Verbund-Chef Anzengruber: "Bereit für Veränderung"

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber und Deloitte-Experte Gerhard Marterbauer diskutieren über eine neue Studie, neue Kundenbedürfnisse und Geschäftsmodelle.

Verbund-Chef Anzengruber: "Bereit für Veränderung"

Gerhard Marterbauer (l.), Deloitte, und Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber.

FORMAT: Eine soeben veröffentlichte Deloitte-Studie erklärt, im Jahr 2020 wird die Energiewelt eine andere sein. Warum?
Gerhard Marterbauer : Für die Studie haben wir 1.000 österreichische Energiekunden nach ihren Bedürfnissen und Erwartungen befragt. Und da gab es einige überraschende Erkenntnisse: etwa den großen Wunsch nach Vergleichbarkeit des Stromverbrauchs und das Interesse daran, selbst Strom zu erzeugen. Nun gilt es, Produkte zu entwickeln, die die Kunden haben wollen. Durch die Veränderungen in den vergangenen Jahren - Stichwort Energiewende - müssen die Versorger ohnehin Umstellungen vornehmen.
Wolfgang Anzengruber: Was überrascht hat, ist, dass die Älteren in der Bevölkerung sehr aufgeschlossen sind. Das hätten wir vor allem den jüngeren IT-Affi nen zugeschrieben. Früher war der Zugang der Energieversorger so: Einmal im Jahr wurde eine Stromrechnung geschickt, das war es. Jetzt ist mehr Information, zeitnahe Information, ein großes Thema. Die Studie zeigt uns, der Kunde ist bereit für Veränderungen.

Welche sind die wirklich großen Veränderungen, die sich nun anbahnen?
Marterbauer : 75 Prozent der Österreicher wollen selbst Strom erzeugen. Das ist ein sehr hoher Wert. 90 Prozent möchten mit erneuerbaren Energieträgern heizen. 73 Prozent wollen Elektroautos beziehungsweise Fahrzeuge mit Hybridantrieb. Consumer werden zu Prosumern, also Produzenten und Konsumenten in einem.
Anzengruber: Es ändert sich dadurch viel, auch die Geschäftsmodelle der Energieversorger. Das heißt nicht, dass alles Altbewährte den Bach hinunter geht, sondern nur, dass es anders wird. Wir werden noch länger größere Diskrepanz zwischen den Wünschen nach Eigenerzeugung und der Realität sehen. Denn in Städten wird es nicht so einfach sein, seine eigene Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu stellen. Dass einer sagt, ich erzeuge mir meinen Strom selber, ist nicht immer hundert Prozent wirtschaftlich, aber ein Statement. Und es wird noch mehr Lifestyle werden. Spannend finde ich auch, die große Bereitschaft der Konsumenten, ihre Mobilität zu verändern.

73 Prozent der Österreicher sagen, sie wollen in fünf Jahren mit alternativen Antrieben unterwegs sein. Halten Sie das für realistisch?
Anzengruber: Ich halte es für realistisch, dass sie es wollen. Es ist immer zuerst das Wollen, dann das Realisieren. Sobald es eine sinnvolle Reichweite gibt, sinnvolle Infrastruktur und einen sinnvollen Preis, wird das auch umgesetzt. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der ein Elektroauto hatte und wieder auf Benzin oder Diesel umsteigen wollte.
Marterbauer: Nicht zuletzt durch China dürfte der Druck auf die deutschen Autohersteller bald so groß sein, dass hier leistbare Modelle auf den Markt kommen. Ein kleiner Puzzlestein, der diesen Trend zu E-Fahrzeugen unterstützt, ist auch die Steuerreform in Österreich, die ab dem kommenden Jahr Elektroautos in Betriebsflotten steuerlich besserstellt. Das kann bei gut verdienenden Mitarbeitern bis zu 5.000 Euro im Jahr ausmachen.

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Zu den Personen

Wolfgang Anzengruber, 59, ist seit dem Jahr 2009 CEO des Energiekonzerns Verbund. Zuvor war der gebürtige Oberösterreicher unter anderem Chef des Salzburger Kranherstellers Palfinger.

Gerhard Marterbauer, 52, ist Partner bei Deloitte und leitet die Industry Line Energy &Resources. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

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