UniCredit-Aktie bricht nach Kapitalerhöhung ein

UniCredit-Aktie bricht nach Kapitalerhöhung ein

Die UniCredit-Zentrale in Mailand zeugt von einstiger Größe. Doch bis 2019 will die Bank deutlich schrumpfen.

Der erste Tag der Kapitalerhöhung der UniCredit verheißt nichts Gutes. Wie die Aktie abschmiert, was Analysten von der Aktie halten.

Die Reformpläne der maroden UniCredit sind wie wieder einmal ambitioniert. Die Bank-Austria-Mutter will bis 2019 insgesamt 14.000 Jobs streichen. 883 Filialen in Italien sollen geschlossen werden. Das sind 27 Prozent aller Filialen im Land. In Italien und in Deutschland sollen nach drei Jahren jeweils um 21 Prozent weniger Beschäftigte auf der Payroll stehen. In Österreich soll die Zahl der Mitarbeiter laut Entwicklungsplan um 19 Prozent (Vollzeitarbeitskräfte) sinken.

Um andere verbleibende Schlaglöcher zu stopfen, will die Bank nun mit viel frischem Kapital im Wert von 13 Milliarden Euro vom Kapitalmarkt wieder den Erfolgskurs einschlagen. Doch der Weg dorthin beginnt holprig. Denn private Geldgeber sind gegenwärtig offenbar kaum bereit, der Bank frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. Bereits wenige Stunden nach der Platzierung schmierte der Kurs der UniCredit-Aktie um mehr als sechs Prozent ab. Der Aktienwert fiel auf 12,24 Euro, Tendenz weiter fallend. Die Mailänder Börse insgesamt war heute Vormittag um 0,2 Prozent schwächer. Immerhin zehn Banken haben Garantien übernommen, dass sie die neuen UniCredit-Aktien an den Anleger bekommen.

Schlechte Ausgangslage, zuversichtliche Großaktionäre

Doch damit wären die Probleme der Bank noch nicht gelöst.. So ist die Bank in den nächsten Jahren mit notleidende Kredite in Höhe von 23,7 Milliarden Euro konfrontiert. Nach etlichen Krisenjahren können viele Italiener ihre Kredite nicht oder nur teilweise bedienen. Diese faulen Kredite will die Bank nun abstoßen. Die Verluste sind ebenfalls beträchtlich. Die EZB hat von UniCredit deshalb gefordert, bis Ende Februar einen Plan zu präsentieren, der den Abbau von Problemkrediten im Detail vorsieht. Deren Deckung hat im vierten Quartal 2016 nach Bankangaben zur Bildung von Rücklagen über über zwölf Milliarden Euro geführt. Zusätzliche könnten Gerichts- und Steuerverfahren die Bilanz mit knapp 13 Milliarden Euro belasten.

Erträge am Boden

Für 2016 erwartet die UniCredit einen Verlust von stattlichen 11,8 Milliarden Euro. Das geht größtenteils auf die im Dezember angekündigte tiefgreifende Restrukturierung zurück. Diese soll helfen, dass größte Problem der Bank in den Griff zu bekommen: Die Ertragskraft. So kämpft die Bank vor allem angesichts des Minimalzinses mit äußerst geringen Margen. Doch der neue UniCredit Vorstand Jean-Pierre Mustier hofft mit der neuen radikalen Sparkur, dem Verkauf der maroden Kredite und der Kapitalerhöhung auf die große Wende.

Die großen Aktionäre der Bank-Austria-Mutter UniCredit geben sich ebenfalls zuversichtlich und haben erklärt, sich an der Kapitalaufstockung in Höhe von 13 Milliarden Euro zu beteiligen

Wenig begeistert von der Kapitalerhöhung zeigt sich Goldman Sachs in einer Analyse und hat das Kursziel für Unicredit von 38,00 auf 33,50 Euro gesenkt. Seine überarbeiteten Gewinnschätzungen je Aktie reflektierten die Konditionen für die Kapitalerhöhung. Goldman Sachs hat die Aktie des italienischen Kreditinstituts aber auf der "Conviction Buy List" belassen.

Niedrige Bewertung, hohe Dividende

Wie viele europäische Bankaktien hat die UniCredit an der Börse in den vergangenen drei Jahren eine unrühmliche Zeit hinter sich. Seither ist die Aktie um 50 Prozent abgestürzt. Alleine im Vorjahr um 18,3 Prozent. Doch seit die Regierung deutlich gemacht hat, dass sie mit aller Macht die italienischen Bank retten will, ist auch die Aktie angezogen. Und die Bank zahlt mutigen Investoren eine ordentliche Zitterprämie in Form einer Dividende. So lockt die UniCredit 2017 mit einer geschätzten Dividendenrendite von 3,78 Prozent. 2018 sollen es 6,10 Prozent sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt für 2017 geschätzte 8,11, für 2018 aus derzeitiger Sicht 6,10. Die Aktie ist damit zwar billig, aber die Risiken sollte man trotz ambitionierter Reformen nicht kleinreden. So fehlen der Bank auch weiterhin Milliarden in der Bilanz. So ist nicht gewiss, ob die Reformen greifen. Denn das Geschäftsmodell, mit Zinsen Geld zu verdienen, hat die EZB nachhaltig torpediert. So halten denn auch die Analysten der UBS fest, dass die Erträge aus dem Kerngeschäft erneut äußerst gefährdet seien.

Der gesamte Bankensektor in Italien fehlen strenge Regeln und Kontrollen. Die Commerzbank-Analysten verweisen darauf, dass das italienische Finanzsystem schon lange mit großen Problemen kämpfe. So sei die Aufsicht zu lax gewesen und das komplexe Insolvenzrecht mache die Sanierung von Banken sehr schwierig.

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