Unter Strom

Unter Strom

Für den großen Strom-Anbieter-Test hat die ÖGVS 60 Versorger geprüft. Durch Wechsel des Anbieters lassen sich jährlich Hunderte Euro sparen.

Im Jahr 2011 wurde der Strommarkt liberalisiert. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende des dritten Quartals 2016 wechselten laut E-Control rund 1,45 Millionen Stromkunden den Anbieter. Je nach Verbrauch lassen sich durch so einen Schritt mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Das ist auch deswegen sinnvoll, weil der Strompreis für Haushalte von 2005 bis 2016 um knapp 44 Prozent je Kilowattstunde anzog.

Henrik Peperkorn, Projektleiter des auf konsumentenorientierte Tests spezialisierten Instituts ÖGVS, meint: "Der Wettbewerb ist groß. Es drängen deutsche Stromanbieter nach Österreich. Davon profitieren Verbraucher." Aber der Kampf um Kunden hat auch Schattenseiten. So wurde der deutsche Stromanbieter Care Energy am 17. Februar 2017 insolvent. Das trifft auch rund 12.900 heimische Kunden. Sie werden zwar weiter mit Strom beliefert, müssen aber zu einem anderen Anbieter wechseln.

Wechselwillige sollten nicht nur aufgrund solcher Vorkommnisse einen Blick auf die "Studie Stromanbieter 2017" der ÖGVS werfen. Darin wurden die Angebote von 60 national und regional in Österreich tätigen Stromlieferanten analysiert. Im Testergebnis sind die Konditionen für alle Netzgebiete und für Verbrauchsfälle von 2.000,3.500 und 5.000 Kilowattstunden mit einem Anteil von 50 Prozent gewichtet.

Kontaktmöglichkeiten zu den Unternehmen sowie Qualität von Telefon-und E-Mail-Service sind mit 20 Prozent berücksichtigt. Ebenso mit 20 Prozent geht die Angebotsvielfalt in die Bewertung ein. Die Funktionalitäten der Homepages der Stromlieferanten und per Internet abrufbare Informationen sind im Testurteil mit zehn Prozent gewichtet.

Jean-Brice Piquet-Gauthier, Geschäftsführer von easy green energy, gewinnt den Stromanbieter-Test.

Der Versorger easy green energy, der 2015 vom Anbieter "Unsere Wasserkraft" und der Bawag-Tochter easybank gegründet wurde, hat den ÖGVS-Test zu den Stromanbietern gewonnen. Jean-Brice Piquet-Gauthier, Geschäftsführer von easy green energy: "Seit der Gründung sind rund 15.000 Kunden zu uns gewechselt. Wir nutzen das Online-Know-how der easybank. Das erleichtert das Anbieten günstiger Tarife."

Wie nah die Leistungen der Energielieferanten beieinander liegen, zeigt sich aber am Pulk der Verfolger. Mit switch, Kelag und Maxenergy Austria schaffen es drei Unternehmern mit äußerst knappem Rückstand auf den Testsieger unter die Topanbieter im Gesamtranking.


Gesamtergebnis


Beim reinen Konditionenvergleich kommt Grünwelt Energie im ÖGVS-Test am besten weg. Das Unternehmen ist ein gutes Beispiel für die Vernetzung von österreichischem und deutschem Energiemarkt. Der Versorger wurde 2011 in Deutschland gegründet und ist seit Dezember 2016 in Österreich aktiv. Andreas Bach, der Österreich-Geschäftsführer, erklärt: "Wir liefern Ökostrom aus österreichischen Kraftwerken."

Fokus auf Öko-Strom

Damit steht Grünwelt Energie nicht alleine da. ÖGVS-Experte Peperkorn: "In Österreich setzen im Gegensatz zu Deutschland fast alle Anbieter auf den Vertrieb von Energie aus Wasserkraft und Windenergie. Unterschiede gibt es bei den Tarifen. Viele Anbieter offerieren im ersten Vertragsjahr mittels Wechselbonus richtige Wundertüten. Ab dem zweiten Jahr gibt es oft böse Überraschungen."

Das ist auch aus Anbietersicht nicht unbedingt erwünscht. Piquet-Gauthier von easy green energy, sagt: "Es ist wichtig, nahe am Marktpreis zu bleiben und auch ohne Bonus vorne zu sein." Dem trägt auch die Auswertung von ÖGVS Rechnung. Neukundenboni spielen bei der Beurteilung der Konditionen mit einer Gewichtung von 20 Prozent nur eine Nebenrolle. Der Löwenanteil liegt mit 80 Prozent auf den laufenden Stromkosten.

"Der Anbieterwechsel ist einfach geworden. Und immer öfter werden integrierte Rechnungen geliefert", führt Projektleiter Peperkorn aus. Das ist im Sinne der Kunden, die nur eine Rechnung für Stromverbrauch und Netzgebühren erhalten wollen. Aber nicht alle Anbieter schaffen das. So wird bei Grünwelt Energie noch nicht an die Einführung integrierter Rechnungen gedacht.

Wer den Anbieter wechseln will, ist gut beraten, zum Telefonhörer zu greifen, um Informationen einzuholen. Peperkorn: "Auf manche, Ende 2016 gestellte E-Mail-Anfrage kam bis heute keine Antwort." Bessere Werte brachten Telefonanfragen. Zwei Drittel der Antworten fielen hier sehr gut oder gut aus.

Den besten Service bietet laut ÖGVS MeinAlpenStrom, wobei switch nur nach Berücksichtigung der Nachkommastelle auf Platz zwei verwiesen wird. Gemischt fällt die Bewertung des Internetauftritts aus. Während das Netzangebot von Montana als vorbildhaft gilt, gibt es bei manchen Mitbewerbern Aufholbedarf. Häufig erweist sich die Tarifsuche als mühsames Unterfangen, oft ist kein Preis für Stromkosten abrufbar.


Die gesamten Testergebnisse sind gegen 1.490 Euro Schutzgebühr zuzüglich USt. unter info@qualitaetstest.at erhältlich.

Heinz-Christian Strache

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