Verbrauchergemeinschaften sollen Strom für Eigenbedarf erzeugen

Forscher sehen Energiegemeinschaften als wichtigen Antreiber der Energiewende, um CO2-Emissionen zu reduzieren.

Verbrauchergemeinschaften sollen Strom für Eigenbedarf erzeugen

Wien. Von heutigen Kunden soll vermehrt Strom in Energiegemeinschaften selbst produziert, gespeichert und lokal wieder verbraucht werden, um die Energiewende voranzutreiben, erklärten Experten am Donnerstag vor Journalisten. Damit solche entstehen, braucht es Bauträger oder Energieerzeuger, die "das Ganze kräftig anschieben", und klimabewusste Technikfreaks, die mitmachen, berichten sie nach einer Untersuchung von 80 Pilotprojekten in Europa, wie etwa in Wien und Steyr (OÖ).

In solchen Projekten soll Elektrizität von den Mietern oder Eigentümern eines Wohnviertels etwa durch Solaranlagen dezentral produziert und gemeinschaftlich genutzt werden, zum Beispiel für den Strombedarf in den Häusern, Wärmeerzeugung und Elektroautos, erklärte Hans-Martin Neumann vom Center for Energy des Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien. Damit würde man CO2-Emissionen vermeiden.

Energiegemeinschaften würden in Zukunft eine wesentliche Rolle dabei spielen, möglichst viel erneuerbare Energie ins System zu bringen, damit die "Saubere Energie für alle Europäer"-Richtlinien der EU-Kommission erfüllt werden können, erklärte Wolfgang Hribernik, der ebenfalls am AIT-Center for Energy arbeitet: "Diese sollten demnächst in Österreich im Erneuerbare Energie-Gesetz umgesetzt werden".

So wie heute Informationen im Internet in großem Ausmaß von den Benutzern generiert werden, wird auch die Elektrizität in Zukunft von heutigen "Nur-Konsumenten" produziert werden, sagte Michael Strebl von Wien Energie. Dadurch würde sich nicht nur die technische Effizienz steigern, sondern auch das Bewusstsein der Benutzer, weil es sich auf einmal um "ihr Netz und ihren Strom" handelt, meint er.

Solche Projekte kommen nun auch in Österreich zur Umsetzung, erklärte Neumann: In Wien gibt es im 2. Gemeindebezirk nahe des Praters ein "Quartierstrom"-Projekt namens "Viertel Zwei", wo mehr als 100 Haushalte teilnehmen. In Steyr soll ein Energiegemeinschafts-Projekt einen Industrie- und Gewerbepark umfassen sowie Gebäude der Gemeinde (ein Kindergarten und ein Seniorenheim) und private Haushalte.

Die Forscher untersuchten bei den Projekten in Wien und Steyr, sowie in sieben anderen europäischen Städten, wer mitmacht, wer die Projekte antreibt, und was es für eine erfolgreiche Umsetzung braucht. Aufseiten der Konsumenten wären es vor allem technikaffine "Early Adopters" (Nutzer neuester technischer Errungenschaften), die - von ökologischen Motiven angetrieben - an solchen Projekten teilhaben, berichtete Neumann. Die Kosten dürften nicht höher sein als mit normalen Stromverträgen, müssten aber nicht zwingend niedriger sein.

Es bräuchte einen Bauträger, eine Energiegesellschaft oder im Ausnahmefall ein Forschungsinstitut, die solche Projekte aus Liebe zu neuen Ideen und um die Städte zu dekarbonisieren vom Anfang bis zum Ende anschieben, meint er.

Was sonst noch zur optimalen Konstellation dazugehört, würde sich erst mit der Zeit abzeichnen, erklärte Neumann. Es gäbe derzeit unterschiedliche Dienstleistungen, die von solchen Energiegemeinschaften angeboten werden, wie Strom, Wärme und Elektromobilität, unterschiedliche Organisationsmodelle wie Gesellschaften (GmbHs), Genossenschaften und Vereine, die Projekte werden manchmal vom Bauträger finanziert oder durch Leasingmodelle, und bedienen sich unterschiedlicher digitaler Zusatzfunktionen wie detaillierten Verbrauchsanzeigen und Energie-Austausch-Lösungen zwischen den Teilnehmern.

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