voestalpine dreht ab in die Verlustzone

Die Abwärtstendenz bei der voestalpine hält an: Das Ergebnis des Linzer Stahl- und Technologiekonzern dreht ins Minus und schreibt tiefrote Zahlen. Rückläufig ist auch der Umsatz. Der Ausblick bringt vorläufig wenig Linderung.

voestalpine dreht ab in die Verlustzone

Hebert Eibensteiner schreibt an: Der erste Verlust als voestalpine-CEO.

Linz/Wien. Für den Linzer Stahl - und Technologiekonzern kommt es nach den Gewinnrückgängen der vergangenen Quartalen nun ganz dick: Im 3. Quartal des Geschäftsjahrs 2019/20 (Stichtag 31.12.2019) ist der Konzern in die Verlustzone abgedriftet: Unterm Strich schreibt die voestalpine rote Zahlen in der Höhe von 160 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres wurden noch 281,3 Millionen Gewinn erzielt. Der Umsatz ist im selben Zeitraum rückläufig: Die Erlös sind um 3,8 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro gesunken. voesatlpoine-CEO Herbert Eibensteiner, der erst seit Juli 2019 den Konzernvorsitz inne hat, schreibt somit seinen ersten Verlust als CEO des Stahlkonzerns.

Zu schaffen macht dem Stahlkonzern vor allem die Nachfrageschwäche der Automobilindustrie. Dazu kommen steigende Eisenerzpreise bei gleichzeitig sinkenden Stahlpreisen. Und auch die internationalen Handelsstreitigkeiten schlagen auf die Bilanz. Die eingeführten US-Importzölle auf Stahl und Aluminium machen dem Konzern ebenso zu schaffen wie auch die Konjunktur, die sich in den ersten drei Geschäftsquartalen "zunehmend eingetrübt" hat. Dazu kommen auch die massiven Anlaufproblem im US-Automotivwerk Carterville (Georgia).

Die Konzernbereiche Bahninfrastruktur, Luftfahrtindustrie, die Schweiß- oder Lagertechnik hätten über die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres hinweg "eine durchaus solide Entwicklung" gezeigt.

Die "Effizienz" im US-Automobilwerk habe durch die eingeleiteten Maßnahmen bereits gesteigert werden können. Für die Erreichung der ursprünglichen Planungsziele seien "jedoch weitere Optimierungsschritte notwendig".

"Gleichzeitig beginnen unsere in Umsetzung befindlichen Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramme bereits Wirkung zu zeigen und wir sehen erste Anzeichen, dass es in einigen Geschäftsbereichen zu einer Stabilisierung der Nachfrage kommen könnte", erklärte voestalpine-Chef Eibensteiner.

Vor Weihnachten noch hatte voestalpine zusätzliche Sonderabschreibungen, Vorsorgen und Rückstellungen im Volumen von 360 Millionen Euro vorzunehmen.

der ersten neun Monate im Geschäftsjahr 2019/20 von 1,1 Mrd. Euro auf 837,2 Mio. Euro um gut 24 Prozent nach unten. Operativ schlug ein Verlust (EBIT) von 185,2 Mio. Euro zu Buche - im Vergleichszeitraum des Vorjahres schrieb die voestalpine hier noch 525,5 Mio. Euro Gewinn. Der Verlust je Aktie (EPS) beläuft sich im Berichtszeitraum auf 97 Cent, nach einem Gewinn von 1,4 Euro vor einem Jahr.

Der Umsatz verringerte sich von 9,9 auf 9,6 Mrd. Euro um 3,8 Prozent. Dies sei auf "reduzierte Gesamtmengen" zurückzuführen. Die voestalpine beschäftigte per Ende Dezember 49.838 Mitarbeiter (-3,2 Prozent).

Wenige rosige Aussichten

Der Ausblick in die Zukunft ist bescheiden. An der in den vergangenen drei Monaten bereits zweimal gekappten Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2019/20 (per Ende März) hält das Management nun fest: Für das gesamte Geschäftsjahr 2019/20 wird gerade noch mit einem positiven Ergebnis (EBIT) gerechnet nachdem im Vorjahr noch 779,4 Millionen Euro Gewinn erzielt wurde.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wird aller Voraussicht nach gegenüber dem Vorjahr um 400 Millionen Euro geringer ausfallen: Heuer wird mit 1,2 Milliarden Euro gerechnet.

