US-Konzerne Forschungskaiser - Österreicher sind Hinterbänkler

US-Konzerne Forschungskaiser - Österreicher sind Hinterbänkler

Nicht mehr nur Maschinen, sondern vor allem für Software wollen Unternehmen ihre Forschungsausgaben verstärkt ausgeben.

Die US-Konzerne geben nach Weltregionen berechnet am meisten für Forschung und Entwicklung aus: Alleine 13 US-Companys rangieren unter den Top-20. Vorbildlich ist auch die Forschungsquote der US-Companys, von denen zehn über 11 Prozent vom Umsatz für Forschung & Entwicklung (F&E) ausgeben. Ausgerechnet Tech-Riese Apple sowie die Autokonzerne GM und Ford scheren aus. Die Nummer 1 ist aber Volkswagen vor Samsung. Immerhin vier österreichische Unternehmen schaffen es ins Top-1000-Ranking.

Wien. Die US-Wirtschaft gibt mit ihren Konzernen den Ton an, was die Ausgaben für Forschung & Entwicklung anbetrifft. Und zeigt einmal mehr auf den Stellenwert von Forschungsausgaben. Auf der Rangliste der 1000 forschungsintensivsten Unternehmen sind alleine 13 US-Konzerne unter den ersten 20 Plätzen. Die ersten beiden Plätze stellen allerdings Siemens und Samsung, die am meisten für F&E insgesamt ausgeben. Der Trend bei den Ausgaben zeigt aber klar: Der Großteil der Forschungsausgaben fließt künftig in die Entwicklung von Software, wie in der jüngsten Studie von Strategy&, der Strategieberatung des Beraters PwC, erhoben wurde.

Der Spitzenreiter sowie sein Verfolger der forschungsintensiven Unternehmen kommt allerdings nicht aus den USA sondern aus Deutschland und Südkorea: der VW-Konzern, der in den vergangenen 14 Monaten eher durch den Abgasskandal Schlagzeilen gemacht hat, ist mit 13,2 Milliarden Dollar (12,1 Mrd. Euro) Forschungsausgaben klar die Nummer 1. VW hatte im Vorjahr die Forschungsausgaben um rund 400 Millionen Dollar erhöht. Bei einem Umsatz von 236,9 Milliarden Dollar bringt es VW somit auf eine Forschungsquote von 5,6 Prozent. Die Nummer zwei Samsung hat für F&E 12,7 Milliarden Dollar ausgeben. Bei 177,5 Milliarden Dollar kommen die Südkoreaner auf eine Forschungsquote von 7,2 Prozent.

Mit 5,6 Prozent Forschungsquote ist VW allenfalls ein Branchen-Spitzenwert. Toyota aus Japan, Konkurrent um die Spitze in der Autoindustrie, bringt es nur auf 3,7 Prozent Forschungsausgaben und Rang 11. Die US-Konkurrenten General Motors (4,9 Prozent/Rang 13) und Ford (4,5 Prozent/Rang 15) überflügeln den deutschen Autokonzern Daimler, der es nur auf 4,0 Prozent F&E-Quote bringt und um vier Plätze auf Rang 16 zurückgefallen ist.

Die Forschungskaiser

Weit höher als in der Autoindustrie oder der Elektronikindustrie sind die Forschungsbudgets bei Konzernen der Software- und Internetbranche sowie im in der Pharmabranche. Auch der Google-Konzern Alphabet (16,4 Prozent), Microsoft (12 Prozent), Amazon (11,7) oder traditionellerweise der US-Chip-Riese Intel (21,9 Prozent) rangieren in absoluten Zahlen zwar hinter VW und Samsung auf den Plätzen 3 bis 6, haben aber eine deutlich höhere Quote. Pharmakonzerne wie Roche (19,9 Prozent F&E-Quote); Novartis (19,2 Prozent) und Johnson & Johnson (12,9 Prozent) geben gemessen an ihrem Umsatz mehr als doppelt so viel aus wie die beiden Erstplatzierten.

Der Computer und IT-Konzern Apple, das teuerste Unternehmen der Welt nach Börsenwert sowie Markenwert., ist hingegen ein Ausreißer - nach unten. Apple bringt es gerade einmal auf eine F&E-Quote von 3,5 Prozent - weniger als halb soviel wie beim zweitplatzierten Hauptkonkurrenten Samsung, der ebenso zuletzt mit seinem Smartphone-Debakel vorläufig viel Reputation eingebüßt hat. Mit dem nunmehrigen Rang 11 konnte sich Apple aber dennoch gleich um sieben Plätze verbessern.

