US-Wirtschaft: Es dürfte noch viel schlimmer kommen

Fast doppelt so viele Arbeitslose als schon bisher und ein Wirtschaftseinbruch um 30 Prozent im zweiten Quartal. US-Notenbank-Chef Powell gibt einen düsteren Ausblick und sagt, wann es wieder bergauf gehen könnte und erteilt einem Wunsch von US-Präsidenten Donald Trump eine klare Absage.

US-Wirtschaft: Es dürfte noch viel schlimmer kommen

US-Notenbank-Präsident Jerome Powell zeichnet ein düsteres Bild der US-Konjunktur. Die US-Wirtschaft dürfte seiner Einschätzung nach im zweiten Quartal um bis zu 30 Prozent schrumpfen, so die Einschätzung der Notenbank Fed-Chefs Jerome Powell am Sonntagabend. Er hält es für gut möglich, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 20 bis 30 Prozent abnehme, so Powell in einem Interview des Fernsehsenders CBS. Es gibt sogar Ökonomen, die mit einem Einbruch um 40 Prozent rechnen.

Bald doppelt so viele Arbeitslose?
Powell erwartet, dass die Arbeitslosigkeit in die Nähe des Rekordhochs von 25 Prozent steigen könnte. In den letzten zwei Monaten haben bereits 36 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt. Die Arbeitslosenrate liegt bei 14,7 Prozent, die höchste seit der Weltwirtschaftskrise. Negative Vorzeichen dafür: Der Umsatz im Einzelhandel und in der Industrieproduktion sind im April in Rekordtempo eingebrochen. So haben US-Einzelhändler im März um 16,4 Prozent weniger eingenommen und Produktionsbetriebe stellten im April 13,7 Prozent weniger her als im Vormonat. Die Industrie trägt rund elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft bei.


Für eine komplette Erholung der Wirtschaft müssen die Menschen komplettes Vertrauen haben

Erholung langsamer als erhofft
Die Notenbank geht von einer längeren Phase der konjunkturellen Schwäche aus. Bei den US-Notenbankern setzt sich zunehmend die Überzeugung durch, dass sich die Erholung langsamer vollziehen dürfte als erhofft und bis zum Ende 2021 dauern. "Wahrscheinlich ist eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft nur mit einem Impfstoff zu schaffen", sagte Powell. Die meisten Amerikaner würden ihre bisher normalen Aktivitäten wie einkaufen, reisen, auswärts essen und sich in großen Gruppen treffen, Aktivitäten, die allesamt zum Wachstum der Wirtschaft beitragen, voraussichtlich erst dann wieder aufnehmen. „Für eine komplette Erholung der Wirtschaft müssen die Menschen komplettes Vertrauen haben“, sagte er.

Weitere 3.000 Milliarden für die Wirtschaft
Powell ließ in dem Interview mit dem US-Sender trotz des ohnehin schon ausufernden Haushaltsdefizits Sympathien für weitere fiskalische Maßnahmen erkennen. Zwar haben die Demokraten im Abgeordnetenhaus kürzlich einen Vorschlag für zusätzliche Maßnahmen in Höhe von 3.000 Milliarden Dollar vorgelegt und damit in etwa nochmal so viel wie bereits beschlossen. Trump gibt dem Vorstoß in der aktuellen Form jedoch keine Chance.

Keine Negativzinsen geplant
"Das eigentlich Erwähnenswerte ist jedoch laut einer Raiffeisen-Analyse die des Fed-Chefs aus diesen Prognosen abgeleiteten Schlussfolgerungen. "Negativzinsen sind demnach für die Fed keine Option", so Raiffeisen in ihrer aktuellen Einschätzung. Powell unterstrich die diesbezügliche Einigkeit innerhalb des Federal Open Market Committee (FOMCs), ein Komitee innerhalb des Federal Reserve Systems, das wichtige Entscheidungen über die Zinssätze und das Wachstum der Geldmenge in den USA trifft. Bereits vergangene Woche hatten sich einige FOMC-Mitglieder dahingehend geäußert. Die Notenbanker erteilen damit dem Wunsch US-Präsident Donald Trumps Negativzinsen einzuführen eine Absage.

Stetige Erholung im zweiten Halbjahr
Er sehe aber eine "gute Chance", dass es im dritten Quartal dann wieder eine Zunahme des Wachstums gebe. Unter der Annahme, dass es keine zweite Welle des Coronavirus gebe, rechne er mit einer stetigen Erholung im zweiten Halbjahr diesen Jahres, so Powell. Eine vollständige Erholung der US-Wirtschaft könnte bis Ende nächsten Jahres dauern, vorausgesetzt es gibt keine zweite Erkrankungswelle durch Coronainfizierte.

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