Verbund: Mit Rekordgewinn Erneuerbaren-Ausbau vorantreiben

Der Verbund hat 2021 dank der gestiegenen Strom-Großhandelspreise einen kräftigen Gewinnanstieg erzielt - und will den 2022 nochmals übertreffen. CEO Michael Strugl will massiv in den Erneuerbaren-Ausbau investieren.

Michael Strugl, CEO Verbund

Verbund peilt 2022 noch mehr Gewinn als 2021 an

Der Verbund-Konzern könnte wegen der enorm gestiegenen Strom-Großhandelspreise heuer einen Rekordnettogewinn von bis zu zwei Milliarden Euro einfahren, wovon durch die Dividende auch Haupteigentümer Republik Österreich profitieren würde. Schon voriges Jahr verdiente man etwa 40 Prozent mehr und erhöht die Ausschüttung. Als Konsequenz aus dem Ukraine-Krieg will Österreichs größter Stromkonzern den Erneuerbaren-Ausbau beschleunigen, durch eigene Investitionen und auch Zukäufe.

"Wir müssen alles tun, um weniger von fossilen Energieimporten abhängig sein", sagte Verbund-Chef Michael Strugl im Bilanzpressegespräch. Es gebe daher keine Alternative zu einem beschleunigten Erneuerbaren-Ausbau. "Wir wollen massiv in diesen Ausbau investieren, brauchen aber die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür. Wir wollen noch schneller machen, brauchen aber die Hilfe der Politik und der Behörden."

Gesetze verhindern günstigere Strompreise

"Wegen der hohen Strom-Großhandelspreise darf der Verbund seinen Kunden die Elektrizität gar nicht billiger verkaufen, auch wenn man sie selbst günstiger produziert", betonte Strugl und verwies auf das Wettbewerbs- und Kartellrecht sowie das Aktiengesetz. Für die diskutierten Möglichkeiten zum weiteren Abfedern der hohen Energiekosten würde Strugl Direktzuschüsse bzw. Entlastungen bei den Abgaben präferieren.

Durch die seit einigen Jahren auf Österreich beschränkte Stromhandelszone, die früher mit Deutschland gemeinsam bestand, seien die wettbewerbs- und kartellrechtlichen Sensitivitäten noch ausgeprägter geworden. Um rechtskonform vorzugehen, müsse man eine marktbasierte Preisbildung vornehmen, um nicht gegenüber anderen Marktteilnehmern einen potenziellen Missbrauchstatbestand zu setzen, erläuterte Strugl.

Im Falle von "Kampfpreisen" wäre man sofort mit einer Wettbewerbsklage konfrontiert. Auch konzernintern müsse man dementsprechend handeln, sonst könne das als verdeckte Einlagenrückgewähr gewertet werden. Zudem verpflichte das Aktiengesetz den Vorstand, kaufmännisch vorzugehen, um nicht einen Untreuevorwurf zu rechtfertigen.

"Die erhöhten Beschaffungspreise, zu denen wir uns auch intern beschaffen müssen, haben wir bisher noch nicht weitergegeben." Das werde man nun mit 1. Mai tun, erinnerte er - später als andere. Dann steigen die Verbund-Strom- und -Gastarife für die 530.000 Endkunden (Haushalt und Gewerbe). Für Endverbraucher erhöhen sich die monatlichen Energiekosten bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh Strom im Schnitt um rund 21 Euro, bei einer Menge von 15.000 kWh Gas um ca. 75 Euro

Die Jahresbilanz 2021

2021 wuchs das operative EBITDA des Verbund um 22,1 Prozent auf 1,579 Mrd. Euro, und der Nettogewinn kletterte um 38,3 Prozent auf 874 Mio. Euro. Entsprechend kräftig soll die Dividende angehoben werden, von 75 Cent je Aktie auf 1,05 Euro pro Anteilsschein. 2022 soll das EBITDA zwischen 2,6 Mrd. und 3,5 Mrd. Euro liegen, der Nettogewinn bei 1,4 bis 2,0 Mrd. Euro. Bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis 2022 von erwarteten 1,34 bis 1,94 Mrd. Euro sollen 45 bis 55 Prozent ausgeschüttet werden, für 2021 errechnen sich 45,7 Prozent. Die Umsatzerlöse wuchsen voriges Jahr um 38,5 Prozent auf 4,777 Mrd. Euro. Ende 2021 hatte der Verbund 450.000 Strom- und 80.000 Erdgaskunden.

Die extrem hohen Strom-Großhandelspreise binden erhebliche Geldmittel des Konzerns. Grund dafür sind Sicherheitsleistungen, die für offene Positionen bei Börse-Handelsgeschäften in Cash zu erlegen sind. Auch wenn man diese Beträge nach Abschluss der Deals zurückbekommt, sind enorme Liquiditätszahlungen zu leisten.

Zu den Ökostromkosten habe die Regierung durch deren Wegfall für heuer schon für eine wesentliche Entlastung gesorgt, wodurch von Dezember auf Jänner die Stromkosten sogar gesunken seien. Samt den 600 Mio. Euro ergebe sich das bekannte Entlastungsvolumen von 1,7 Mrd. Euro. Markteingriffe dagegen lehne er ab, die seien sehr kritisch zu sehen - ebenso Sondersteuern, so Strugl

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