US-Strafzölle: Trumps Handelskrieg und die Kosten für Österreich

US-Strafzölle: Trumps Handelskrieg und die Kosten für Österreich

US-Präsident Donald Trump hält die Welt in Atem. Die Handelskonflikte der USA und die angedrohten oder teilweise bereits eingeführten Strafzölle bringen das weltweite Handelsgefüge durcheinander. Gabriel Felbermayr, Direktor des Centers for International Economics am ifo Institut und Junior Economist Marina Steininger haben untersucht, welche Kosten entstehen, wenn der Handelskonflikt eskaliert.

Globaler Handel könnte so einfach sein: Man exportiert das, was man am besten kann und womit man am meisten verdient. Was andere preiswerter anbieten, wird importiert. Und alle profitieren davon. US-Präsident Donald Trump verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Er will die USA, die für viele Staaten zu den bedeutendsten Handelspartnern gehört, vor Importen schützen, um die eigene Wirtschaft zu stärken. Der Ökonom Gabriel Felbermayr hat gemeinsam mit seiner Kollegin Marina Steininger untersucht, welche Folgen es für Österreich und die EU haben könnte, wenn der Handelskonflikt eskaliert.

Kurz zusammengefasst: Unter Berücksichtigung, dass die die EU Länder stark über Wertschöpfungsnetzwerke miteinander verbunden sind wären US-Zollerhöhungen für Österreich negativ und würden das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bremsen. Solange der Handelskonflikt im Stahl- und Aluminiumbereich bleibt, fallen die Verluste für Österreich mit rund 50 Millionen Euro eher bescheiden aus und die USA kann durch die steigenden Einnahmen sogar profitieren.

Wenn jedoch die Handelspartner sich mit Vergeltungszöllen kontern, werden alle leiden. Auch die USA müssen einen Rückgang des BIP hinnehmen, während die Verluste der Handelspartner tendenziell geringer ausfallen. Das globale BIP sinkt in allen Fällen, und umso stärker, wenn es zu Gegenmaßnahmen kommt. Im schlimmsten Fall, wenn auch Zölle auf Autos erhoben werden und sich die US Handelspartner mit Abgaben auf US Dienstleistungsimporte wehren, ist mit globalen Verlusten in der Höhe von 68 Milliarden Euro zu rechnen. Österreich käme den Berechnungen der Ökonomen mit BIP-Einbußen von circa 250 Millionen Euro (0,07 Prozent des BIP) noch relativ unbeschadet davon. Deutschland wäre etwa doppelt so stark betroffen

USA, der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs

6,8 Prozent des österreichischen Gesamtexports gingen laut neusten Berechnungen von Statistik Austria in die USA. Insgesamt wurden Waren im Wert von 9,7 Milliarden Euro in die USA exportiert.
Somit war die USA der zweitgrößte Abnehmer österreichischer Produkte im Jahr 2017. Im Vergleich zum Jahr davor ist der Exportanteil um 10,7 Prozent gestiegen, der Importanteil Österreichs aus
den USA ist mit 3,9 Prozent des Gesamtimports im Vergleich zu anderen Partnerländern nur auf Rang sechs.

Österreichs wichtigste Exportländer

Österreichs wichtigste Exportländer

Die US-Importe sind im Vergleich zum Vorjahr um 16,2 Prozent gestiegen und belaufen sich nun auf 5,8 Milliarden Euro.

20 Prozent aller österreichischen Produkte, die in die USA exportiert werden, stammen aus der KFZ-Branche stammen. Insgesamt machen diese Exporte 10,5 Prozent aller österreichischen KFZ-Exporte aus. Zölle könnten die KFZ-Industrie Österreichs empfindlich treffen. Die viel diskutierten Stahl- und Aluminiumzölle könnten 14 Prozent aller österreichischen Exporte (Grundmetalle und verarbeitete Metalle), die in die USA gehen, treffen. Allerdings sind nicht alle in diesen Branchen produzierte Produkte betroffen. Laut Felbermayr und Sandkamp würde es sich um ein Volumen von etwa 500 Millionen Euro handeln.

