UniCredit prüft harten Sparkurs - auch für Bank Austria

Federico Ghizzoni, Chef von UniCredit, will angeblich weiter sparen, um profitabler zu werden. Er plant laut der Financial Times massive Einsparungen von denen auch die beiden Töchter Bank Austria und Hypovereinsbank betroffen wären.

UniCredit prüft harten Sparkurs - auch für Bank Austria UniCredit prüft harten Sparkurs - auch für Bank Austria

Die Profitabilität von UniCredit befindet sich selbst nach umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen, im Vergleich zu anderen europäischen Banken, nach wie vor am unteren Ende. So beträgt die Eigenkapitalquote magere 10,2 Prozent. Zusätzlich üben angeblich die italienischen Behörden Druck auf die Bank aus, das Unternehmen finanziell auf solidere Beine zu stellen und die Eigenkapitalbasis zu erhöhen. Ein weiterer Grund: Die Bank muss die geforderte Kernkapitalquote der EZB erfüllen.

500 Millionen Euro als Sparziel

Laut einem Bericht der Financial Times zufolge plant UniCredit-Boss Frederico Ghizzoni deshalb die Kosten um 500 Millionen Euro drücken zu wollen. Möglich soll das durch eine "aggressive Neuorganisation" werden, wovon wohl auch die beiden Töchter Bank Austria und Hypovereinsbank betroffen wären. Sie haben aktuell ein Aufwand-Ertragsverhältnis von 80 Prozent. Dieses soll so deutlich gehoben werden. Insidern zufolge ist jedoch die Hypovereinsbank deutlich stärker unter Kostendruck als die Bank Austria. Dort lege das Aufwands-Ertragsverhältnis bei nur 54 Prozent. Durch die geplante Umstrukturierung ist der bisherige Geschäftsplan von 2015 bis 2018 mit dieser Ankündigung wohl obsolet. An neuen Plänen dafür wird bereits geschmiedet werden. Präsentiert soll die neue Strategie laut Informanten voraussichtlich im Herbst.

Ein anderer Ausweg, eine neuerliche Kapitalerhöhung, es wäre die vierte binnen der vergangenen sieben Jahre, kommt für Ghizzoni laut FT nicht in Frage. Eine solche Maßnahme käme bei den Anleger schlecht an, so das Argument.

Lange Sparhistorie

Die Bank Austria hat jedoch bereits eine Reihe von Sparungmaßnahmen hinter sich. So ist der Stand der Mitarbeiter seit 2010 von 10.800 (Bank Austria mit den Töchtern) auf rund 9.400 (inklusive Töchter wie Business Integrated Solution (IT)) geschrumpft. 7.000 davon arbeiten in der AG. Zuletzt hat die Bank vor drei Jahren rund 100 Filialen dicht gemacht und angekündigt den Mitarbeiterstand bis Ende 2015 um rund 850 Mitarbeiter zu verringern. Das geschieht beziehungsweise geschah entweder durch einen natürlichen Abgang und Teilzeitarbeit. Die Kosten sollen damit um 130 Millionen Euro gesenkt werden. 2009 wurden harte Einschnitte bei den Tochterunternehmen in Osteuropa gemacht. In Kasachstan und der Ukraine etwa wurden rund 600 Mitarbeiter gekündigt. Eine große Sparwelle gab es auch 2001. Damals wurden in Österreich 600 Mitarbeiter gekündigt. Aber all die Bemühungen haben offenbar nicht ausreichend Früchte getragen.
Die Bank in Zahlen: Die Bilanzsumme der Bank Austria beträgt mit Ende März 2015 rund 195 Milliarden Euro. Derzeit verfügt die Bank noch über 240 Filialen in Österreich. Doch vor allem in Zentral- und Osteuropa ist das Filialnetz gigantisch: Die Bank Austria verfügt dort in 13 Ländern über rund 2.400 Filialen, davon allerdings mehr als 1.000 Filialen mit einem türkischen Joint-Venture-Partner.

Osteuropa als Belastungsfaktor

Als Grund für die Sparmaßnahmen wurde von Boston Consulting bereits früher das rückläufige Bankgeschäft und die hohen Belastungen durch Bankregulierungen wie Basel III genannt. Aktuell belastet die Bank zudem der Russland-Ukraine-Konflikt und das schwache Osteuropa-Geschäft insgesamt.

Die schwierige finanzielle Situation der UniCredit dürfte sich auch in personalen Konsequenzen äußern: Unicredit-Generaldirektor Roberto Nicastro soll vor dem Rücktritt stehen - ein unrühmliches Ende für den einstigen Kronprinz des früheren UniCredit-Boss Alessandro Profumo. Als aussichtsreiche Anwärterin für den freien Posten gilt Finanzchefin Marina Natale.

UniCredit selbst ist in 17 Ländern tätig. Das Netzwerk umfasst rund 50 Märkte mit rund 7.600 Niederlassungen mit rund 129.000 Mitarbeitern.

Andreas Lampl, Chefredakteur trend

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