Der Verschuldungsgrad schnalzte in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2019/20 nach oben. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) erhöhte sich gegenüber der Vorjahresperiode von 58,4 Prozent auf aktuell 80 Prozent. Per Ende Dezember legte die Nettoverschuldung um rund 20 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro zu. Parallel dazu ging das Eigenkapital um 12 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro zurück.

Im abgelaufenen Quartal sei - neben den oben genannten Sondereffekten - auch ein Hybriddarlehen im Volumen von 500 Mio. Euro zurückbezahlt worden, erklärte Eibensteiner. Eigenkapital sei durch Fremdkapital ersetzt worden. Die Nettofinanzverschuldung sei zudem durch die Umstellung der Rechnungslegungsstandards (IFRS 16) gestiegen.

Boeing 737 Max drückt aufs Geschäft

Erstmals wird im kommenden Geschäftsjahr, das am 1. April 2020 beginnt, wird auch auch der Produktionsstopp von Boeing für das Flugzeug Boeing Max 737 sich auf die voestalpine als Zulieferer auswirken. Nach den beiden Abstürzen mit insgesamt 346 Toten hat Boeing im Jänner den Produktionsstopp für den Unglücksflieger angekündigt.

Im Bereich Aerospace machen die Oberösterreicher jährlich einen Umsatz von rund 400 Mio. Euro - etwa 45 Mio. Euro davon entfallen den Unternehmensangaben zufolge auf 737 Max. "Die 737 Max wird uns daher im nächsten Geschäftsjahr Schwierigkeiten machen", so CEO Eibensteiner.

In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2019/20 wurden die Zulieferteile der voestalpine vom US-Flugzeugbauer Boeing noch normal abgerufen, es gab bisher also aus diesem Titel heraus noch keine Beeinträchtigung des Geschäfts. Für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs der 737 Max gibt es noch immer keinen konkreten Termin.

Die Werksschließungen

Auch in China läuft es derzeit nicht rund. Infolge der Coronavirus-Epidemie muss die voestalpine vorläufig ihre neun Werke geschlossen halten. "Das ist die behördliche Vorgabe", sagte Konzernchef Eibensteiner. Wie es in China weitergeht, ist derzeit unklar. "Wir wissen dort nicht genau, wie die nächsten Maßnahmen aussehen."

Die Betriebsferien ab Chinesisch Neujahr, das heuer auf den 25. Jänner fiel, wurden wegen des Virus bis nächste Woche verlängert. "Im Moment sind alle unsere Werke von den Stillständen betroffen - unser Kenntnisstand ist, dass sie bis 9. Februar geschlossen bleiben, aber wir haben aktuell keine Information, ob verlängert wird oder wie lange geschlossen bleibt", sagt CEO Eibensteiner unter Verweis auf die behördlich verhängten Produktionsstopps in mehreren chinesischen Provinzen

Weniger Didividende

Ungeachtet der wirtschaftlichen Turbulenzen hat die voestalpine-Aktie [AT0000937503] am frühen Donnerstagvormittag mit Aufschlägen tendiert. Nach dem die jüngsten Zahlen vorgelegt hat der Aktienkurs um 2,77 Prozent auf 23,73 Euro zulegen können. Kurzzeitig hat die Aktie über 24 Euro notiert. Im Verlauf des Tage hat sich das Kursplus bei 1,3 Prozent eingependelt.

Wegen des insgesamt für die voestalpine äußerst ungünstigen Umfelds wird auch die Dividende für das laufende Geschäftsjahr 2019/20 gekürzt werden. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat "eine auf die Situation angepasste Dividende" zur Genehmigung vorlegen, formulierte Eibensteiner vorsichtig. "Aus heutiger Sicht wird der Vorschlag im Vergleich zum Vorjahr geringer ausschauen."

Schon im Geschäftsjahr 2018/19 war die Dividende angesichts der damals erlittenen Gewinnhalbierung von 1,40 Euro je Aktie auf 1,10 Euro gekappt worden.

UNIQA CEO Andreas Brandstetter und Ministerin Leonore Gewessler

"In dieser Lage sind Ausreden nicht mehr zulässig"

Umwelt- und Energieministerin LEONORE GEWESSLER und Uniqa-Boss ANDREAS …

Arbeitskräftemangel: EU-weite Mobilität forcieren

Arbeits- und Wirtschaftsminster Martin Kocher und Wifo-Chef Gabriel …

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IAASA) in Laxenburg.

Klimaforscher Keywan Riahi: "Wir werden nicht ärmer werden"

Der weltweit führende Klimaforscher Keywan Riahi im trend. Interview über …

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Bernd Spalt, CEO der Erste Group, hat erklärt, dass er seinen bis Ende …