trend Umfrage: Wie steht es um die Wirtschaftskompetenz der Parteichefs?

Die große trend-Umfrage zur Einschätzung der Wirtschaftskompetenz der österreichischen Parteichefs zeigt: Kanzler Karl Nehammer wird die höchste Wirtschaftskompetenz zugeschrieben. Seine Werte sind aber im Vergleich zu seinen Vorgängern niedrig.

Bundeskanzler Karl Nehammer

Kanzlerbonus für Wirtschaftskompetenz: Karl Nehammer wird unter allen heimischen Parteichefs die höchste Kompetenz zugeschrieben.

Das waren noch Zeiten, als SPÖ-Kanzler Christian Kern und ÖVP-Minister Sebastian Kurz, der sich eben anschickte, die Partei zu übernehmen, um die Gunst der Entscheidungsträger in der Wirtschaft buhlten. Die Rivalität hinterließ im Publikum den Eindruck, dass hier mit Konzepten und Ideen gefochten wurde.

In einer trend-Umfrage im März 2017 bescheinigten 57 Prozent Kern und 50 Prozent seinem späteren Nachfolger Kurz eine "sehr hohe" oder "hohe" Wirtschaftskompetenz.

Fünf Jahre, eine Pandemie und mehrere Regierungswechsel bzw. -umbildungen später spiegeln die Werte eine deutliche Ernüchterung im Wählervolk wider. Kanzler Karl Nehammer von der ÖVP, dessen wirtschaftspolitische Visionen man bisher vergeblich sucht, führt im Vergleich mit den Chefs der anderen Parteien das Wirtschaftskompetenz-Feld erstaunlicherweise an.

Mit 37 Prozent liegt der soeben mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen zum ÖVP-Chef Gewählte aber klar hinter den Vorgängern zurück. Das reicht noch immer, um SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner (27 Prozent) und Vizekanzler Werner Kogler (23 Prozent) von den Grünen, einen studierten Volkswirt, auf Distanz zu halten. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger liegt gleichauf mit Kogler, klar abgeschlagen ist FPÖ-Obmann Herbert Kickl.

Abgefragt wurden auch andere politische Kompetenzfelder, die derzeit besonders im Zentrum stehen. Und überall zeigt sich das gleiche Bild: Nehammer führt mit deutlichem Abstand vor Rendi-Wagner, deren Partei in den derzeitigen Umfragen ja vor der ÖVP liegt, Kickl auf dem letzten Platz.

In der Energiepolitik, durch den Ukraine-Krieg und die russischen Gaslieferungen im Fokus, ist der Vorsprung dabei etwas kleiner als im allgemeinen Krisenmanagement. "Sehr stark differenziert wird zwischen den einzelnen Kategorien aber nicht", beobachtet market-Expertin Birgit Starmayr.


Das Umfrageergebnis finden Sie auch in der trend. PREMIUM Ausgabe vom 27.5.2022

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