UniCredit-Generaldirektor Nicastro sagt "Ciao" und kassiert 5,9 Millionen Euro

UniCredit-Generaldirektor Nicastro sagt "Ciao" und kassiert 5,9 Millionen Euro

Roberto Nicastro will nicht mehr, sein bisheriger Brötchengeber UniCredit will auch nicht mehr - und so einigt man sich auf eine Beendigung des Vertrags. Und eine Supergage, die den Übertritt abpolstert.

Einvernehmlich trennt sich der 51jährige Roberto Nicastro von der UniCredit - wegen "Meinungsverschiedenheiten". Der Architekt der Ost-Europa-Geschäfte der Bank-Austria-Mutter bekommt noch ein saftige Abfertigung zum Abgang, die den Trennungsschmerz lindert. Eine Frau soll die Meinungsverschiedenheiten ausräumen und den Job von Nicastro übernehmen. Die Geschäfte der UniCredit laufen indes rund. Der Nettogewinn ist um 29,5 Prozent gestiegen.

Mailand/Wien. Ein Abgang mit lautem Getöse zeichnet sich bei der UniCredit ab. Der bisherige Generaldirektor Roberto Nicastro gibt seinen Posten ab Oktober ab. Er begründet seinen Rückzug mit "Meinungsdivergenzen" über die Strategie zur Umstrukturierung der Bank.

Und eine deratige Einigung folgt bei dem Geldhaus mit seinene eigenen Regeln. Auf eine einvernehmliche Trennung habe man sich geeinigt, sagte Nicastro. Und ein letztes Mal bekommt Nicastro noch ein richtiges Schäuferl drauf gelegt. Nicastro einigte sich mit UniCredit auf eine Abfertigung von 5,9 Millionen Euro.

Der 51-jährige Nicastro, Regisseur der Expansion der Bank in Osteuropa, war einst die "rechte Hand" des früheren CEO Alessandro Profumo, dem jedoch 2010 der damalige Osteuropa-Chef Federico Ghizzoni vorgezogen wurde.

Nicastro ist beim Abgang nicht alleine. Auch der Chief Risk Officer der Bank-Austria-Mutter, Alessandro Decio, räumt seinen Platz, wie die UniCredit am Mittwoch bekannt gab.

Nicastros Aufgaben werden zwischen den beiden Vize-Generaldirektoren Paolo Fiorentino und Gianni Franco Papa verteilt. Allerdings bleibt Nicastro im Aufsichtsrat der Bank Austria und der UniCredit Bank Russia. Außerdem bleibt er auch Vizepräsident der polnischen Bank Pekao, berichtete UniCredit in einer Presseaussendung.

Die Managerin Marina Natale rückt zur dritten Vize-Generaldirektorin auf. Damit avanciert erstmals eine Frau in die Chefetage der Mailänder Bank. Massimiliano Fossati, ehemaliger Chief Risk Officer in Österreich, Tschechien und in der Türkei, tritt ab 1. Oktober Decios Nachfolge an.

Die Mailänder Börse reagierte am Mittwoch positiv auf die Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse und auf die Personalveränderungen in der Chefetage. Die UniCredit-Aktie legte am Nachmittag um 4 Prozent zu.

Neue Strategie im Herbst

Im zweiten Quartal 2015 hat die Konzernmutter der Bank Austria überraschend gut verdient, unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 522 Mio. Euro (+29,5 Prozent).

Weil die Belastung durch faule Kredite deutlich geringer war als im Vorjahr, fiel der Rückgang des Halbjahresgewinns mit 7,3 Prozent auf 1,03 Mrd. Euro noch recht moderat aus. "Im ersten Halbjahr hat UniCredit einen Gewinn von über einer Milliarde Euro verzeichnet, das ist ein großes Resultat in einem für Banken noch unvorteilhaften Unfeld mit Zinssätzen auf historischem Tief", sagte Ghizzoni. Die Kernkapitalquote (CET 1) verbesserte sich auf 10,92 Prozent.

Die Konzernmutter der Bank Austria will im Herbst ihre revidierten Geschäftspläne für die Jahre bis 2018 präsentieren. "Die Ziele unseres Plans sind wegen externer Faktoren anspruchsvoller geworden", erklärte der UniCredit-CEO Federico Ghizzoni am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse in Mailand. Mit dem Ausscheiden von Generaldirektor Nicastro aus der Chefetage hatte man bereits gerechnet.

Die Bank plane eine Senkung der Kosten und Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Kapitaldecke, sagte Ghizzoni heute. Diese Maßnahmen sollen allerdings erst im zweiten Halbjahr vorgestellt werden. Das die bisherige Strategie erfolgreich sei, hätten die Halbjahresergebnisse bestätigt, meinte der CEO.

Im Vorfeld war in verschiedenen Medien darüber spekuliert worden, dass der neue Entwicklungsplan einen massiven Umbau der Geschäfte in Deutschland und Österreich mit sich bringen könnten, verbunden mit weiteren Einsparungen.

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