Ungewöhnliche Allianz

Der FINTECH GROWTH FUND EUROPE ist auch im internationalen Vergleich ein sehr erfolgreicher Risikokapital-Fonds. Mit an Bord sind gleich drei Partner.

KEVIN. Die Gründer des litauischen Start-ups Kevin haben kürzlich 60 Millionen Euro eingesammelt.

KEVIN. Die Gründer des litauischen Start-ups Kevin haben kürzlich 60 Millionen Euro eingesammelt.

Es war ein mutiger Schritt, den die drei Partner vor einigen Jahren gesetzt haben. Im Frühjahr 2018 verkündeten der Wiener Frühphasenfonds Speedinvest, die Versicherungsgruppe Uniqa und das Finanzinstitut RBI, gemeinsam einen Start-up-Fonds aufzusetzen. Der Name: Fintech Growth Fund Europe, kurz FGFE. Der Fonds wurde mit in Summe 50 Millionen Euro dotiert.

„Wir hatten damals bereits unser eigenes Start-up-Programm in der RBI laufen. Das hat uns gezeigt, wie groß die Möglichkeiten sind, als Konzern mit Gründern zusammenzuarbeiten. Der nächste logische Schritt war somit, zu sagen, wir investieren auch selbst“, sagt Maximilian Schausberger, CEO von Elevator Ventures, dem unternehmenseigenen Risikokapitalfonds der RBI. Zweiter Partner aus der Finanzbranche ist die Versicherungsgruppe Uniqa, die seit sechs Jahren den mittlerweile größten Corporate-Ventures-Fonds des Landes betreibt, Uniqa Ventures.

(vlnr) Oliver Holle, Maximilian Schausberger, Andreas Nemeth

(vlnr) Oliver Holle, Maximilian Schausberger, Andreas Nemeth

OLIVER HOLLE. Unter der Marke des von Oliver Holle gemanagten Frühphasenfonds Speedinvest läuft der Fintech Growth Fund Europa.

MAXIMILIAN SCHAUSBERGER. Über den von Maximilian Schausberger geleiteten Coporate-Venture-Fonds Elevator Ventures investiert die RBI in den FGFE.

ANDREAS NEMETH. Ist CEO von Uniqa Ventures, dem Start-up-Fonds der Uniqa Insurance Group. Mit einem Volumen von 150 Millionen Euro ist der Fonds der größte Corporate-Venture-Capital-Fonds in Österreich. Die durchschnittliche Rendite liegt bei 27 Prozent pro Jahr.


Zugang zu Start-ups.

„Das Konzept des FGFE ist ungewöhnlich, weil es von Außenauftritt und Strategie einem klassischen Venture-Fonds ähnelt, aber gleichzeitig ausschließlich von zwei Corporates kapitalisiert ist“, sagte Speed­invest-CEO Oliver Holle. Ein Modell, das aus seiner Sicht gleich mehrere Vorteile bietet: Die Konzerne konnten sich unter der neutralen Marke Speed­invest positionieren und dadurch an Start-up-Deals kommen, die klassischen Corporate-Venture-Fonds sonst eher verwehrt bleiben. „Es ist ein Faktum, dass viele Gründer einen neutralen rein finanzgetriebenen Risikokapitalfonds gegenüber einem Corporate-Venture-Fonds bevorzugen“, sagt Holle.

Aber auch Speedinvest hat von der ungewöhnlichen Allianz profitiert: „Wir haben viel gelernt über das Geschäft der beteiligten Partner und Zugang bekommen zu deren Netzwerk in CEE“, sagt Holle. Zudem: Durch die gebündelte Finanzierungskraft konnten größere Tickets gezeichnet werden – typischerweise in der Größenordnung von einer bis vier Millionen Euro.

„Super gut“ 

Aktuell umfasst der FGFE 18 Investments mit einem Gesamtwert von 6,8 Milliarden Euro. „Neben den Unicorns Bitpanda und Wayflyer besticht der Fond durch die Breite an erfolgreichen Start-ups“, sagt Andreas Nemeth, CEO von Uniqa Ventures. Darunter Kevin aus Litauen, die den Kreditkartenmarkt disruptieren, oder Tide, die führende Geschäftskundenbank für KMU in Großbritannien.

Die Entwicklung des Fonds kann sich sehen lassen – auch im internationalen Vergleich. Das eingesetzte Kapital hat sich in den vier Jahren seit dem Launch des FGFE vervierfacht. Holle: „Wir sind mit starken Partnern zum richtigen Zeitpunkt in einen boomenden Fintech-Markt eingestiegen.“

„Eine Frage der Größe“

ANDREAS NEMETH, CEO von Uniqa Ventures, über eine mögliche Öffnung des Uniqa-Start-up-Fonds für externe Investoren und welche Themen sich für neue Partnerschaften eignen.

