Ungarische Billig-Airline Wizz Air im Steilflug

Die ungarische Billig-Airline WIZZ AIR wächst auch in der Krise wie kaum eine andere in Europa. Wie ihr das gelingt und wie die weiteren Expansionspläne der Fluglinie aussehen.

Wizz-Air-Gründer József Váradi

Gründer und CEO JÓZSEF VÁRADI hat den Wert der Wizz Air in den letzten fünf Jahren verdreifacht. In der Tonart soll es weitergehen.

Angesichts der aktuellen Luftfahrtkrise klingen Zahlen wie diese utopisch: Vervielfachung der Flotte bis 2030 von 142 auf 500 Flugzeuge, Neueinstellung von 4.600 Piloten und Schaffung von insgesamt 20.000 Arbeitsplätzen. Der in Ungarn beheimatete Billigflieger Wizz Air scheint die Krise nicht nur kaum zu spüren, er nützt sie auch, um Boden gegenüber seinen Mitbewerbern wettzumachen. Immer öfter wird die Wizz Air deshalb mit Europas größtem Billigflieger, Ryanair, verglichen.

Die jüngsten Zahlen aus dem August zeigen, dass Wizz Air die Passagierzahlen von einem Viertel, gemessen am irischen Branchenprimus, auf ein Drittel erhöhen konnte. Der Abstand verringert sich also. Wizz Air bietet heute mehr Sitze an als noch vor der Krise, während Ryanair gerade erst bei 90 Prozent vom Vorkrisenangebot steht. In diesen Tagen weitet die ungarische Billig-Airline ihr Angebot auch in Wien um sieben Verbindungen auf 64 massiv aus.

Das Erfolgsrezept des Low-Costers mit der rosa Heckflosse liegt in einem enormen Cash-Polster von zuletzt 1,7 Milliarden Euro, einer extrem jungen Flotte, die weniger Wartung und Treibstoff erfordert, und: "Verglichen mit der AUA oder der Lufthansa hat sie natürlich keine Altlasten wie teure Pensionsfonds", sagt Luftfahrtexperte Kurt Hofmann.

Der Mann hinter dem Aufstieg

Mastermind hinter dieser märchenhaften Wachstumsstory ist Wizz-Air-Gründer József Váradi (siehe Interview). Der 55-jährige Manager hat die Airline 2003 gegründet und sie in 18 Jahren zur größten Airline in CEE mit 40 Basen in 21 Ländern und zuletzt einem Jahresumsatz von 2,7 Milliarden Euro gemacht. Zum Vergleich: Die AUA schaffte 2020 mit 460 Millionen Euro nicht einmal ein Fünftel dessen. "Ohne Váradi wäre die Wizz Air nie das geworden, was sie jetzt ist", glaubt auch Hofmann.

Und diese Erfolgsstory dürfte weitergehen. Denn viele Hub-Carrier, wie eben die AUA, mussten während der Pandemie Kapazitäten abgeben und können nun nicht mehr ans Vorkrisenniveau anschließen. Billigflieger wie die Wizz Air füllen das Vakuum auf und gewinnen sukzessive Marktanteile dazu. "Das Schrumpfen anderer Airlines eröffnet uns neue Möglichkeiten, zu wachsen", sagt auch Váradi im Gespräch mit dem trend. Dass es die Wizz Air - anders als die Lufthansa oder die AUA - ohne jegliche Staatshilfe durch die Pandemie geschafft hat, wird er dabei nicht müde zu betonen. "Was die AUA macht, ist nichts anderes als das Verschlingen österreichischer Steuergelder", glaubt Váradi. Der Ungar geht fix davon aus, dass der Großteil der Staatshilfen nicht zurückgezahlt werden kann.

Das verbindet ihn übrigens mit seinem irischen Konkurrenten, Ryanair-Chef Michael O'Leary. Dass die Wizz Air auch staatliches Geld der Bank of England im Ausmaß von 300 Millionen Euro in Anspruch genommen hat, steht für Váradi auf einem anderen Blatt. Dies sei Geld, das nach normalen Marktkonditionen vergeben wurde und kommenden Februar zurückgezahlt werde, versichert er.

Der Mann hinter dem Aufstieg

Wo viel Licht, da viel Schatten. Immer wieder wird die Wizz Air für ihre schlechten Arbeitsbedingungen und geringen Gehälter von den Gewerkschaften gerügt. Auch in der Pandemie hat sich die ungarische Airline von vielen Mitarbeitern zumindest zeitweilig getrennt beziehungsweise diese zu einem Gehaltsverzicht bewegt.

Ausgerechnet in dieser Zeit wurde bekannt, dass sich Váradi einen Bonus von 100 Millionen Pfund ausverhandelt hatte, sollte es ihm gelingen, den Wert der Airline in den nächsten fünf Jahren mehr als zu verdoppeln. Kritik daran wischt Váradi aber selbstbewusst vom Tisch: "Ich wünsche jeder Airline einen CEO, der das schafft", sagt er. Den besten europäischen Airlines würde aber nicht mehr als fünf Prozent Wachstum jährlich gelingen.

Wie aber sieht es mit dem Wachstum der Wizz Air aus, wenn Europa das Fliegen aus Klimaschutzgründen verteuert oder Kurzstrecken überhaupt unterbindet? Auch da bleibt Váradi zuversichtlich. Er verweist da gern auf seine junge, umweltfreundliche Flotte und: "Das Thema Kurzstrecke betrifft eher die AUA und die Lufthansa als uns. Warum fliegt man von Wien nach Innsbruck oder von München nach Frankfurt? Wir haben keine so kurzen Strecken in unserem Programm", versichert er. Der Wizz-Air-CEO geht auch davon aus, dass er die niedrigen Ticketpreise wird halten oder sogar senken können. Denn, so Váradi: "Wir wollen noch mehr Menschen dazu bewegen, mit uns zu fliegen." Und will er so irgendwann vielleicht einmal größter Billigflieger Europas werden und die Ryanair überholen? "Es ist nicht unbedingt ein Ziel von mir, die Ryanair zu überholen. Ich will einfach besser als meine Mitbewerber sein", gibt er die Parole vor. Und wenn man sich ansieht, was Váradi in den letzten 18 Jahren alles gelungen ist, ist man geneigt, ihm seine Zukunftsvision abzunehmen. Auch die Aktionäre der Wizz Air dürften das so sehen, ist der Kurs in den letzten drei Jahren doch um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Lufthansa beispielsweise hält bei einem Minus von mehr als 60 Prozent.

Take Aways
  • 4.600 neue Piloten will Wizz Air bis 2030 einstellen.
  • Die Flotte soll bis 2030 von 142 auf 500 Flugzeuge anwachsen.
  • Ab Herbst will Wizz Air 64 Verbindungen von Wien aus anfliegen.
  • Wizz Air verfügt über 1,7 Milliarden Euro Cash.
  • 45,9 Prozent beträgt der Marktanteil der Wizz Air in CEE, jener der Ryanair liegt bei 26 Prozent.
  • Das durchschnittliche Alter der Wizz- Air-Flieger liegt bei 5,4 Jahren, das der Lufthansa bei 12,5.
  • Nur 44,1 Prozent macht der Anteil der Ticketpreise am Gesamtumsatz aus, den Rest verdient Wizz Air mit Zusatzleistungen wie Gepäckkosten.
  • wizzair.com

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