Vatikan: Chaos bei den Finanzen

 Vatikan: Chaos bei den Finanzen

Der Papst kämpft mit sinkenden Einnahmen, ausgabefreudigen Mitarbeitern und sinkende Einnahmen.

Der Papst verordnet seinem Staat eine Reform der Finanzen. Denn die Gottesleute geben nicht nur zu viel Geld aus, ihnen fehlt auch der Überblick über Einnahmen und Ausgaben. Die größten Probleme und warum es so schwierig ist unwillige oder unfähige Mitarbeiter los zu werden.

Dem katholischen Kirchenstaat, dem Vatikan, fehlt Geld. Deswegen trifft nun am Freitag der vatikanische Wirtschaftsrat zusammen, um sich über die Finanzen zu beraten. Der oberste Chef, Papst Franziskus, hat deshalb den Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, in seiner Funktion als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrates beauftragt sich mit den Chefs der unterschiedlichen Vatikanbehörden zu Finanzberatungen treffen. Franziskus habe ihn dazu beauftragt, schrieb das "Wall Street Journal" jüngst. Am Mittwoch bestätigte das vatikanische Presseamt das Treffen.

Vatikan hat keinen Überblick über die Finanzen
Bei der Sitzung könnte Marx die Dikasterienchefs erneut darauf einschwören, sparsamer zu wirtschaften. Die Schwierigkeiten beginnen damit, dass der Vatikan selbst nicht genau weiß, wie viel Einkommen, Vermögen und Ausgaben er hat. Seitdem im Frühjahr 2017 das vatikanische Presseamt letztmalig so etwas wie einen Finanzbericht vorgelegt hat - Eckdaten des Budgets von 2015 -, ist noch unklarer, wie genau es um die Vatikanfinanzen steht.

Heilige Stuhl: Behörde der Weltkirche kämpft mit roten Zahlen
Vor allem der Heilige Stuhl (die Leitungsbehörde der Weltkirche) kämpft tendenziell eher mit roten Zahlen. Der Zwergstaat Vatikan hingegen ist in den schwarzen Zahlen. Konkret: 2015 machte der Heilige Stuhl 12,4 Millionen Euro Verlust, während der Vatikanstaat ein Plus von knapp 60 Millionen meldete. Absolute Zahlen enthielten die Finanzübersichten ohnehin nicht. Aber sie gaben Anhaltspunkte.

Finanzbehörde ohne Chef – Wirtschaftssekretariat rennt gegen Gummiwände Das alles sollte mit der Kurienreform besser werden. Doch just die Finanzbehörden sind seit langem unterbesetzt. Dem Wirtschaftssekretariat, als Schlüsselressort für die Finanzen gedacht, fehlt seit dem Weggang des mittlerweile in Australien wegen Missbrauchs verurteilten Kardinals George Pell im Juli 2017 der Kopf. Den Posten des Generalrevisors hat Franziskus zwar im Jänner gestärkt, wieder besetzt hat er ihn aber nicht. Pell hatte als Leiter des Wirtschaftssekretariates versucht, sich bei allen Behörden ein klares Bild zu verschaffen, war aber gegen italienische Gummiwände gerannt und hatte sich viele Gegner verschafft.

Reform der Vatikan-Finanzaufsicht erfolgreich
Vergleichsweise gut lief hingegen die von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) begonnene Reform der sogenannten Vatikanbank IOR und der Finanzaufsicht AIF. Letztere ist allerdings nur für die Kontrolle etwaiger illegaler Aktivitäten zuständig. Das IOR hat etliche zweifelhafte Konten ausgemistet, seine Investmentpolitik ethisch überarbeitet, führte aber zuletzt deutlich weniger Gewinn an den Papst ab. Von 69,3 Millionen im Jahr 2014 halbierte er sich bis 2017 auf 31,9 Millionen, um 2018 abermals abzusacken - auf nur noch 17,5 Millionen Euro.

Der Vatikan hat ein Einnahmen-Problem Die Einnahmen sind das Problem für den Vatikan. Er zieht keine Steuern ein, sondern lebt von Spenden und Eintrittsgeldern. Allein die Vatikanischen Museen kassieren jährlich einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Allerdings werden die Museen in dieser Hinsicht mehr "gemolken" als ihnen gut tut. Die amerikanischen "Patrons of the Arts in the Vatican Museums" veranlasste dies dazu, ihre Spendengelder runterzufahren.

Mit Spenden Budgetlöcher gestopft?
Beim Heiligen Stuhl kommen die Spenden vor allem aus der jährlichen weltweiten Kollekte für den Papst, dem "Peterspfennig", sowie aus freiwilligen Überweisungen von Diözesen, etwa aus USA, Deutschland, Italien und Polen. Wegen des Missbrauchsskandals haben Spenden aus USA deutlich nachgelassen. Hinzu kommt Kritik an römischem Missmanagement, das etwa mit Spenden Budgetlöcher kirchlicher Krankenhäuser stopfte. Missmanagement ist aber auch die Vermietung teils erstklassiger Immobilien weit unter Wert.

Sture Behörden: Externe Berater werden abgelehnt
Um die Personalkosten zu reduzieren, werden seit 2017 frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt und Beschäftigungsverhältnisse auf zehn Jahre begrenzt, damit keine Pensionsansprüche entstehen. Dies hat einiges bewirkt, reicht bilanztechnisch aber nicht aus. Gegen externe Berater, die Arbeitsabläufe und Kostenstrukturen prüfen, gebe es in einigen Behörden anhaltenden Widerstand, berichten Angestellte.

Unfähig? Unwillig? Entlassungen machen sich für einen Papst nicht gut Auf die Frage, ob der Papst nicht einfach durchgreifen könne, antworten Vatikankenner mit dem Bonmot eines Vorgänger-Papstes: "Meine Macht reicht von meinem Schreibtisch bis zur Tür." Ab dort sei er auf den guten Willen seiner Mitarbeiter angewiesen. Unfähige oder Unwillige zu entlassen, macht sich für einen christlichen Arbeitgeber nicht gut.

Für gute Leute fehlt das Geld
Um bessere Leute anzuwerben, darunter mehr Nichtkleriker, wie vom Kardinalsrat empfohlen, fehlt dem Papst wiederum das Geld. Wer eine Familie zu ernähren hat, braucht mehr Gehalt als ein Priester; dieser wiederum ist von seinem Bischof leichter zu versetzen.

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