US-Sanktionen: Huawei stellt sich auf harte Zeiten ein

Der chinesische Huawei-Konzern ist im ersten Halbjahr ungeachtet der Konflikte mit den USA deutlich gewachsen. Der Umsatz ist im Jahresvergleich um gut 23 Prozent gestiegen. Jetzt aber stellt sich das Unternehmen auf massive Belastungen ein.

US-Sanktionen: Huawei stellt sich auf harte Zeiten ein

Der chinesische Huawei-Konzern stellt sich auf harte Zeiten durch weitreichende US-Sanktionen ein. Huawei müsse im zweiten Halbjahr noch viele Löcher stopfen und dafür massiv investieren, erklärte Verwaltungsratschef Liang Hua ohne Angaben zu machen, wie stark das Geschäft bereits durch die US-Sanktionen beeinträchtigt wurde.

Huawei war von US-Präsident Donald Trump Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Damit wurde dem Unternehmen der Zugang zu Technologie von US-Konzernen und dem amerikanischen Markt weitgehend versperrt. Die Aussicht, dass Huawei-Smartphones keine Updates des Android-Betriebssystems von Google mehr bekommen, erschwerte auch die Verkäufe unter anderem in Europa. Die Android-Sperre wurde zunächst bis Ende August ausgesetzt.

Ungewisse Zukunft

Noch Huawei weiß nicht, ob die nächsten Top-Modelle seiner Smartphones mit Android und Zugang zu Google-Apps wie Maps oder GMail ausgeliefert werden können. Huawei wolle definitiv weiterhin Android nutzen, das hänge aber von der US-Regierung ab, sagte Liang Hua. Zugleich bekräftigte er, dass Huawei sich in der Lage sehe, ein alternatives Betriebssystem und eine eigene App-Infrastruktur zu etablieren.


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Dieses Betriebssystem basiert auf einer Software, die Huawei ursprünglich für vernetzte Geräte im sogenannten Internet der Dinge entworfen hatte. Es kann aber auch Smartphones antreiben - und Huawei geht davon aus, dass in Zukunft das Betriebssystem auf dem Smartphone an Bedeutung verlieren wird und viele Funktionen Cloud-Rechner in Kombination mit schnellen Netzen übernehmen werden. Man glaube nicht, dass auf Dauer ein separates Betriebssystem für Smartphones noch notwendig sei, sagte der Vizechef des Deutschland-Geschäfts, David Wang.

Erfreuliche Halbjahresbilanz

Huawei setzte im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben 118 Millionen Smartphones ab, um 24 Prozent mehr als im Jahr 2018. Das Wachstum dürfte zu einem großen Teil vom Heimatmarkt getragen worden sein. Nach Berechnungen der Analysefirma Canalys erreichte Huawei im zweiten Quartal in China einen Rekord-Marktanteil von 38 Prozent. Dort sei der Smartphone-Absatz der Firma in dieser Zeit um 31 Prozent auf 37,3 Millionen Geräte gestiegen. Dazu habe auch eine patriotische Stimmung angesichts der US-Sanktionen beigetragen.

In Europa und Deutschland sei der Absatz nach Bekanntgabe der US-Sanktionen Mitte Mai "stark" abgesackt, weil die Verbraucher verunsichert gewesen seien, sagte Wang. Inzwischen hätten die Verkäufe wieder mehr als 80 Prozent des vorherigen Volumens erreicht. Die Android-Sperre war von der US-Regierung zunächst bis Ende August ausgesetzt worden, wie es weitergeht, ist unklar. Huawei verspricht zugleich, Nutzer weiter mit Updates zu versorgen.

Ein Überlebenskampf

Im ersten Halbjahr 2019 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um gut 23 Prozent auf 401,3 Milliarden Yuan (52,33 Milliarden Euro). Liang Hua gab auch auf Anfrage keine Prognose für das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte ab. Er zeigte sich aber betont trotzig: "Wir werden weiter für unser Überleben kämpfen." Huawei werde auch in die Zukunft investieren. Zu Beginn seiner Präsentationen wurde ein Foto eines alten Kampfflugzeugs eingeblendet, dass trotz Einschusslöchern in den Tragflächen in der Luft bleibt.

Auf das Geschäft mit Technik für den kommenden superschnellen 5G-Datenfunk hatten die US-Sanktionen nach Darstellung von Huawei keine erheblichen Auswirkungen. So habe man seit Mitte Mai elf Aufträge für die Ausrüstung von 5G-Netzen bekommen. Huawei gilt als ein führender Anbieter von Technologie für 5G-Mobilfunk-Netze, die in den kommenden Jahren in großem Stil rund um die Welt entstehen werden. Allerdings gibt es auch in Europa Debatten darüber, ob der Konzern wegen Sicherheitsbedenken vom 5G-Netzaufbau ausgeschlossen werden sollte. Gewarnt wird unter anderem vor einer Nähe von Huawei zu chinesischen Behörden sowie der Möglichkeit von Sabotage im Fall eines Konflikts. Huawei wies die Vorwürfe stets zurück.

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