UniCredit zückt den Rotstift: 8.000 Stellen werden bis 2023 gestrichen

UniCredit zückt den Rotstift: 8.000 Stellen werden bis 2023 gestrichen

In Italien, Österreich und Deutschland sollen 12 Prozent des Personals abgebaut und 17 Prozent der Filialen geschlossen werden.

Mailand/London. Die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit forciert ihren Sparkurs und will bis 2023 weitere 8.000 Stellen streichen.

Laut dem neuen in London vorgestellten Unternehmensplan will die Bank-Austria-Mutter 12 Prozent des Personals und 17 Prozent der Filialen in Italien, Österreich und Deutschland kürzen. Laut Gewerkschaftsangaben sollen die meisten Jobs - circa 5.500 bis 6.000 Arbeitsplätze - in Italien reduziert werden. Wie stark die Österreich-Tochter Bank Austria betroffen ist, ist noch nicht klar.

UniCredit wollte sich nicht zur regionalen Verteilung des Stellenabbaus äußern. Er solle aber sozialverträglich und in Absprache mit den Arbeitnehmervertretungen erfolgen, hieß es.

Der verschärfte Sparkurs kostet zunächst einmal Geld - nach Angaben der Bank 1,4 Milliarden Euro heuer und im kommenden Jahr. Davon seien 1,1 Milliarden für Italien und 300 Millionen für Österreich und Deutschland vorgesehen. ank der Jobkürzungen will UniCredit in Westeuropa Einsparungen in der Größenordnung von einer Milliarde Euro durchsetzen, geht aus dem am Dienstag vorgestellten Plan hervor.

Die Bank Austria wollte sich auf APA-Anfrage nicht äußern, ein Sprecher der österreichischen Tochterbank verwies auf die Aussagen von UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier. Auch von der deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB) gab es zunächst keine Angaben zum Ausmaß des Sparkurses.

Konzernweit kam die UniCredit zuletzt auf 85.000 Stellen und rund 4.500 Zweigstellen. Der seit Mitte 2016 amtierende Konzernchef Mustier hatte in den vergangenen Jahren bereits in größerem Umfang Stellen gestrichen, Risiken abgebaut, das Kapital über die Ausgabe neuer Aktien gestärkt und auch Sparten verkauft.

Hintergrund des jetzt verstärkten Sparkurses ist, dass die UniCredit in den kommenden Jahren nur mit einem geringen Wachstum rechnet und die Kosten daher weiter drücken will. Das Kreditinstitut kämpft dabei - wie alle Banken in der Eurozone - mit dem Dauertief bei den Zinsen, das vor allem auf die Marge im Geschäft vom Anlegen und Verleihen von Geld drückt.

Ziel der aktuellen Maßnahmen ist, den Gewinn zu steigern, die Dividenden zu erhöhen und Aktien zurückzukaufen. Bis 2023 peilt die UniCredit aus dem fortgeführten Geschäft - also ohne den Einfluss von Sonderfaktoren wie zum Beispiel Spartenverkäufen oder den Kosten für Stellenabbau - einen Gewinn von 5 Mrd. Euro an. 2018 hatte dieser Wert bei 3 Mrd. Euro gelegen. Für 2019 wird bereits ein Anstieg auf 4,7 Mrd. Euro erwartet. In einigen Bereichen liefen die Geschäfte im laufenden Jahr besonders gut.

Massive Kritik der Gwerkschafter

1.381 Filialen seien bereits in den vergangenen Jahren weggefallen, laut dem neuen Entwicklungsplan wolle UniCredit aber weitere 500 schließen. Die Bank könne eine weitere Reduzierung der Jobs nicht mehr verkraften, da seit 2007 bereits 26.650 Stellen gekürzt worden seien, protestierte der Chef des Gewerkschaftsverbands FABI, Lando Maria Sileoni.
"Damit beeinträchtigt man noch mehr die Beziehungen zur Kundschaft. Die Bank wird durch die Jobkürzungen geschwächt mit der Gefahr, dass sie geschluckt werden kann", kritisierte Sileoni. Die Gewerkschaften befürchten, dass die Jobkürzungen der erste Schritt vor einer europäischen Fusion sei, die UniCredit von der Heimat Italien entfernen könnte.

UniCredit-Chef Mustier erwiderte, dass die Jobkürzungen "verantwortungsvoll" erfolgen werden. "Wir werden mit den Gewerkschaften verhandeln. Mit dem letzten Entwicklungsplan haben wir die Jobkürzungen auf sozial verantwortungsvolle Weise durchgeführt und wir werden weiter so handeln", sagte der französische Banker.

Die Mailänder Börse reagierte positiv auf den UniCredit-Unternehmensplan. Die UniCredit-Aktie [ISIN IT0004781412] stieg in Mailand am Dienstagvormittag um 1,5 Prozent, bis gegen 13 Uhr hat sich das Plus halbiert und die Aktie notiert bei 12,46 Euro.

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