US-Schulden „Bereiten Sie die Rettungsboote vor“

US-Schulden „Bereiten Sie die Rettungsboote vor“

Noch dürfte der Strum nicht losgehen, aber Templeton rät schon mal das Hauptsegel einzuholen.

Matthias Hoppe, Vizepräsident und Fondsmanager von Franklin Templeton erklärt, warum die hohen US-Schulden für das Land und Anleger in US-Papiere zunehmend zur Bedrohung werden, mit welchen Reaktionen der Aktienmärkte der Fondsmanager rechnet und wie er sich positioniert.

Kann das gesund sein?

Der US-Schuldenberg ist inzwischen auf 19 Billionen Dollar angewachsen. Ausgeschrieben sind das 19.000.000.000.000 Dollar. Das würde, umgelegt auf jeden Amerikaner im Schnitt Schulden in Höhe von 58.000 Dollar bedeuten.

Schulden erhöhen nicht mehr die Produktivität, sondern senken sie

Das Verhältnis der Schulden außerhalb des US-Finanzsektors (also von Haushalten, Unternehmen und Regierungen auf Bundes- und Bundesstaatenebene) zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA ist 2015 auf den Rekordwert von 248 Prozent gestiegen, nach dem vorigen Rekord von 245% im Jahr 2009. Die Gesamtschulden einschließlich des Finanzsektors nahmen im vergangenen Jahr um rund zwei Billionen Dollar zu und damit 1,4 Billionen Dollar stärker als das nominale BIP. Damit stand das Verhältnis von Gesamtschulden zu BIP Ende 2015 bei 370 Prozent und somit deutlich über dem Niveau von 250 bis 300 Prozent. Ein Niveau ab dem Wirtschaftsforscher üblicherweise davon ausgehen, dass Schulden die Produktivität nicht mehr erhöhen, sondern drücken.

Ebenfalls bedenklich: Laut dem Ökonom Van Hoisington waren in den 45 Jahren bis zum Jahr 2000 rund 1,70 Dollar Schulden erforderlich, um in den USA 1 Dollar an BIP zu generieren. Seither sind jedoch für 1 Dollar BIP bereits durchschnittlich 3,30 Dollar Schulden nötig. Diese Zunahme zeigt: „Amerikanische Bürger und Unternehmen machen in ihren kollektiven Bilanzen zwar weiterhin fast alles zu Schulden, was sich irgendwie dafür eignet, doch die Rendite jedes geliehenen Dollars nimmt rapide ab“, erklärt Matthias Hoppe, Manager des Multi-Asset Mischfonds Franklin Diversified Fonds (ISIN: LU1147471145).

Der 4-Sterne-Fonds investiert seine Top-10-Positionen überwiegend in hausgeigene Fonds und ETFs (Indesfonds). Das bemerkenswerteste an dem Fonds ist das der das US-Exposure radikal heruntergefahren hat und nur noch rund drei Prozent beträgt. 80 Prozent sind in Europa investiert. 55 Prozent sind aktuell in Anleihen veranlagt, 40 in Aktien, 9 in Rohstofftitel.

Selbst wenn die Zinsen gesenkt werden, wird dieser Belastung bestehen bleiben. Schulden sind vor allem eine Belastung für die Zukunft. Denn das bedeutet nichts anderes als das Vorziehen künftiger Ausgaben. Hoppes Analyse: „Die Aussichten für das Wachstum in den USA ist nicht unbedingt rosig.“ Die hohe Verschuldung belastet die Wirtschaft und die damit verbundenen Fundamentaldaten. „Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Anleger ihre Portfolios entsprechend defensiv positionieren sollten“, so Hoppe.

Deutlicher Kurssturz erwartet

Die Strategie bei Aktien war bei Franklin Templeton zuletzt bereits weitgehend risikoavers. „Wir erwarten stark nachgebende Märkte“. Der Fondsmanager hat deshalb sich so aufgestellt, dass das Portfolio auch im Fall fallender Kurse profitiert. Zudem versucht Templeton mit Beta-Strategien das Risiko so zu gewichten, um auch von Rallys zu partizipieren. Doch die Vorsicht überwiegt: „ Wir empfiehlt die Rettungsboote zu untersuchen, vorzubereiten und das Hauptsegel zu bergen“, rät Hoppe.

Welche Anleihen gekauft werden

Bei Anleihen schichtet Hoppe auf australische Staatsanleihen um, die unter den Staatsanleihen der Industrieländer die höchste Rendite bieten. Zugekauft hat der Fondsmanager auch neuseeländische Staatsanleihen. Beide sind jedoch währungsgesichert. Überdies wurde eine bestehende Position in siebenjährigen mexikanischen, auf Euro lautenden Staatsanleihen ausgebaut, weil die Anleihe im Vergleich zu Staatsanleihen der Eurozone mit ähnlichem Rating einen beträchtlichen Renditevorteil bot.

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