugherstellern Wettbewerbsvorteile zu verschaffen", sagt Meissner. Das zeige sich schon besonders bei der Förderung der Elektromobilität oder des vernetzten Autos.

Warnungen vor übergroßer Abhängigkeit von China kontern Autobauer gern mit dem Argument, dass das Risiko, nicht in China zu sein, noch größer sei. "Es kann ja auch nicht richtig sein, die Abhängigkeit zu verringern, in dem ich weniger Autos verkaufe", sagt der China-Vorstand von Volkswagen, Jochem Heizmann, am Samstag in Peking. Es gelte vielmehr, mit den chinesischen Joint Venture-Partnern den Markt gut zu beobachten und die richtigen Prioritäten zu setzen.

Für Volkswagen ist der gute Absatz in China angesichts des Abgas-Skandals so etwas wie ein Rettungsanker - auch wenn Heizmann selbst das Wort nicht benutzen will. Dafür sagt er: "China hat außerordentlich große Bedeutung für den Konzern. Mit dem Wachstum nimmt sie automatisch noch zu." Die Zeiten werden aber rauer.

"Wetbbewerb wird härter und schärfer"

"Volumenhersteller dürften künftig den zunehmenden Wettbewerb von Koreanern, Franzosen und Amerikanern zu spüren bekommen", sagt Experte Fuß. "Alle wissen: Man kann den chinesischen Markt nicht vernachlässigen."

Immer mehr Hersteller tummeln sich auf dem chinesischen Markt - allein 180 einheimische. 2016 könnten die Überkapazitäten schon bei mehr als zehn Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen liegen, schätzen die Unternehmensberater von PricewaterhouseCoopers (PwC).

"Es wird enger auf dem chinesischen Markt. Der Wettbewerb wird sehr viel härter und schärfer", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. "Viele Hersteller bekämpfen sich mit höheren Rabatten. Das lässt auch die Renditen sinken."

"Strategie von VW ist veraltet"

Mit der steigenden Verflechtung werden auch Fehler teurer. So hätten ausländische Hersteller den Trend zu günstigen Geländewagen in China verschlafen, findet Cui Dongshu von der chinesischen Vereinigung der Personenwagenhersteller. "Volkswagen hat keine neuen Geländewagen im Angebot, auch ist ihre Strategie veraltet. Deswegen wurden sie an den Rand gedrängt", sagt er. "Wenn ausländische Hersteller mithalten wollen, müssen sie ihre Strategie besser auf die Nachfrage einstellen." Chinesische Autobauer profitierten von der langsamen Reaktion der Ausländer.

Der Zwang in China, mit heimischen, staatlichen Herstellern in Gemeinschaftsunternehmen produzieren zu müssen, behindert die Flexibilität. "Es schränkt die Bewegungsfreiheit der deutschen Hersteller ein", glaubt Meissner. Die Frage sei, "ob deutsche Hersteller radikale Veränderungen am Markt auch rechtzeitig erkennen, um sich ausreichend Reaktionszeit zu schaffen. Das sehe ich derzeit nicht immer gegeben - und hier besteht großer Nachholbedarf."

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