US Wirtschaft - Gewinner und Verlierer unter Präsident Trump

US Wirtschaft - Gewinner und Verlierer unter Präsident Trump

Präsident Donald Trump wird einen anderen Kurs einschlagen als sein Vorgänger Barack Obama.

Seit Donald Trump die US-Wahl gewonnen hat, folgt eine Überraschung scheinbar nahtlos auf die nächste. Sein Wahlsieg selbst war ebenso unerwartet wie die Reaktion der Finanzmärkte auf diesen Sieg. Die Börse reagierte nämlich nicht verschreckt, sondern vielmehr euphorisch auf das Ergebnis.

Der aggressive Stil, den Donald Trump im Wahlkampf an den Tag legte, ließ Analysten vor den Wahlen in den USA befürchteten, dass es große Verluste an den Börsen geben wird, wenn er zum Präsident gewählt wird. Doch die Finanzmärkte reagierten ganz anders. Auch der Dow Jones Index (US2605661048), und der Nasdaq 100 Index (US6311011026) an der US-Technologiebörse zogen an.

Donald Trump ist nicht nur bezüglich Auftreten und Rhetorik ein Novum, er ist auch der erste Immobilienunternehmer, der es ins Weiße Haus schafft. Die Tatsache, dass er sein Vermögen in der nicht gerade zimperlichen New Yorker Immobilienbranche aufgebaut hat, mag seinen aggressiven Stil ein Stück weit erklären, wenn natürlich auch nicht entschuldigen.

Was die einzelnen Branchen von einem Präsidenten Trump zu erwarten hätten, ist natürlich noch nicht abschließend zu sagen, aber ein paar Parameter kann man bereits abstecken.

Immobilien

Die Branche erwartet sich von einem der ihren als Präsident natürlich Vorteile. Dazu könnten Steuererleichterungen ebenso gehören wie all die neue Infrastruktur, die Trump bauen will. Bessere Straßen würden auch dem Immobiliensektor zugute kommen. Allerdings arbeiten in der Baubranche sehr viele Einwanderer, insofern kommt seine rigorose Haltung zu Migranten hier nicht gut an.

Das gilt übrigens auch für die Hotelbranche (Hilton US43300A1043, Marriott US57164Y1073), in der Trump ja auch tätig ist. Auch die kommt ohne Einwanderer, die in Jobs mit geringer Qualifikation arbeiten, nicht aus. Und eine Politik der Isolation könnte auch die internationalen Käufer von amerikanischen Luxus-Immobilien abschrecken. Trump muss hier auf die Tatsache Rücksicht nehmen, dass ausländische Käufer für das Top Segment des US-Immobilienmarkts unverzichtbar sind.

Rüstung

Trump will Armee und Marine Corps vergrößern, neue Schiffe für die Navy bauen und das Nukleararsenal modernisieren. Das hat den Rüstungsaktien (Lockheed US5398301094, BAE System GB0002634946, Raytheon US7551115071, General Dynamics US3695501086,) nach der Wahl eine satte Rallye beschert, zumal ja auch die beiden Kammern im Kongress in republikanischer Hand sind. Gleichzeitig sind die großen Rüstungskonzerne aber Teil jenes Establishments, gegen das Trump immer gewettert hat. Erste Schätzungen haben ergeben, dass seine Vorhaben rund 55 Milliarden Dollar kosten könnten, die Trump natürlich erst aufbringen müsste.

Energie (Öl und Kohle)

Trump steht der Förderung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen sehr viel freundlicher gegenüber als die Regierung Obama. Gleichzeitig sollten die Erzeuger von alternativen Energien mit wesentlich mehr Gegenwind zu rechnen haben, als das unter Hillary Clinton der Fall gewesen wäre. Noch nicht ganz klar ist, ob Trump für die Aktien der großen Ölkonzerne (ExxonMobil, US30231G1022; Chevron, US1667641005) mittelfristig gut oder schlecht ist. Einerseits haben sie in ihm sicher einen Verbündeten (mehr als in Obama!), andererseits wird er wohl die Ölförderung in den USA selbst forcieren, was eigentlich Druck auf den Ölpreis ausüben sollte.

Infrastruktur

Trump will die Infrastruktur der USA modernisieren (das war einer der wenigen Punkte, in denen er mit Hillary Clinton übereinstimmte), er will Autobahnen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Spitäler bauen. Das hat Aktien wie Caterpillar US1491231015 einen massiven Schub nach oben beschert, aber auch einige Rohstoffe (Industriemetalle wie Kupfer und Zink) beflügelt. Auch hier stellt sich die Frage der Kosten. Laut Goldman Sachs will Trump zwischen 500 und 1.000 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, Teile davon sollen allerdings von privater Seite aufgebracht werden.

Gesundheit

Die Aktien von Pharma- und Biotech-Unternehmen haben nach dem Sieg von Trump sofort profitiert, da sie unter Hillary Clinton wohl wesentlich mehr Beschränkungen hätten hinnehmen müssen (s. Deckelung der Medikamentenpreise). Die Spitalsbetreiber hingegen kamen unter Druck. Sollte Trump sein Vorhaben wahrmachen, das Gesundheitssystem von Obama (Obamacare) ganz oder teilweise aufzuheben, würden sie zu den Verlierern gehören. Gleichzeitig würde die Aufhebung von Obamacare in vielen Branchen (z.B. Immobilien und Hotels) die Kosten drücken, was sozialpolitisch natürlich problematisch ist, aus Sicht der Börse aber positiv aufgenommen wurde.

Medien

Zu den vielen Branchen, in den Trump aktiv war, gehören auch die Medien. Einerseits fühlt er sich von ihnen schwer benachteiligt und hat auch schon massiv mit Klagen gedroht, andererseits hat sein aggressives Auftreten für hohe Zuschauerzahlen gesorgt. Der Chef des TV Senders CBS fasste es so zusammen: „Trump ist wahrscheinlich schlecht für die USA, aber er ist super für die TV Sender!“

High Tech

Die im Silicon Valley konzentrierte High Tech Branche gehört wahrscheinlich zu denenBranchen, die Trump am stärksten ablehnen. Zu den kontroversiellen Themen gehört auch hier die Einwanderungspolitik, stützt sich die Tech Branche doch sehr stark auf die Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften. Gleichzeitig wird es wohl Konflikte bei der Frage geben, wie viel Einblick die Regierung in die Daten der Nutzer bekommt. Trump hat z.B. eindeutig Stellung gegen Apple (US0378331005) bezogen, als sich das Unternehmen geweigert hatte, das iPhone des Attentäters von San Bernardino zu knacken.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Folgen Sie der Autorin auf Twitter: @Monika_Rosen

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