Vapiano: Italienisch für Anfänger und der hohe Preis der Expansion

Vapiano: Italienisch für Anfänger und der hohe Preis der Expansion

Vapiano geht langsam der Plan aus: Die Expansion hat Millionen verschlungen, der Chef seinen Hut genommen, die Kunden sind unzufrieden.

Die Restaurantkette Vapiano hat zuletzt auch in Österreich groß expandiert. Doch das Unternehmen steckt in der Krise, hat einen Verlust von über 100 Millionen Euro eingefahren, an der Börse über 80 Prozent an Wert und nun auch noch den Firmenchef verloren.

Mit Fast Food - oder besser Schnellküche - nach italienischem Muster hat sich die Restaurantkette Vapiano in den letzten Jahren auch in Österreich einen Platz in der Gastronomie erobert. Kern des Angebots sind Pasta-Gerichte auf Basis verschiedener Nudeln, frisch aufgekocht und mit Ingredienzien nach Wahl zubereitet. Dazu Pizza und Salate - fast wie man sich einen echten Italiener vorstellt.

Bald war Vapiano ein neuer Star in der Franchise-Systemgastronomie. 2017 erfolgte der Börsengang (ISIN DE000A0WMNK9) und die Expansion wurde weiter vorangetrieben. Alleine 2018 wurden über 30 neue Restaurants eröffnet. Das Unternehmen ist inzwischen in 33 Staaten präsent und betreibt insgesamt rund 230 Restaurants, den Großteil davon in Deutschland. In Österreich gibt es 17 Lokale, neun davon in Wien.

Nicht schnell genug

Doch der Appetit der Kunden konnte mit dem schnellen Wachstum nicht Schritt halten. Vapiano musste sich auch Kritik gefallen lassen, dass die Warteschlangen zu Stoßzeiten zu lang sind und dass die Zubereitung der Gerichte zu lange dauert. Was man beim "echten" Italiener gerne in Kauf nimmt schlägt sich in der Schnellküche auch schnell auf den Magen der Kunden.

Eine Ursache dafür wurde in dem vielfältigen Angebot ausgemacht. 49 verschiedene Gerichte hatte man dauerhaft auf der Karte plus 10 saisonale Gerichte, zudem konnte man unter elf verschiedenen Pastasorten wählen. Das sei zu viel, zumal das Bestellungen kompliziert mache, sagte Everke im Juni. Einen asiatischen Salat brauche man zum Beispiel künftig nicht mehr. Er kündigte an, die Menükarte bald zu verschlanken. "Wir müssen zurück zu den Wurzeln, also zur klassischen, ehrlichen italienischen Küche."

Hier bestellen: Hungrige Vapiano-Kunden klagten über zu lange Wartezeiten.

Finanzielle Probleme

Bei einem Umsatz von 372 Millionen Euro musste das Unternehmen im letzten Jahr einen Verlust von 101 Millionen Euro hinnehmen, was vor allem an hohen Abschreibungen und den durch die Expansion verursachten höheren Betriebskosten lag. Aber auch der auf die Verkaufsfläche umgelegte Umsatz ging zurück. Hinzu kamen Probleme beim Verkauf der sechs Filialen in den USA: Anfang des Jahres verkaufte Vapiano das US-Geschäft um 20 Millionen US-Dollar an einen kalifornischen Dienstleister. Doch der Käufer zahlte nicht. Man will nun einen neuen Käufer suchen.

Die Folge: Gleich dreimal hat Vapiano im Frühjahr die Vorlage des Jahresabschlusses verschoben und die Verschiebungen mit Verhandlungen über einen dringend benötigten Kredit in der Höhe von 30 Millionen Euro begründet. Erst Ende Mai kam eine verbindliche Kreditzusage von den finanzierenden Banken und den Großaktionären. Rund vier Wochen später gab es dann erst den Jahresabschluss.

Angesichts der Probleme nahm nun Firmenchef Cornelius Everke den Hut. Er führte persönliche Gründe an und wird das Unternehmen schon per Ende August 2019, nur 14 Tage nach seiner Rücktrittserklärung verlassen. Einen Nachfolger für den überraschend zurückgetretenen Everke gibt es naturgemäß noch nicht. Aufsichtsratschefin Vanessa Hall soll das Unternehmen nun interimistisch bis mindestens April 2020 führen. Der Fokus sollte sich wieder vor allem auf die Profitabilität richten und weniger auf eine möglichst umfassende globale Marktpräsenz.

Krisenstimmung vor der Hauptversammlung

Der Aufsichtsrat will in seiner nächsten Sitzung den Vertrag mit Finanzchef Lutz Scharpe für weitere drei Jahre bis Juni 2023 verlängern. Am 21. Auguust steht die Hauptversammlung in Köln auf dem Programm. Der Andrang wird groß sein, vor allem Kleinaktionäre dürften ihrem Ärger Luft machen. Sie haben bereits den Großteil ihres Investments verloren. Die Vapiano-Aktie ist im Keller, seit dem Börsenstart 2017 hat sie mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren. Auch der Sanierungskurs von Everke konnte daran nichts ändern. Das dürfte auch den Großaktionären, den Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz sowie der Wella-Erbin Gisa Sander, wenig gefallen haben.

In der Vapiano-Mitteilung zur Lage heißt es, Everke sehe das Unternehmen "in der derzeitigen Phase des strategischen Übergangs gut aufgestellt". Er sei zugleich aber zu der Erkenntnis gelangt, dass er seine Erfahrung und Kompetenz aus persönlichen Gründen "auf absehbare Zeit nicht im geplanten Umfang zum Wohle der Gesellschaft einbringen kann".

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