TREND: Der Corporate-Venture-Capital-Markt befindet sich im Umbruch. In welche Richtung entwickeln sich die ­Risikokapitalfonds der Unternehmen?
NEMETH: In den vergangenen fünf Jahren sind sehr viele neue Corporate-Venture-Capital-Fonds entstanden. Fast jedes Dax-Unternehmen verfügt mittlerweile über einen Risikokapitalfonds, die immer größer werden. Meiner Beobachtung nach treten wir nun in eine nächste Phase ein, in der sich die erfolgreichen Fonds bereits in der zweiten oder dritten Generation befinden und sich als weiteren Entwicklungsschritt auch für externe Investoren öffnen.

Warum gehen Unternehmen diesen Weg?
In erster Linie ist es eine Frage der Größe. Unternehmen wie die Swisscom sind zum Schluss gekommen, dass sie nur gemeinsam mit Partnern die notwendige Größe erreichen können, um im direkten Wettbewerb mit den globalen Risikokapitalfonds einer Deutschen Telekom oder der US-Konzerne mithalten zu können. Ein zweiter Grund ist auf der Seite der Start-ups zu finden. Die Gründer können vom größeren Netzwerk und den gemeinsamen Möglichkeiten mehrerer Investoren, die sich ­zusammenschließen, profitieren.

Eignet sich das neue Fondsmodell auch für Österreich?
Für viele österreichische Unternehmen eröffnet das Modell eines Multi-Corporate-VC-Fonds überhaupt erst die Möglichkeit, sich aktive als Start-up-Investoren zu betätigen, weil dadurch die Eintrittsschwelle in den CVC-Markt deutlich gesenkt wird.

Uniqa Ventures ist der größte CVC-Fonds in Österreich. Wie steht der Marktführer zu einer Öffnung?
Obwohl wir in Österreich zu den größten Risikokapital-Gebern zählen, sind auch wir mit 150 Millionen Euro Fondsvolumen im internationalen Vergleich relativ klein. Deswegen haben wir uns seit Anfang an nach Partnerschaften und Kooperationen umgesehen. Nach sechs Jahren können wir eine exzellente finanzielle Performance, die Erfahrung aus mehr als hundert Transaktionen, ein professionelles Management-Team, ein großes Netzwerk an Co-Investoren und einen entsprechenden Track Record vorweisen. Externen Investoren Zugang zu unserer Expertise zu geben und gleichzeitig die Kräfte mit Partnern zu bündeln, könnte einen nächster Entwicklungsschritt von Uniqa Ventures darstellen. Wir stehen dahingehenden Diskussionen sehr offen gegenüber.

Im Bereich Fintechs kooperieren Sie mit RBI und Speedinvest. Könnte die Partnerschaft auch für andere Start-up-Themen interessant sein?
Unsere Kräfte zu bündeln und das Sektor-Know-how einer Bank und Versicherung mit dem Netzwerk eines international tätigen Venture Capital Fonds zu kombinieren, hat sich als sehr intelligente Lösung herausgestellt. Neben der erfolgreichen Zusammenarbeit bei Fintech-Start-ups – die wir unbedingt fortsetzen wollen – sehen wir aber auch großes Potenzial, das bisherige Modell mit den bestehenden und auch neuen Partnern auf anderen Sektoren wie zum Beispiel Mobilität, erneuerbare Energie oder das Thema Gesundheit auszuweiten.

Und wo sehen Sie die größten Chancen für Uniqa Ventures in den nächsten Jahren?
Uniqa Ventures konnte sich in den letzten Jahren als einer der erfolgreichsten Corporate-Venture-Fonds in Europa einen guten Namen machen. Track Record und Netzwerk sind in der Venture Capital Szene überaus wichtig. Die inhaltliche Spezialisierung auf Fintech, Insurtech, Digital Health, Mobi­lität und in Zukunft mit verstärktem Blick auf die Energiewende und Nachhaltigkeit sowie die regionale Fokussierung sehen wir als eine unserer Stärken und sollte sich auch in den nächsten Jahren bezahlt machen. Neben Westeuropa setzen wir weiterhin auf die CEE Region und wollen dort weiterhin zu den aktivsten Risikokapitalgebern zählen.


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ZUR PERSON: Martin Butollo ist seit 2013 Country-CEO der Commerzbank in Österreich. Nach seinem Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität und der Pariser HEC trat Butollo bei PricewaterhouseCoopers ein und wechselte dann nach Frankfurt, wo er bei der Dresdner Bank und der Commerzbank Bankerfahrung sammelte.
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