Drei Szenarien des Handelskriegs

  1. Handelskonflikt USA-China. Wenn Österreich und die EU gemeinsam mit einigen weiteren Ländern vom US-Protektionismus nicht betroffen sind, gilt das Sprichwort "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte". Durch den erhöhten Protektionismus zwischen den USA und betroffenen Ländern käme es zu Handelsumlenkung, durch die Österreich in geringem Ausmaß profitierten kann: Die einseitige Erhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium durch die USA würde für Österreich zu einem positiven Effekt auf das reale BIP in Höhe von 27 Millionen Euro führen. Falls die USA zusätzlich Zölle auf Elektronikimporte aus China einführen und sich China mit Zöllen auf US Agrarprodukte wehrt, dann steigt das österreichische reale BIP um 0,02 Prozent, also um 54 bis 56 Millionen Euro.
  2. Stahlkrieg, der auch Österreich und die anderen EU Staaten trifft. Im Fall einer einseitigen US-Zollerhöhung auf Stahlimporte würde sich das reale BIP Österreichs um 0,01 Prozent, also 46,3 Millionen Euro verringern, da nun auch die österreichische Industrie durch die Strafzölle im Stahl- und Aluminiumsektor betroffen ist. Falls die EU im Gegenzug Zölle auf US-Produkte einhebt, die dem Wert der durch Schutzzölle betroffenen EU-Stahlexporte in die USA entsprechen, würde Felbermayr und Sandkamps Berechnungen zufolge das BIP um weitere 1,6 Millionen Euro sinken. Wenn die EU zusätzlich Schutzzölle nach Artikel XIX GATT einsetzt, um sich vor erhöhten Importen von Stahl- und Aluminiumprodukten zu schützen, würde hingegen das österreichische reale BIP um 0,03 Prozent, also 118 Millionen Euro, da nun auch die EU Zolleinnahmen generieren kann. Wenn es aber so weit kommt, dass alle WTO-Länder Vergeltungszölle gegen die USA einführen, würde Österreichs reales BIP wieder um 39 Miollionen Euro sinken, da dadurch die Weltwirtschaft geschwächt wird und es zu einer geringeren Nachfrage nach Stahl und Aluminium kommt.
  3. Eskalation Die negativen Auswirkungen werden gravierender sobald sich der Zollkrieg auch auf weitere, wie Produktgruppen, wier etwa die Automobilindustrie ausdehnt. Bei einer unilateralen Zollerhöhung der USA auf die Stahl- und Automobilindustrie sinkt das reale BIP Österreichs um 238,5 Millionen Euro (-0,07 Prozent). Antwortet die EU mit Gegenmaßnahmen, die eine
    ähnliche Anzahl an US-Exporten treffen, kann Österreich durch die negativen Auswirkungen auf das Bruttohaushalteeinkommen auf ein Minus von 0,03 Prozent eindämmen. Wenn hingegen wieder sämtliche US-Partnerländer mit Gegenmaßnahmen kontern, würde Österreichs reales BIP wieder um 253 Millionen Euro sinken - das sind circa 0,07 Prozent.

EU-weit ähnliche Effekte

Im Durchschnitt ergeben sich für die EU28 ähnliche Effekte. Ein Handelskrieg, der die EU und die erwähnten Staaten ausnimmt führt zu positiven Effekten für die Länder. Bestenfalls könnte es in diesem Szenario zu einem Anstieg des realen EU-BIPs in Höhe von 1,6 Milliarden Euro kommen.

Eine unilaterale Erhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium durch die USA gegenüber allen Staaten ohne Ausnahmen und die Einführung von Gegenmaßnahmen der EU würden zu kleinen Einbußen im Millionenbereich führen. Maximal sinkt das reale BIP der EU28 um 509 Millionen. Euro. Doch wenn die EU Schutzzölle nach Artikel XIX GATT einführt, könnte es sogar zu einem Zuwachs des realen BIPs der EU in Höhe von 3,3 Milliarden. Euro kommen.

Deutschland würde hier mit einem Zugewinn von 1,5 Milliarden Euro als der Stahlkrieg-Sieger hervorgehen. Dieser Zugewinn schrumpft, sobald alle Partnerländer ihre Stahlzölle erhöhen. Der
positive reale BIP-Zuwachs der EU28 liegt bei 223 Millionen. Euro.

Problematischer wäre eine Eskalation: Sobald die USA auch auf die Automobilindustrie Schutzzölle erhebt, würde das reale BIP der EU um neun Milliarden Euro sinken. Am schwersten wäre davon Deutschland betroffen. Hochgerechnet würden von den Einbußen 5,1 Milliarden Euro auf Deutschland entfallen.

