Uniqa-Vorstandschef Brandstetter: "Mentale Übungen fürs Homeoffice"

Versicherungen gehören jetzt eher zu den privilegierten Branchen, leiden aber auch, wie Uniqa-Vorstandschef Andreas Brandstetter erzählt.

Uniqa-Vorstandschef Brandstetter: "Mentale Übungen fürs Homeoffice"

Uniqa-Chef Andreas Brandstetter rechnet mit weniger Autoschäden - aber auch weniger Neugeschäft für die Versicherungen.

Der Vorstandschef der Uniqa-Versicherung, Andreas Brandstetter, ist einer von nur acht Leuten, die jetzt noch regelmäßig im riesigen Uniqa-Tower an der Wiener Donaulände sitzen. Über 5.000 Mitarbeiter wurden schon am 16. März nach Hause geschickt, um dort zu arbeiten. "Ich habe hier einfach die bessere Infrastruktur, zum Beispiel für Telefonkonferenzen via Skype. Die mache ich täglich mehr oder weniger durchgehend von 7.30 Uhr bis Open End", erklärt der Versicherungsboss, warum er nicht wie die anderen Beschäftigten im Homeoffice sitzt.

Die Geschäftsabläufe im Notbetrieb funktionieren gut, sagt der CEO. Alle Kundencenter sind zwar geschlossen, und der Außendienst besucht niemanden persönlich. Die Services werden aber über Mail und Telefon aufrechterhalten, Schadensfälle zügig abgewickelt, so weit sich das jetzt schon sagen lässt. Alle Mitarbeiter sind elektronisch mit dem System verbunden. Lediglich ein paar Hundert Laptops mussten noch auf die Schnelle besorgt und konfiguriert werden. Ansonsten waren kaum zusätzliche Investitionen in die IT zu tätigen. "90 Prozent unserer Beschäftigten arbeiten weiter produktiv", so Brandstetter

Als Versicherung ist die Uniqa in der privilegierten Lage, bislang weder Kurzarbeit noch Kündigungen anmelden zu müssen. Denn die Prämien für bestehende Verträge werden ja zum allergrößten Teil weiter bezahlt. Das Neugeschäft sieht der Uniqa-Boss aber sehr wohl kritisch. Im Frühjahr hat normalerweise die Kfz-Versicherung Hochkonjunktur, weil die Leute neue Autos kaufen. Das fällt erst einmal weg.

Gleiches gilt zu 100 Prozent für Reiseversicherungen, aber auch für Haushaltspolizzen - wer kauft sich jetzt schon eine neue Wohnung? Selbst die Lebensversicherung leidet, weil man sich aufgrund der Geldwäschebestimmungen bei Neuabschluss physisch ausweisen muss, was aktuell unmöglich ist. Ein Problem ist das vor allem in Ländern Osteuropas, in denen die Uniqa tätig ist und wo das Neugeschäft generell stark rückläufig ist.

Mit Bestandskunden, die etwa aufgrund Jobverlusts Schwierigkeiten haben, werden - wie bei den Banken -individuelle Stundungslösungen oder auch temporäre Prämienreduktionen vereinbart. Wobei Brandstetter anmerkt:"Wir müssen schon aufpassen, die Trittbrettfahrer herauszufiltern, die nur die Lage ausnutzen, um sich ohne Grund Vorteile zu verschaffen. Wir hatten auch in Wohnhäusern, die der Uniqa gehören, schon ein paar private Mieter, die das versucht haben."

Schäden im Griff

Wenig Kopfzerbrechen bereiten die Schadenszahlungen. Die steigen nur in Segmenten wie bei der Betriebsunterbrechungsversicherung mit Pandemieschutz, wie sie manche Tourismus- und Gastrobetriebe haben. Die Krankenversicherung betrifft das kaum. Autoschäden sind aktuell sogar stark rückläufig, weil die Menschen viel weniger fahren. Und es gab 2020 bis dato weniger Schäden von Naturkatastrophen, für die Versicherungen einsprangen.

Einen negativen Impact hat die Krise aber naturgemäß auf die Kapitalanlagen der Assekuranzen. "Die Solvenz einiger Gesellschaften in Europa könnte dadurch unter Druck kommen", sagt Brandstetter, "aber eine endgültige Beurteilung hängt auch von der Dauer der Krise ab."

Gedanken macht sich der Topmanager zur Befindlichkeit seiner Angestellten: "Die psychischen Belastungen zuhause werden ab der zweiten, dritten Woche höher. Denken Sie nur an Alleinerziehende. Wir bieten über das Intranet mentale und körperliche Übungen an, um das Durchhalten zu erleichtern. Es bilden sich auch Chat-Gruppen, in denen sich die Mitarbeiter austauschen und sich untereinander Tipps geben. Und generell heißt unsere Devise: Vertrauen! Wir messen die Produktivität im Homeoffice nicht. Wir werden ja sehen, ob sich große Rückstände bei Bearbeitungen aufbauen - ich glaube nicht. Wenn sich Eltern zwischendurch einmal verstärkt um ihre Kinder kümmern müssen, dann sind wir nicht kleinkariert und verlangen, dass Urlaub genommen wird."

Das Megathema Cyber-Versicherungen und der Ausbau digitaler Angebote werde sich massiv beschleunigen. Brandstetter ist überzeugt, dass die App MyUniqa, die von 40 Prozent der Kunden schon genutzt wird, einen gehörigen Schub erfahren wird.

Und er wünscht sich, dass die Digitalisierung auch in den Schulen Einzug hält: "Die bloße Aufgabe per Mail, innerhalb von zwei Wochen ,Nathan der Weise' zu lesen, ist noch kein digitales Unterrichten. Da sind uns Länder wie Finnland oder Kanada punkto E-Learning ein paar Schritte voraus."



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