Unternehmensnachfolge: Kann es wirklich nur einen geben?

Unternehmensnachfolge: Kann es wirklich nur einen geben?

In Österreich stehen aktuell fast 90.000 Familienunternehmen vor der Herausforderung der Unternehmensnachfolge. Manche zerbrechen dabei an Konflikten, bei anderen läuft die Übergabe in beispielhafter Kooperation. Beispiele für geglückte und weniger geglückte Übergaben.

Wenn es in Österreich ein Beispiel für missglückte Unternehmensnachfolge gibt, dann ist es die einst blühende Kinderschuhfabrik Oswald im Attergau, die 1998 an dieser Frage zugrunde ging. Der Grund: Der strenge Gründer hatte zwei Söhne, aber kein Vertrauen in deren unternehmerische Talente. Also blieb er bis ins hohe Alter am Ruder und verfügte testamentarisch, dass nicht seine Buben, sondern erst deren erster männlicher Nachkomme den Betrieb führen sollte. Doch der kam nicht.

Beide Söhne zeugten in ungewöhnlich rascher Abfolge zwar jeweils fünf Kinder, aber allesamt Mädchen, keinen einzigen Sohn. Der schwelende Familienkonflikt, verstärkt durch Privatentnahmen zur Versorgung der Kinderschar, zerrüttete die Firma, nötige Investitionen unterblieben, die Kosten gerieten außer Kontrolle und die Schuhfabrik Oswald schlitterte schließlich in die Pleite.

Oswald mag ein extremes Beispiel ein, früher oder später stellt sich aber bei jedem Familienunternehmen die Nachfolgefrage. In Österreich stehen aktuell fast 90.000 Unternehmen vor dieser Herausforderung. Anhand von Beispielen zeigen wir, wie es gut gehen kann. Oder auch nicht.



Beispiel 1: MIBA

Der Vertrauensbeweis

2013 übergab der Industrielle Peter Mitterbauer (l.) den Vorstandsvorsitz des Gleitlager-Herstellers Miba an seinen Sohn F. Peter, damals 37. Die Nachfolgeregelung gilt als Paradebeispiel in Österreich und war haarklein vorbereitet. Peter jun. durchlief eine solide Ausbildung an der TU Wien und machte danach seinen MBA in Frankreich und Singapur. "Dann wollte ich mich zunächst auch außerhalb des eigenen Familienbetriebs beweisen", sagt er. "Erst dann hat mein Vater alle Führungskompetenzen in meine Hände gelegt -ein großartiger Beweis seines Vertrauens." Seither leitet Mitterbauer jun. einen "gemischten" Vorstand, in dem auch Nichtfamilienmitglieder sitzen. Das sei eines der Erfolgsgeheimnisse von Miba, sagt er.



Beispiel 2: Berndorf-Gruppe

Die Kunst des Loslassens

Sonja Zimmermann, 44, war ein Teenager, als ihr Vater Ende der 80er-Jahre Berndorf im Zuge eines Management-Buy-outs übernahm. "Aber bereits damals hat mir dieses Risiko imponiert", erzählt sie. "Später bin ich dann schleifend ins Unternehmen hineingewachsen. Der Übergabeprozess ist ja immer noch im Gange." 2008 wechselte ihr Vater, Norbert Zimmermann, 70, vom Vorstand in den Aufsichtsratsvorsitz. Er habe sich, wie er scherzt, "schon früh in der Kunst des Loslassens geübt". Seit 2010 ist Sonja ebenfalls Mitglied des Kontrollgremiums, dessen Führung sie bis 2020 übernehmen soll. "Wenn ich das mache, musst du dich ganz zurückziehen", habe sie ihrem Vater gesagt. "Da hat er geschluckt, aber dann gemeint: 'Jetzt weiß ich, dass du wirklich willst.'"



Beispiel 3: Brauerei Schrems

Generation auf Generation

Dass die Brauerei Schrems als ein Paradebeispiel in Sachen Unternehmensnachfolge gilt, ist kein Wunder -der 1410 erstmals urkundlich erwähnte Betrieb hat über 600 Jahre Erfahrung in dynastischer Übergabe. 1838 kam er in den Besitz des böhmischen Braumeisters Jakob Trojan, seit 1991 führt dessen Ururenkel Karl Theodor in der fünften Generation, von denen jede gut 30 bis 50 Jahre am Ruder war, die Geschäfte. Der jeweils erste Sohn, so die Familientradition, wird gleich nach seiner Geburt im örtlichen Wirtshaus mit den Worten "Da ist er!" als präsumtiver Nachfolger vorgestellt.



Beispiel 4: Winklers "Zum Posthorn"

Die vermeintliche Einheit

Nachfolge- Experte Hermann Frank beschreibt den Wiener Wirtshausbetrieb Winklers "Zum Posthorn" als Paradebeispiel für "Zusammenarbeit auf engstem Raum im Spannungsfeld zwischen Familie und Unternehmen". Vater Walter Winkler habe es geschafft, die Familie, insbesondere seinen Sohn und potenziellen Nachfolger Klemens (l.),"konfliktvermeidend" ins Geschäft zu integrieren. Dennoch ist der Bub ausgeschert und hat sich mit einer Bar selbstständig gemacht. "Im Nachhinein", so der Vater, "finde ich es vernünftig, dass er was Eigenes versucht."



Beispiel 5: Doppelmayr

Kampf bis zum OGH

Die Fusion von Doppelmayr mit der Schweizer Garaventa führte zum Zerwürfnis zwischen dem im Mai 2017 verstorbenen Seilbahnpionier Artur Doppelmayr und seinem Sohn Michael, die sich zuletzt 2000 in Wolfurt gemeinsam sehen ließen (Bild). Vater Artur wurde aus dem Unternehmen gedrängt, was bis zum OGH ausgefochten wurde.



Beispiel 6: Hirsch Armbänder

Kapitale Hirsche

Bevor der Patriarch Hermann Hirsch die Kontrolle über die bis ins Jahr 1765 zurückreichende Firma an seinen Sohn Robert (Bild) übergab, stemmte er sich beharrlich gegen dessen Nachfolge, "weil zwei kapitale Hirsche im gleichen Revier" nicht genug Platz haben, so der Junior. Zuerst schickte ihn der Vater nach China und in die USA. Dann setzte er ihm ein externes Management vor, das den Börsengang vorbereiten sollte. Als dies misslang, bot Robert seinem Vater 2004 an, ihm das ganze Unternehmen kurzerhand abzukaufen. "Wie ich ihm das gesagt habe", erinnert sich Robert Hirsch, "hat er nur gemeint: endlich!" Robert Hirsch konnte das Ruder übernehmen.



Beispiel 7: Konditorei Heiner

Mütter gegen Söhne

Der Traditionsbetrieb Heiner, eine 1840 gegründete ehemalige K. & K. Hofzuckerbäckerei, war über Generationen von resoluten Matriarchinnen geprägt. Immer, wenn deren Söhne ans Ruder drängten, kam es zum kostspieligen Machtkampf, bei dem es an die Unternehmenssubstanz ging.

Geld

In diesen Urlaubsländern kriegen Sie am meisten für Ihren Euro

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Wirtschaft

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Auto & Mobilität

Bau Lobautunnel genehmigt: Stau auf der Tangente ade