Von Österreich konnten immerhin vier Unternehmen unter den Top-1000 landen: Die voestalpine auf Platz 689, die ams AG (804.), Andritz (948.) und Zumtobel (955.). Dabei sticht der in der Schweiz börsennotierte steirische Mikroelektronik- und Halbleiterhersteller ams AG mit 17,3 Prozent F&E-Quote (bei voraussichtlich 0,12 Mrd. Euro Forschungsaufwendungen) hervor. Für den Leuchtstoffkonzern Zumtobel wurde eine Quote von 6,5 Prozent ermittelt, beim Stahl- und Technologiekonzern voestalpine sind 1,2 Prozent und beim Maschinen- Anlagenbauer Andritz fließen 1,4 Prozent der Erlöse in die eigene Forschungsabteilung.

Die Gleichung "je höher die F&E-Ausgaben, umso besser der geschäftliche Erfolg" ist jedoch nicht stimmig, wie auch das jüngste Debakel von Samsungs Hoffnungsträger Galaxy Note 7 eindrucksvoll und kaum drastischer beweisen kann. Die Forschungsausgaben stehen nicht direkt im Zusammenhang mit den Erfolg gemessen an Key Perfomance Indikatoren (wie Umsatzwachstum, Profitwachstum, Steigerung der operativen Margen, Wachstum der Marktkapitalisierung etc.). Das wurde mit der Studie von Strategy& festgestellt, die insgesamt die Daten von 10.000 Unternehmen untersucht hat.

Die Top-20 haben es gemeinsam auf 179,4 Mrd. Dollar F&E-Ausgaben gebracht. Die Forschungsquote beträgt damit im Schnitt 8,7 Prozent - für die Top-1000 zusammen wird die globale F&E-Intensität mit 4,2 Prozent so hoch geschätzt wie zuletzt im Jahr 2005. Bei den vier Österreichern in der Top-Liga mit Forschungsausgaben von gemeinsam 0,47 Mrd. Dollar sind es 2,1 Prozent F&E-Quote - ein Wert, den etwa US-Analysten mit Argusaugen sehen. Für US-Verhältnisse sind Forschungsausgaben in dieser Höhe eher gering.

Insgesamt ist die Vorliebe, die Gelder für die "Daniel Düsentrieb" in den eigenen Reihen zur Verfügung zu stellen, etwas verhaltener geworden. Weltweit sind die Forschungsausgaben der 1000 Top-Unternehmen nur unwesentlich gestiegen. Gerade einmal ein Plus von 0,4 Prozent auf 679,8 Milliarden Dollar wurde für Forschung ausgegeben.

Software ist am Vormarsch

Die Ausgabenkategorie verschiebt sich indes: Unternehmen investieren zunehmend in Software. Wurden zwischen 2010 und 2015 noch 54 bis 59 Prozent der Forschungsbudgets für Software und Services ausgegeben, werden es bis 2020 schon fast zwei Drittel der Ausgaben sein (63 Prozent). Ausgaben für physische Produkte gehen hingegen weiter zurück - von 46 Prozent der Forschungsausgaben im Jahr 2010 auf heute 41 Prozent. 2020 sollen es dann 37 Prozent sein. Damit verbunden sind auch die Investition in neue Mitarbeiter. Im Aufwind sind die Datenexperten - unter den IT-Experten werden sie bis zum Jahr 2020 die größten Chancen haben - ihre Anzahl wird sich von derzeit acht Prozent auf 16 Prozent verdoppeln.

Deutschland verteidigte laut der Studie seinen Spitzenplatz in Europa vor Frankreich und Großbritannien. In Relation zu den Umsätzen lägen die deutschen Firmen sogar leicht über dem Durchschnitt. Aus Asien schafft es mit Samsung auf Rang zwei überhaupt nur ein Unternehmen in diese Spitzengruppe.

Auf der Gesamtliste der 1000 forschungsintensivsten Firmen stellen die USA mit 381 Unternehmen gut ein Drittel. Parallel fiel die Zahl der europäischen Konzerne um 9 Prozent von 244 auf 223. Und: Dieser Trend könnte anhalten. Von 2015 noch 46 deutschen Unternehmen schaffen es 2016 nur noch 42 unter die weltweiten Top-1000.

In Nordamerika spielen Forschungsausgaben offenbar wieder eine größere Rolle: Die USA und Kanada konnten das erste Mal seit PwC im Jahr 2005 die Studie durchführt (siehe Grafik, unten) die Zahl der forschungsaffinen Unternehmen in den Top-1000-Rangliste erhöhen und verzeichnete ein Plus von 9,5 Prozent. Europa und Japan haben gegenüber dem Vorjahr jeweils um 9 Prozent weniger im 1000er-Top-Ranking. Auch der "Rest der Welt" brachte um drei Prozent weniger Unternehmen als im Jahr 2015 ins Ranking. Aufsteiger im F&E-Ranking ist China: aus dem "Reich der Mitte" sind mit 130 Unternehmen um sechs Prozent mehr Firmen im Top-Ranking.

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