Verdächtige Abgaswerte auch bei Fiat Chrysler

Wegen auffälliger Abgaswerte bei Modellen des Autokonzerns Fiat Chrysler schaltet das deutsche Verkehrsministerium jetzt die italienischen Behörden für weitere Konsequenzen ein.

Verdächtige Abgaswerte auch bei Fiat Chrysler

Das Deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den zuständigen italienischen Typzulassungsbehörden und der EU-Kommission Abgas-Messergebnisse verschiedener Fiat-Modelle übermittelt. Die Behörden wurden aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Konkret geht es um den Verdacht, dass die Abgasreinigung bei einigen Fiat-Modellen nach einer bestimmten Zeit heruntergeregelt wird. In Prüfungen des KBA zeige sich, dass dies jeweils nach 22 Minuten geschehe - Abgastests dauern im Schnitt 20 Minuten. Damit sei "ein hinreichender Nachweis einer unzulässigen Abschalteinrichtung" erbracht, heiße es in einem Bericht des KBA. Fiat Chrysler teilte auf Anfrage der Zeitung mit, man gebe zu diesem Themenkomplex öffentlich keine Stellungnahme ab.

Einen Termin mit der von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) infolge des VW-Abgas-Skandals eingesetzten Untersuchungskommission hatte Fiat Chrysler am vergangenen Donnerstag platzen lassen. Fiat habe in einem Anwaltsschreiben mitgeteilt, allein italienische Behörden seien für die Frage zuständig, ob Fiat-Fahrzeuge die europarechtlichen Abgas-Vorschriften einhalten, hieß es. "Dieses unkooperative Verhalten von Fiat ist völlig unverständlich", hatte Dobrindt kritisiert. Es gebe Zweifel, ob die Vorschriften zur Typgenehmigung eingehalten worden seien. Bei einem Widerruf der Typgenehmigung droht ein Verkaufsstopp für die betroffene Modelle.

Autohersteller unter Druck

Weite Teile der Autobranche stehen derzeit wegen erhöhter Abgaswerte unter Druck. Auslöser war der Abgasskandal bei VW. Volkswagen hatte mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Ein Gericht hat im Fall VW erstmals einen Autohändler dazu verpflichtet, das manipulierte Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten. Das Urteil des Landgerichts München ist laut "Stern TV" am vergangenen Dienstag ergangen. Es handle sich um einen Seat, dessen Motor mit der Betrugssoftware ausgestattet sei. Geklagt hatte ein Ehepaar aus München.

Volkswagen bestätigte am Wochenende das Urteil. Der Händler werde in Absprache mit dem Konzern Berufung einlegen, hieß es. Entscheidungen anderer Gerichte legten nahe, dass es für die Besitzer der Autos zumutbar sei, die Umrüstung abzuwarten. Die Fahrzeuge könnten bis dahin ohne Einschränkungen im Straßenverkehr genutzt werden. Laut Volkswagen sind deutschlandweit bisher neun Urteile zur Thematik ergangen. Acht unterschiedliche Landgerichte hätten die Klagen der Autobesitzer abgewiesen. Nur das Landgericht München habe in erster Instanz der Klage gegen einen Händler stattgegeben.

Es stehen weitere Entscheidungen an. Am Landgericht Braunschweig sind im Zuge des Abgas-Skandals bisher 46 Klagen von Autobesitzern eingereicht worden. Am 24. Mai soll es ein Urteil im Prozess eines Audi-Besitzers gegen ein Autohaus geben.

Die Grünen im Bundestag forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, ihrem Verkehrsminister die Aufsicht über die Abgas-Tests zu entziehen. Dobrindt sei "hoffnungslos überfordert", sagte Verkehrsexperte Oliver Krischer. Die Autoindustrie tanze ihm auf der Nase herum. Die Problematik sei besser bei Umweltministerin Barabara Hendricks und dem Umweltbundesamt aufgehoben.

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