Wenn die EU Gegenmaßnahmen setzt kehrt sich der Effekt wieder um. Die EU würde dann mit 522 Millionen Euro profitieren - bis alle Partnerländer ähnliche Schritte setzen und damit die Weltwirtschaft einbremsen. Das EU-BIP würde in dem Fall um 6,3 Milliarden Euro sinken.

Auswirkungen auf Österreich

Die Summe der österreichischen Güter- und Dienstleistungsexporte macht fast 210 Milliarden Euro aus, das sind 59 Prozent des BIP. Die Importe betragen 194 Milliarden Euro (55 Prozent des BIP). Deutschland dominiert als Handelspartner nach wie vor (30 Prozent der Exporte), aber österreichische Komponenten finden über deutsche Konzerne auch ihren Platz in der Nachfrage dritter Länder.

Die Importe aus den USA würden in allen Szenarien zwischen 192 Millionen Euro und 15 Millionen Euro sinken. Die unilateralen US Zölle bewirken eine reale Aufwertung des US-Dollars. Anders gesagt: wenn die fundamentalen Gründe für das Handelsbilanzdefizit der USA nicht beseitigt werden, dann können Zölle für sich genommen keine Verringerung des Defizits herbeiführen. Gleichwohl erhöhen die Zölle das reale BIP in den USA, weil die reale Aufwertung die Austauschverhältnisse (terms-of-trade) für die USA verbessert. Der größte Rückgang des Handels ist wie erwähnt zu sehen, wenn die USA nicht nur die Stahlzölle, sondern auch die Zölle auf die Automobilindustrie erhöht.

Exporte aus Österreich (in Mrd. €)

Exporte aus Österreich (in Mrd. €)

Überraschend ist jedoch, dass Importe aus Deutschland in einem ähnlichen Ausmaß zurückgehen wie die amerikanischen. Die geschwächte Wirtschaftskraft Deutschlands und Österreichs hat unmittelbare Auswirkungen auf die bilaterale Handelsstruktur der beiden Partnerländer.

Die Analyse zeigt, dass die Österreichs Sektoren sehr unterschiedlich betroffen sein würden. Der Metallsektor wäre durch einseitige Stahl- und Aluminiumzölle negativ betroffen, auch wenn die EU
ausgenommen bliebe, weil die Weltmarktpreise für Stahl- und Aluminiumprodukte aufgrund der reduzierten Nachfrage der USA zurückgehen. Die Computerbranche, die stark in die asiatischen Wertschöpfungsnetzwerke eingebunden ist, würde leiden.

Wird der handelspolitische Konflikt auf den KFZ-Sektor ausgedehnt, so muss der heimische Fahrzeugsektor mit erheblichen Einbußen bei der Wertschöpfung rechnen, die sich auf bis zu 6 Prozent
erstrecken können. Gegenmaßnahmen der EU oder der anderen WTO-Mitglieder helfen hier wenig, auch wenn sie in anderen Branchen – Computer, einige Dienstleistungssektoren – Vorteile bringen.

Empfehlungen der Ökonomen

"Europa sollte also handeln, sonst könnte ein solches Vorgehen Schule machen", ziehen Felbermayr und Steininger den Schluss. Sie sehen die glaubwürdige Drohung mit Gegenzöllen als für die Aufrechterhaltung eines kooperativen Gleichgewichtes, bei dem jedes Land auf unilaterale Zölle verzichtet, unabdingbar. Allerdings - auch das zeige die Analyse - müsse die EU im Verbund mit den anderen WTO-Mitgliedern vorgehen.

Schließlich bleibt die Forderung nach einem transatlantischen Freihandelsabkommen. Ein solches sollte aber, wie die ifo-Ökonomen empfehlen, im Rahmen und auf Basis des WTO-Rechts verhandelt und abgeschlossen werden und nicht dem US-Ziel einer Unterminierung der multilateralen Ordnung Vorschub leisten.


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Prof. Gabriel Felbermayr , PhD, ist Direktor des Centers for International Economics am ifo Institut und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität München. Marina Steininger ist Junior Economist und Doktorandin am ifo Institut.

Die Langfassung der Analyse mit dem Titel "Was kostet der neue US-Protektionismus Österreich und die EU?" (17 Seiten) finden Sie hier zum Download

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