VW-Skandal: US-Umweltbehörden lehnen Rückrufplan ab

VW-Skandal: US-Umweltbehörden lehnen Rückrufplan ab

Das Urteil der US-Umweltbehörden: Rückrufplan für die Dieselautos ungenügend.

Volkswagen wieder unter Druck: In der Abgasaffäre bei Volkswagen halten die US-Umweltbehörden die bisher vorgelegten Vorschläge zum Rückruf der betroffenen Dieselautos für unzureichend. Die kalifornische Umweltbehörde CARB erklärte am Dienstag, der im November eingereichte Plan gehe nicht ausreichend auf die "Gesamtauswirkungen für Fahrverhalten, Emissionen und Sicherheit der Autos" ein. VW glaubt noch immer, dass die eingereichten Pläne und zuletzt geführten Gespräche ausreichen.

Washington. Rüffel für Volkswagen: Der Rückrufplan passt der US-Bundesumweltbehörde EPA sowie der kalifornische Umweltbehörde CARB nicht. Den Vorschlägen des deutschen Automobilriesen fehle es an "genug Informationen für eine technische Bewertung". Der Wolfsburger Konzern habe "keinen genehmigungsfähigen Rückrufplan" vorgelegt, um die beanstandeten Fahrzeuge in Einklang mit den Emissionsstandards zu bringen. Die Entscheidung sei dem Unternehmen mitgeteilt worden. VW-Chef Müller wird heute mit EPA-Chefin Gina McCarthy zusammentreffen. Laut EPA-Bericht geht es dabei um Autos mit Motoren von 2,0 Litern Hubraum.

Der Zeitpunkt der Mitteilung ist hochbrisant. Hatte EPA eigentlich noch zwei Tage Zeit seine Entscheidung zu den Plänen von VW bekannt zu geben. Dadurch hätte VW-Chef Müller beim Treffen mit EPA-Chefin McCarthy die Chance gehabt, die Regulierer zu besänftigen und zeitlichen Aufschub auszuhandeln. Volkswagen wird nun einen zweiten Anlauf starten müssen, um die Behörden mit einem neuen Lösungspaket zu überzeugen, zu dem auch der Rückkauf von mehr als 100.000 manipulierten Dieselfahrzeuge zählen könnte.

Nach der ersten Abfuhr durch CARB stehen die Gespräche zwischen Müller und McCarthy unter keinem guten Stern. Zumal die EPA, die den Skandal Mitte September ans Licht gebracht hatte, rasch deutlich machte, dass sie mit den Kollegen aus Kalifornien voll auf einer Linie liegt. "Die EPA stimmt mit CARB überein, dass Volkswagen keinen genehmigungsfähigen Rückrufplan vorgelegt hat", teilte das Umweltamt in Washington mit.

Volkswagen teilte dazu mit: "Die heutige Mitteilung bezieht sich auf die anfänglichen Rückrufpläne Volkswagens, die CARB im Dezember übermittelt wurden. Seither hatte Volkswagen konstruktive Gespräche mit CARB." Dazu gehöre auch ein Treffen aus der vergangenen Woche über den Rahmen für eine Beseitigung der Abgas-Affäre.

Müller hatte am Rande der Automesse in Detroit angekündigt, bei dem Treffen ein Paket mit "angemessenen technischen Lösungen" vorzulegen. Allerdings hatte der VW-Konzernchef mit einer ungeschickten Äußerung der EPA wohl zusätzliches Futter geliefert, um die Entscheidung zu den Reformplänen von VW schon heute und nicht erst am Donnerstag bekanntzugeben.

Druck auf Müller

Müller stellte in einem Interview den Abgas-Skandal als ein "technisches Problem" dar. Auf die Frage, ob es dabei nicht vor allem um eine moralische Verfehlung gehe, zeigte sich Müller irritiert. Müller weiter: "Wir hatten [...] nicht die richtige Auslegung der amerikanischen Gesetze." Der VW-Konzernchef verwahrte sich gegen den Vorwurf, der Konzern habe bei der Aufklärung auf Zeit gespielt und die Behörden mit ihrem Anliegen vertröstet. "Wir haben nicht gelogen", meinte Müller.

Durch eine "Defeat Device" genannte Betrugssoftware, die seit 2009 von VW installiert wurde, soll die Luftverpestung der Diesel in Wahrheit bis zu 40-fach höher sein als vorgetäuscht. Die spezielle Software ist in der Lage festzustellen, ob sich ein Auto im Normalbetrieb oder auf dem Prüfstand befindet. Die Abgasreinigung wird nur im Testmodus voll aktiviert.

Auch nach seinen ungeschickten Aussagen im US-Radio steigt der Druck auf Müller beträchtlich.

Trotz der für Anleger nicht gerade positiven Meldung der US-Umweltbehörde, hat der Kurs der Aktie am Mittwoch vorläufig kräftig weiterhin zulegen können. Die Vorzugsaktie von VW notierte kurz nach 10 Uhr am Mittwochvormittag mit einem Plus von rund drei Prozent. Bis kurz nach 11 Uhr ist das Kursplus auf 1,3 Prozent gesunken.


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Nach US-Ermittlungen hatte Volkswagen im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als auf der Straße.

In den USA geht es um etwa 580.000 Diesel-Autos, da auch größere VW-Modelle mit 3,0-Litermotoren betroffen sind. Wie das Lösungspaket, das den Aufsehern präsentiert werden soll, genau aussieht, ist noch unklar. Ebenfalls unklar ist, ob die Öffentlichkeit nach dem Treffen informiert wird. Müller will in Washington nach Angaben aus Konzernkreisen außerdem noch Gespräche mit Kongressabgeordneten führen.

Die US-Behörden hatten sich Donnerstag als Frist für eine Entscheidung über den Rückrufplan für die betroffenen Zwei-Liter-Dieselmotoren gesetzt, den VW im November eingereicht hatte. Anfang Februar muss der Konzern einen Rückrufplan für die Drei-Liter-Motoren vorlegen.

Schummeln und verstecken

In der Aussendung wird CARB-Chefin Mary Nichols mit den Worten zitiert: "Volkswagen hat die Entscheidung getroffen, bei Abgas-Tests zu schummeln und hat dann versucht, das zu verstecken. Sie haben weitergemacht und haben die Lüge noch verschlimmert, und als sie erwischt wurden, haben sie versucht, es zu leugnen." So seien tausende Tonnen Stickoxid in die Luft geblasen worden, die der Gesundheit der Menschen in Kalifornien geschadet hätten. "Sie müssen das wieder in Ordnung bringen", forderte Nichols an die Adresse von Volkswagen.

Brigitte Ederer

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