Unicredit im Sog der Bankenkrise

Unicredit im Sog der Bankenkrise

Die Unicredit-Zentrale in Mailand.

Die Unicredit hat mit Jean-Pierre Mustier seit gestern einen neuen Chef und der steckt gleich knietief in Problemen. Die Bank sitzt auf faulen Krediten in Milliardenhöhe. Wo das viele Geld zur Rettung herkommen soll, ist noch unklar. Vor welchen Aufgaben der neue Boss der größten Italo-Bank jetzt steht und was passieren kann wenn die Sanierung scheitert.

Die Unicredit hat seit gestern einen neuen Chef: Jean-Pierre Mustier, 55, ehemaliger Fallschirmjäger, tritt als CEO der größten Bank Italiens an. Zum anderen gerät die italienische Großbank immer tiefer in den Strudel der italienischen Bankenkrise. Federico Ghizzon, der bisherige Boss der Krisenbank, musste im Mai den Hut nehmen, nachdem die Eigentümer mit seiner Strategie nicht einverstanden waren. Der Franzose Mustier hatte bei der Société Général eine steile Karriere hingelegt, bevor er wegen Skandal-Geschäften eines Untergebenen strauchelte. Nun soll er Italiens größte Bank retten. Der 55-jährige Franzose gilt als erfahrener Investmentbanker, wenn viele im Land auch lieber einen Italiener an der Spitze der Großbank gesehen hätten.

Letztlich soll die Wahl aber auf ihn gefallen sein, da er internationale Erfahrung hat und die Unicredit als ehemaliger Chef des Investment Banking gut kennt.
Seine Aufgaben: In erste Linie viel Geld aufstellen, die Bilanzen in Ordnung bringen und das weit verzweigte Firmengeflecht straffen. Die aufgeblähte Struktur nagt mehr denn je am Profit: Das größte Problem ist die Ertragskraft der Bank, die vor allen angesichts Minizinsen mit sinkenden und niedrigen Margen kämpft. Von den Schwierigkeiten der Bank betroffen sind unter anderem die Österreich-Tochter Bank Austria und die deutsche Tochter Hypo-Vereinsbank.

Familiensilber steht zum Verkauf

Die erste Maßnahme ist bereits eingeleitet. Teile der polnischen HVB-Tochter Pekao zu verkaufen, und zwar so rasch als möglich. Unicredit hält über 50 Prozent an Pekao. Der zehnprozentige Pekao-Anteil der Bank ist an der Börse derzeit rund 800 Millionen Euro wert. Zuvor bereits hatte das Institut bereits ein 328 Millionen Euro schweres Aktienpaket am Online-Broker Fineco auf den Markt geworfen. Mustier geht damit die Kapitalprobleme der italienischen Großbank an.
Unicredit hatte ihrer österreichischen Tochterbank im November des Vorjahres eine Radikalkur verordnet. Die Leitung der wichtigen Ost-Töchter sollte unter das Konzerndach in Mailand wandern – und mit ihr auch wichtiges Kapital. Die rund 500 Mitarbeiter, die für die Osteuropa-Töchter in Österreich arbeiten, sollen ihren Job in Wien behalten.

Wie Österreich betroffen ist

Dabei hat die Unicredit bereits mit drastischen Sparmaßnahmen beim Personal große Einsparungen auf den Weg gebracht. So wurden seit Ende Oktober 2015 Kündigungen von insgesamt 12.000 Mitarbeiter beschlossen. Die Österreich-Tochter Bank Austria soll zerschlagen werden. Am 1. August soll auf der Hauptversammlung die Abspaltung des Osteuropa-Geschäftes absegnet werden. Damit verliert die Bank Austria seine Cashcow. Ist nur noch der Segen der Finanzaufseher und der EZB notwendig. Bis 2018 will die UniCredit in Österreich 300 Millionen Euro einsparen, die Zahl der Filialen soll von 190 auf 120 sinken. Rund 800 Jobs sollen eingespart werden, weitere 700 dürften den Filialschließungen folgen.

Bis zehn Milliarden Euro Cash nötig

Doch mit all diesen Maßnahmen ist es nicht getan. Die Unicredit hat eine dünne Kapitaldecke und sitzt auf faulen Krediten von 80 Milliarden Euro. Um die Bank vor den faulen Krediten zu befreien, schätzen Analysten den Kapitalbedarf auf rund fünf bis zehn Milliarden Euro. Der Börsenwert der Pleitebank macht mit zwölf Milliarden Euro nur knapp mehr aus.
Doch woher das Geld kommen soll, ist unklar. Eine Kapitalaufstockung dürfte angesichts der wackligen Zukunftsaussichten wenig Interessenten anlocken. Wie wenig Anleger von der Bank halten, zeigt sich bereits in der Kursentwicklung. Die Aktie stützte seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent ab. Keine andere systemrelevante Bank in Europa hat in dieser Zeit so viel an Wert verloren.

Staat als Retter könnte auf sich warten lassen

Auch der Ruf nach Vater Staat dürfte wenig bringen, wenn die Hoffnung darauf auch in Italien noch nicht aufgegeben wird. Aber die Rettung einer Bank durch den Staat gilt seit der EU-Bankenunion und den damit verbundenen klaren Regeln für die Sanierung einer Bank als unwahrscheinlich. Lautet die oberste Regel doch seit 2012: Zuerst werden die Investoren zur Kasse gebeten und erst in letzter Konsequenz die Steuerzahler. Mustier, der ehemalige Militarist, hat noch an einer weiteren Front zu kämpfen. Er steht einer Gruppe zerstrittener Großaktionäre und Verwaltungsräten gegenüber, in dessen Kreis sowohl internationale Fonds als lokalpolitisch orientierte Sparkassenstiftungen mit einander widersprüchlichen Zielen feindlich gegenüber stehen.

Insgesamt ist die Unicredit in 17 Ländern aktiv und eine der größten Banken in Mittel- und Osteuropa, wo die Bank mit Sitz in Mailand rund 16 Prozent der Erträge erwirtschaftet. Der Konzern beschäftigt weltweit 127.500 Vollzeitangestellte.

Vom Gelingen der Sanierung hängt auch viel für ganz Europa ab. Schafft die Unicredit, die immerhin die größte Bank Italiens ist und das Land die drittgrößte Volkswirtschaft der EU darstellt, nicht ihre finanziellen Schwierigkeiten zu lösen, könnten die Auswirkungen in Europa ähnlich dramatisch sein, wie die Pleite der US-Bank Lehman im Jahr 2008. Im schlimmsten Fall könnte selbst der Euro als Währung in seiner Existenz bedroht sein.

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