USA schwören auf Waren "Made in Austria"

Waren aus Österreich sind begehrt - vor allem in Deutschland und den USA. Nach Übersee konnte die Handelsbilanz heuer die stärksten Zuwächse verzeichnen. Erstmals seit 2008 sind Importe und Exporte fast ausgeglichen. Eingebrochen sind hingegen die Ausfuhren nach Russland.

USA schwören auf Waren "Made in Austria"

Container am Hafen im kalifornischen San Pedro. Die Ausfuhren in die USA zogen um 19 Prozent an.

"Wir gehen dorthin wo die Musik spielt", stellt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft in der WKÖ die Direktive klar. Diese spielt, den aktuellen Zahlen zufolge, vorrangig immer noch in Europa. Aber in Amerika winken zweistellige Wachstumsraten und ein anziehender Konsummarkt. Das Freihandelsabkommen TTIP könnte dem weiter Vorschub leisten. "Ich sehe TTIP positiv", so Koren. Voraussetzung sei die Einhaltung der bisherigen, in Europa vorherrschenden Standards.

Mit der historischen Zinswende der US-Notenbank Fed - sie hat nach beinahe einem Jahrzehnt am Mittwoch die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöht - steigen die Chancen für heimische Exporteure, in der USA mehr als bisher abzusetzen. Laut Koren könnten österreichische Firmen mit den in Paris ausverhandelten Klimazielen am amerikanischen Kontinent punkten. In den Bereichen Umwelttechnologien, erneuerbare Energien und Energieeffizienz sei Österreich "stark aufgestellt", betonte er. Die USA hingegen steckten bei der Energieeffizienz "noch in den Kinderschuhen".

USA zweitwichtigster Exportmarkt

Die USA sind heuer mit 6,9 Mrd. Euro bis September 2015 und einem Plus von 19 Prozent zum zweitwichtigsten heimischen Exportmarkt nach Deutschland aufgestiegen. Schon im Vorjahr betrugen die Ausfuhren in die USA 7,7 Mrd. Euro (+10,1 Prozent). Auch ein künftig stärkerer Dollar bei einem schwachen Euro lassen die USA für heimische Exporteure zum Vorteil werden.

Das große Sorgenkind der Exportwirtschaft ist Russland. "Österreichs Exporteure leiden furchtbar", findet AWO-Chef Koren dramatische Worte. Die Zahlen sprechen für sich. Russland verzeichnet in den ersten drei Quartalen einen Exportrückgang von 39 Prozent. Russland, das tief in der Rezession steckt, nagt damit schwer an den Exporteuren. Die Fleischexporte nach Russland sind auf Null zurückgegangen, die Lebensmittelausfuhren sind von 187 Mio. Euro auf 81 Mio. Euro geplumpst. Obst und Gemüse-Importe nach Russland sind nach wie vor von den EU-Sanktionen betroffen. Die Maschinenexporteure wiederum leiden unter dem Rubelverfall und den schwachen Investitionen. Auch erschwerte Finanztransaktionen machen den Handel mit Russland nicht eben einfacher. Dementsprechend ist Russland von der 11. auf die 15. Stelle in der Länderbedeutung für die heimische Exportwirtschaft abgerutscht. Aber auch das Ukraine-und Weißrussland-Geschäft ist ähnlich negativ.

Erstmals 130-Milliarden-Euro-Marke geknackt

Mit hochgerechnet 131,4 Mrd. Euro an Warenexporten und 131,8 Mrd. Euro an Importen für 2015 hat Österreichs Außenhandel erstmals die 130-Milliarden-Marke überschritten. Insgesamt sollen heimische Exporte im nächsten Jahr weiter wachsen, und zwar um über 4 Prozent, so die Prognose der AWO. Gleiches gelte für 2017. Bei den Importen wird 2016 ebenfalls eine Zunahme von 4 Prozent erwartet. Damit würde die heimische Handelsbilanz im nächsten Jahr de facto ins Plus drehen. Auch Dienstleistungsexporte in Höhe von mehr als 50 Mrd. haben daran einen wesentlichen Anteil.

Die "Europa-Lastigkeit" der heimischen Exportwirtschaft bleibt aber mit rund 80 Prozent bestehen (knapp 69 Prozent in den EU-Raum). Wobei Deutschland mit rund 30 Prozent Anteil an den Gesamtexporten und 29,5 Mrd. Euro an Exportvolumen (Jänner bis September) immer noch der Hauptabsatzmarkt für heimische Unternehmen bleibt. Tschechien und Polen haben sich mit 6,3 Prozent bzw. 12,3 Prozent Exportplus und kräftigem Wachstum in die vorderen Ränge für österreichische Exporteure katapultiert. Aber auch Schweiz und Großbritannien sind "guter Boden" für heimische Waren und Dienstleistungen.

Koren zufolge sollten hinkünftig die Überseeregionen, neben USA und Kanada vor allem Asien und China, auf keinen Fall aus den Augen gelassen werden. Asien hat im Zeitraum 2000 bis 2014 ein Exportplus von über 190 Prozent eingebracht, gefolgt vom amerikanischen Kontinent mit mehr als 131 Prozent. Im Gesamtvergleich ist der Exportanteil nach Übersee mit 21 Prozent aber immer noch zu gering.

Wenn die Lage in der Krisenregion Naher Osten aber weiter eskaliert, könnte sich alle positiven Impulse, die die Weltwirtschaft antreiben und endlich ein "robustes Wachstum" versprechen, in Luft auflösen.

Michael Ludwig

Lockdown: Wien setzt auf Öffnung in kleinen Schritten

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig geht in seiner Corona-Politik weiter …

Klimaneutraler Stahl: Voestalpine gibt den Takt vor

Die voestalpine hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutralen Stahl …

Berhard Weinhofer, CEO Creditreform

KMU-Befragung: Optimismus macht sich beit

Unter den heimischen Klein- und Mittelbetrieben macht sich trotz der …

WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz

WKO-Vizepräsidentin: "Lockdown wie versprochen beenden"

Martha Schultz, Vizepräsidentin der Bundeswirtschaftskammer, appelliert …