Verleiht Träume: Snoooze, der Schlummertrunk

Hans Vriens, Gründer und Erfinder von Snoooze, dem "Anti-Red-Bull".

Hans Vriens, Gründer und Erfinder von Snoooze, dem "Anti-Red-Bull".

Vor Jahren eroberte er mit Red-Bull-Energydrinks Südamerika. Nun will Functional-Food-Experte Hans Vriens quasi ein Gegenmittel auf den Markt bringen: den Schlafdrink Snoooze.

Dass der Mann einen Schlummertrunk erfindet, war nicht vorhersehbar. Oder doch, irgendwie. Hans Vriens kann reden wie aufgezogen, steht ständig unter Strom. Hat für Konzerne wie Mars oder Procter & Gamble gearbeitet, Topmarken wie Balisto, M&M's oder Wash & Go gelauncht. Für Tchibo entwickelte er das Kapselsystem Qbo. Und als Topmanager bei Red Bull, als "Mitarbeiter Nummer drei", wie er sagt, führte er den Energydrink in Südamerika ein, immer stolz darauf, kaum vier, fünf Stunden Schlaf zu brauchen.

Doch irgendwann vor zweieinhalb Jahren reifte in dem damals 50-jährigen Functional-Food-Experten die Erkenntnis, dass so ein Lebensstil doch ein wenig an der Substanz zehrt. Und er kam drauf, dass in der Geschäftswelt Schlafmangel ein überaus verbreitetes Thema ist.

Ab da war zumindest eine neue Geschäftsidee geboren, die nun ihren vorläufigen Höhepunkt findet: Parallel in den USA und in Wien bringt Vriens den Schlafdrink "Snoooze" (mit drei o) auf den Markt. Seine neue Botschaft: "Ohne ausreichend Schlaf funktioniert gar nichts. Es ist die Basis für alle anderen Gesundheitsfunktionen. Pillen haben Nebenwirkungen oder sind zu gering dosiert. Aber einem Schlummertrunk kann niemand widerstehen."

Anti-Red-Bull

Das Grundrezept ist eine Mischung aus Quellwasser und Kräuteressenzen, denen allen in der einen oder anderen Form Schlaf fördernde Wirkung zugeschrieben wird, eine Art Anti-Red-Bull aus einer Kombination von Passionsblume, Zitronenmelisse, Hopfen, Lindenblüten, Kalifornischem Mohn. Und vor allem Baldrian in einer Konzentration von 1.000 (regular) bis 1.200 (strong) Milligramm, ein Vielfaches sonst üblicher Dosierungen, aber knapp unter den Grenzen des Arzneimittelgesetzes.

Leicht möglich, dass Vriens damit tatsächlich ein latentes Bedürfnis in manifeste Nachfrage umwandeln kann. Denn Schlafschwierigkeiten sind ein Problem, glaubt man den Studien und Umfragen, die es zuhauf gibt. 44 Prozent der Österreicher schlafen zu wenig, ließ Vriens selbst erheben. 52 Prozent können regelmäßig nicht einschlafen, 64 nicht durchschlafen. Dabei hat das fatale Folgen - gesundheitlich für den Einzelnen und volkswirtschaftlich für die Allgemeinheit.

Die Studie der Denkfabrik Rand Europe kam 2016 zu dem Ergebnis, dass Müdigkeit die deutsche Wirtschaft jedes Jahr 57 Milliarden Euro kostet. Plausibel, meint auch Umweltmediziner Hans-Peter Hutter:"Wegen Leistungsminderung, Fehleranfälligkeit und deutlich mehr Krankenstandstagen." Umgekehrt liegen die Benefits auf der Hand: Ausreichend Schlaf macht nicht nur gesund, sondern auch schön. Und die Wirtschaft spart sich Milliarden.

Die üblichen Schlaftabletten sind umstritten ob ihrer Nebenwirkungen und Suchtpotenzial. Die Verabreichungsform als Pille schreckt überhaupt viele ab. Und viele Hausmittel haben meist nicht einmal einen Placeboeffekt. Auch Snoooze verleiht keine Flügel, aber süße Träume.

Marketingexperte, der er ist, hat Vriens, mittlerweile in Mondsee ansässig, auch die Gebinde ansprechend gestaltet. Die Ennstaler Molkerei füllt das Gebräu in einer Dose aus Karton ab, der Werkstoff nimmt der Form das Zwanghafte. Der Vertrieb soll in vier Stufen anlaufen - zuerst via Amazon, dann in Hotels (Geschäftsleute), schließlich über Apotheken und dann Drogeriemärkte.

Allerdings: Sollte der Marktstart gelingen und Snoooze ein Welthit werden wie Red Bull, ist es mit der neuen Ruhe für Vriens wohl rasch wieder vorbei.

SNOOOZE VERTRIEBS GMBH

  • Gründung: 2017
  • Sitz: Mondsee, Salzburg
  • Eigentümer: Hans P. Vriens, Döhler Natural Food & Beverage Ingredients
  • Getränkeabfüller: Ennstal Milch
  • Produktinhalt: Extrakte aus Passionsblume, Zitronenmelisse, Hopfen, Lindenblüten, Kalifornischem Mohn, Baldrian. Quellwasser. Keine Nebenwirkungen.

Der Artikel ist der trend-Ausgabe 1-3/2018 vom 19. Jänner 2018 entnommen.

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